Erziehung, freilich nur von wahrhaft weisen Menschen benutzt werden."
Wahrlich, Goethe hat recht; an. die großartigen erzieherischen Wirkungen der Bibel reicht kein mensch- liches Buch, Werk, Wort, Vorbild oder Strafgesetz heran. Dies göttliche Wort bringt Wandlungen hervor, welche als greifbare, sichtbare Wunder erlebt werden. Es befreit Lasterknechte aus. ihren Ketten, es sprengt felsenharte Herzen, es beugt den unbeugsamsten Stolz, es bringt Verzweifelnden Hoffnung und Kraft, ja Sterbenden das Leben. Daß es so ist, bezeugen alle wahren Christen; viele bekennen, daß ein Wort der Bibel als ein Strahl des göttlichen Lichtes in ihr dunkles Leben leuchtete, und daß es alsdann völlig erneuert und verwandelt wurde. Viele wurden aus Sündendienst, Unreinigkeit, Trunksucht, Jähzorn, Betrug befreit. Das lebenzeugende Wort Golies, die Bibel, trat als der göttliche Erzieher in das Leben, in die Häuser ein, vertrieb die Finsternis und überwand die Gewalt der Sunde.
Daß es so ist, beweisen sogar diejenigen, welche Bibclfeinde sind, denn sie setzen unbedingt voraus, daß ein Mensch, der die Bibel liestz weder lügt, noch betrügt, noch stiehlt, noch sich betrinkt, noch in Unkeuschheit lebt. Sie. crivarten . dies von jedem Menschen, der sich zum Worte Gottes bekennt, deshalb nennen sie jeden einen Heuchler, der sie in dieser Erwartung täuscht. Das ist durchaus berechtigt.
Zwei Reisende.
hatten sich in den öden, menschenleeren Gegenden des wilden Westens Nordamerikas verirrt. Endlich sahen sie ein Licht und kamen an eine einsame Blockhütte. Aber sie erschraken, denn.ein riesiger Mann mit wildem, struppigem Barte erhob sich bei ihrem Eintritt hinter dem Tisch. Als sie ihm ihre Not schilderten, antwortete er: „Ich will sehen, was ich tun kann," und ging aus der Stube. Der eine sprach:, „Mit diesem unheimlichen Menschen bleibe ich nicht unter demselben Dache, wir wollen schnell hinweg, lieber halte ich die ganze Nacht draußen aus." Aber der andere war an den Tisch getreten und hatte in das Buch gesehen, das dort lag. Er erwiderte: „Sei nur ruhig, hier können wir getrost bleiben, der Mann hat in der Bibel gelesen "
Unsere heutige hochdeutsche Sprache ist erst nationale Sprache für alle Deutschen geworden, als man sich im Norden und Süden, im Osten und Westen durch die Bibelübersetzung gewöhnte, in dieser Sprache zu reden, zu lesen, zu schreiben, zu predigen und zu unterrichten. Das deutsche Volk verdankt also seine heutige Sprache der Bibel/ Es gibt heute viele Völker, und Stämme auf Erden, welche durch die Bibel nicht nur ihre Sprache, sondern zugleich ihre Schrift empfingen oder empfangen sollen. Die Missionare, welche die Wahrheit der Bibel zu den Menschenfressern ans den Inseln des Stillen Ozeans, zu den
wilden Stämmen im Innern von Südamerika, Afrika. Asien, Australien bringen, sie schaffen erst für diese Völker Sprache und Schrift; sie bringen ihnen erst die Fähigkeit, klar zu denken, ihre Gedanken auszusprechen.
Wie es nach göttlichen Gedanken in einer Fa- milie zugehen soll, daß die Männer arbeiten sollen, daß sie ihre Weiber lieben und ehren sollen, wie sie ihre Kinder erziehen sollen, das alles lernen ganze Volker erst aus dem Worte Gottes.
Der berühmt' Asrikareisende
Henry M. Stanley
berichtet folgende merkwürdige Begebenheit: „Als ich meine Reise nach Afrika antrat, erhielt ich eine kostbar gebundene Bibel als Geschenk von Janet Livingstvne, der Schwester des großen Missionars und Forschers David Livingstvne. Da ich fürchtete, daß dieses schöne Exemplar auf der Reise um den Viktoria-Nyansa zu sehr leiden möchte, so ließ ich es an der Küste zurück und bat einen meiner Gefährten, mir seine Bibel zu leihen, die schon etwas abgenutzt war. So begab ich mich auf die Reise nach Uganda und ahnte nicht, welche Umwälzung dieses kleine Buch in Zentralafrika veranlassen würde. Wir weilten bereits einige Zeit in Uganda, als ich gelegentlich einer Audienz beim König Mtesa auf den Glauben zu sprechen kam und dabei der Engel erwähnte. Dadurch wurde die Wißbegierde des Königs und der Häuptlinge, aufs höchste erregt,, und ein- mütig baten sie mich, ihnen mehr über diesen Gegen- stand zu sagen. Aber meine mündlichen Beschreibungen genügten ihnen nicht, daher sagte ich endlich: »Ich habe ein Buch bei mir, welches euch nicht nur klar sagt, wie die Engel sind, sondern euch auch Aufschluß gibt über Gott und Seinen hochgelobten Sohn, dessen dienstbare Geister sie sind.« »Bitte, hole es,.« riefen sie eifrig, »hole es gleich, wir wollen gern solange warten.« Das Buch wurde gebracht, und ich öffnete es und las das zehnte Kapitel des Propheten Hesekiel sowie das siebente Kapitel der Offenbarung vom neunten Verse bis zum Schlüsse. Als ich den elften und zwölften Vers las. war eine so lautlose Stille, daß mau hätte eine Nadel können zur Erde fallen hören. Als sie die Schlußverse hörten: »Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne noch irgendeine Hitze,« da hatte ich ein starkes Vorgefühl, daß in Uganda viele für-Christum gewonnen werden sollten. Es ward mir nicht erlaubt, jene Bibel wieder mitzunehmen. Mtesa vergaß nie die wunderbaren Worte und die ergreifende Wirkung, die sie aus ihn und seine Häuptlinge ausgeübt hatten. Als ich aus seinem Lande sortreiste, kam sein Bote mir nach und rief: »Das Buch! Mtesa wünscht das Buch zu haben!« Die Bibel wurde dem Boten überreicht."
Heute zählen die Christen in Uganda nach vielen


