Ausgabe 
6.5.1917
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Aufwärts!

r Gcmcinscbaftsblatt für Hessen.

Erscheint wöchentlich einmal, kinzelne Exemplare bestelle man bei der Post viertelsährlich.

Urrlas der Buchhandlung der Pilgermission Liehen.

Redakteur: Stadtmissionar verrmann-Gießen. Mitarbeiter-: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pügermissivn. Truck v. I. G. Oncken Ätachs., G. tn. b. £>., Cassel.

Nr. 18.

Sonntag, den 6. Mai 1917.

10. Lahrg.

Reiseerlebnis einer Zweinndnennzig- jährigen.

Vor etwa zehn Jahren wurde eines Abends in einer offenen Halle das Evangelium verkündigt. Die Versammlung hatte bereits begonnen, als eine Greisin, die in jener Stadt bei ihrer Toch­ter zu Besuch weilte, in Begleitung eines Kindes erschien und alsbald auf ihre Knie sank und betete. Sie bewegte dabei laut­los und andächtig ihre Lippen, indem sie der Reihe nach ihre auswendig ge- lernten Gebete her- sagte. Als die Ver­sammlung beendet war, ging eine gläu­bige Christin, Frau B., auf die Greisin zu und sagte zu ihr:

Sie scheinen müde und erschöpft zu sein wollen Sie nicht mit mir kommen und ein wenig bei mir rasten?" Mit diesen Worten faßte Frau B die Alte bei der Hand, um sie nach ihrer nahegelegenen Wohnung zu führen.

Die Greisin sagte:

Ich knn allerdings sehr müde; ich bin zweiundneunzig Jahre alt und habe

heute einen weiten Weg gemacht. Aber ach ich bin eine große Sünderin I Und je älter ich werde, desto mehr Sünden sehe ich an mir. Aber ich hoffe, daß ich noch Vergebung bei Gott erlangen werde; wenn nicht, so bin ich arme Frau verloren I" Bei diesen Worten strömten heiße Tränen über die Wangen der Alten.

Daheim angelangt, bot Frau B. ihrem Besuch einen ihlatz an, daun sagte sie zu ihr: Ich habe eine gute Botschaft für Sie, nahm ihre Bibel und las die Worte ans Joh. 1, 29:Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Well Sünde trägt." Hier­an anknüpfend, wies Frau B. die alte Frau darauf hin, daß alle eigenen Bemühungen und Anstrengungen des Menschen, seine Sünden selbst abzu­büßen und zu sühnen, gänzlich vergeb­lich sind, daß aber der HErr Jesus, der Sohn Gottes, am Kreuzesstamm gerade für Schul­dige und Ver- loreneSeinteu- resLeben hin ge­geben und all deu gerechten Anfor­derungen Gottes hinsichtlich der