Ausgabe 
22.4.1917
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Aufwärts!

Oemeinscbaftsblatt fflr Herren.

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Nr. 16.

Sonntag, den 22. April 1917.

SKeOofteur: Stadtmissionar berrmann-Girßm. Mitarbester^ P orrer Sp-rber^Casse,, Pfarrer Strauß-Lewzig u, d Prediger d Trust », Q. G, Puden Nachf.,G m.b,H Cass-b

10. Zahrg.

Wein Aeks im Meer.

Mich warf die Menge meiner Sünden Wie ein empörtes Meer herum,

Ich war ein traurig Spiel den Winden, Ward des Verderbers Eigentum,

Mir drohte mein befleckt Gewissen Mit grauenvollen Finsternissen,

Mit unaussprechlich großer Not;

Ich schwebt' auf diesen wilden Wellen Verzweifelnd an dem Rand der Höllen Und rang mit Leben und mit Tod,

Doch mitten in den Todesnöten Erblickte Jesus meinen Schmerz;

Ts drang mein tränenvolles Beten An des Berlöhners liebend Herz,

Er half mir, stärkte meinen Glauben,

Den mir der Zweifel wollte rauben,

Und nun erquickt mich Freud' und Ruh' Wie groß ist, '-Jesus, Dein Erbarmen Wie sanft ruh' ich in Deinen Armen Wer tröstet, wer erfreut wie Du?

Nun laß die Tiefen immer brausen, Ts wüte ungestüm das Meer;

Ich sehe ohne Furcht und Grausen Auf aller stnstern Mächte Heer,

Ihr werdet mich nicht mehr erschrecken. Der Schild des Glaubens wird mich decken Auch in, der allerschwersten Zeit.

Laß Erd' und Himmel selbst vergehen, Der Fels, auf dem ich ruh', bleibt stehen, und mit Ihm meine Seligkeit I

KeLs, auf dem ich liehe.

Ich harrte des HErrn, und Er neigte Sich zu mir und hörte mein Schrei'n , und zog mich aus der grausamen Grube

und aus dem Schlamm und stellte meine Füße auf einen Fels, daß ich gewiß treten kann; und hat mir ein neu Lied in meinen Mund gegeben," Ps, 40,

Wohl dem Volk, das jauchzen kannl Wohl dem Menschen, der jubelnd bekennen darf:Fels,

auf dem ich stehe!" Kannst du es singen, lieber Leser'? Kannst du deine Harfe schlagen zum Preise des Lammes und aus seliger Erfahrung heraus rühmen:Der Herr stellte mein- Füße auf einen Fels, daß ich gewiß treten kann!"?

Der Sänger des 40, Psalms konnte es. Fröhlich klingen die Saiten seiner Seele zum Preise Gottes; denn der HErr hat ein neues Lied in seinen Mund gegeben:Fels, auf dem ich stehe!"

Immer hat er dieses Lied nicht gesungen, weil er nicht immer auf dem festen Grunde gestanden hat. Er hat eine Zeit in seinem Leben, daran denkt er nur mit Schmerzen zurück, eine Zeit, da seine Seele ge­fangen lag im Schlamme der Welt, da seine Füße gehalten wurden von der grausamen Grube der Sünde, Dainals hatte er kein Lied auf den Lippen, damals rang sich ein langer, verzweiflnugsvoller Notschrei aus seiner Kehle,

Ist cs nicht ein merkwürdiger, |g hinkender Vergleich, die Sünde mit A dem Sumpfboden in eine Linie zu stellen? Ist denn die Sünde so etwas Furchtbares? Ist denn die Sünde nicht süß? Verschafft sie dem Menschen nicht manche glück-

liche Stunden?.

Gewiß, solange des Me:,scheu Gewissen noch schläft, solange der Sünder noch kein klares Gemerk hat für. Recht und Unrecht, solange er nicht die Folgen seiner Sünde spürt, solange er nicht an den Richter denkt, solange merkt er nichts von der Ge­fährlichkeit seiner Lage, solange fühlt er sich wohl im Schlamme, solange atmet er tief nud stark in der Giftluft der Niederung, Der Mensch kann sich eben an alles gewöhnen.

Aber wenn dann plötzlich das Gewissen auf- wacht, wenn das helle Licht der Gnade in die Seele fällt, wenn die Seele aufschreit nach Gott, dann