Ausgabe 
22.4.1917
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begreift er das Traurige seiner Lage, dann empfindet er den Ekel am Erlebten und den Abscheu vor sich selbst, dann sehnt er sich heraus aus seiner Gebunden- heit, und nun klingt der Wehruf aus der Tiefe seines Herzens:Meine Sünden gehen über mein Haupt. Wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. Sie haben mich ergriffen, daß ich nicht sehen kann, denn ihrer sind mehr, denn Haare auf meinem Haupte." '

Diese Erkenntnis hat den Psalmisten erschüttert und ihm den Notschrei nach Hilfe ausgepreßt. Zwar hat er anfangs wohl den Versuch gemacht, sich mit eigener Kraft aus dem Schlamme emporzuarbeiten. Doch bald erkannte er dessen Unmöglichkeit, da hat er seine Stimme zum HErrn erhoben. Und Gott hörte sein Schreien und neigte Seine Gnadenhand hinab in die grausame Grube und zog ihn ans der Befleckung der Sünde und stellte seine Füße auf den Fels der Gnade, daß er frohlocken konnte:

Ich lag in schweren Banden,

Du kommst und machst mich !o3.- Ich stand in Spott und Schandeii,

Du kommst und machst mich groß.'

So hat es ein Paulus erfahren, der vornehmste der Sünder, als er rühmte:Aber mir ist Barm- Herzigkeit widerfahren l" So ist es dem Kämmerer ergangen. Als er glaubte an das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde, da konnte er seine Straße fröhlich ziehen. So haben es all die Blut- zeugen erlebt, bte für ifjreit ©Inubeit fteubtg auf beit Scheiterhaufen stiegen, und afl die Lichtmenschen, die Friede, Freude und Segen um sich her ausbreiteten. Sie alle haben nach Sündeuweh und Sündenleid , in Jesu ihr Heil und ihren Halt gefunden und rühmen von Ihm:O sichre, sel'ge Zuflucht, erprobter Felsen- grund I"

Und wenn dir heute Menschen begegnen, Men,chen mit dem Glanze der Ewigkeit in ihren Augen und mit dem Frieden der ewigen Heimat in ihrem Herzen, und du fragst sie nach' ihrem Glück, dann iverden sie dir antworten:Der Glaubensgrnnd, auf dem wir stehen, ist Christus und Sein teures Blut."

Sag, macht dir das nicht Mut, die dunkle Sündenhöhle zu verlassen? Gibt dir das nicht Lust, dem schwankenden, unsicheren Boden deines alten Lebens zu entfliehen und deine Zuflucht zu nehmen zu dem HErrn, bis auch du anbeten kannst:Fels, auf dem ich stehe!"

Sage nicht, ich stecke nicht im Schlamme! Weißt du nichts daß das Dichten und Trachten des mensch- lichen Herzens böse ist von Jugend auf, daß nicht einer ist, der Gutes tue, auch nicht einer?

Darum erkenne und bekenne es:Ich sitze in der grausamen Grube." Aber dann bete auch:

Fels des Heils, geöffnet mir,

Birg mich, ew'ger Hort, in dir!"

Selige Stunde, in der der Mensch es bis zum Schwören wissen darf:Nun habe ich den Grund

gefunden, der meinen Anker ewig hält!" Seliger Augenblick, wenn der begnadete Sünder aus seliger Erfahrung rühmt:Fels, auf dem ich stehe!"

Da schaut man glücklich rückwärts, dankbar auf- wärts, suchend seitwärts, getrost vorwärts; denn man darf in die ungewisse Zukunft hinein gewisse Tritte hm.-

Wenn Gottes Blitze und Gerichtswetter das Haus »nistürmeii, so fällt es doch nicht, denn es ist auf einen Felsen gebaut. Und wenn einst alle Herr- lichkeit der Welt i» den Staub sinkt, ivenn die Himmel veralten wie ein Gewand, wenn die Felsen der Erde stürzen und die Elemente vor Hitze zer- schmelzen, dann bleibt Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit derselbe, und iver Ihm angehort, darf auch dann noch jauchzen:

Fels, auf dem ich stehe!" L. T.

'S»,

Was die Aivel vermag.

Einer der zahlreichen Europäer, welche weder vom Christentum noch von der Mission etwas halten, besuchte die Fidschiinseln (Australien) und riet n»em dortigen christlichen Häuptling, den Glauben an die Bibel aufzugcbei,; in Europa sei man über das alles weit hinaus, mit der Kultur passe derartiges nicht zusammen. Der Häuptling wies nur auf einen mäch­tigen Felsblock und eine Erdhöhle am Eingang des Dorfes.Sehen Sie," erwiderte er ruhig,hier aus dem Stein haben wir früher unsere Gefangenen ge­tötet, dort in der Höhle wurden sie gebraten, und dann verzehrten wir sie, und genau dasselbe wäre mit Ihnen auch geschehe», wenn die Bibel nicht hicrhergekommen wäre!"

Bon diesem ehemaligen Menschenfresser haben viele moderne Deutsche zu lernen. In ihrem blinden Hochmut dünken sie sich erhaben über die Bibel; sie behandeln die Heilige Schrift wie ein wertloses Märchenbuch. Da ist es der Mühe wert zu hören, was die größten Geister deutscher Nation über die Bibel geurteilt haben.

Kant, der grotze Philosoph,

der kein gläubiger Christ, aber ein gottesfürchtiger Mann war, schrieb einst an einen Freund :Auch darin tun Sie wohl, daß Sie Ihre einzige Be­ruhigung im Evangelium suchen, den» es ist die unversiegbare Lluelle aller Wahrheit, die, wenn die Vernunft ihr ganzes Feld ausgemcssen hat, nirgend anders zu finden ist. Und was sagte Goethe, der gefeierte Dichter, den die klugen Leute unserer Tage mit Vorliebe ihrenAltmeister" nennen.

An der Bibel wird sich jedes Geschlecht wieder ver- jüngen; der Maßstab für das Leben und die Kraft eines Volkes wird immer seine Stel­lung zur Bibel sein."Je höher die Jahrhunderte an Bildung steigen, desto mehr wird die Bibel zum Teil als Fundament, zum Teil als Werkzeug der