Ausgabe 
25.2.1917
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er gesehen hatte, was es enthielt, in kleine Fetzen und »Darf diese über Bord. Die Dame sagte in ernstem Tone: ^,Sie werden von Ihrem Tun dereinst Rechenschaft ablegen müssen," und wandte sich dann von ihm ab.

Der Herr dachte nicht weiter an die Sache. Er hatte den Traktat zerrissen und den Winden Preis- gegeben; damit war der Vorfall, wie er glaubte, erledigt. Der lebendige Gott aber hatte es anders beschlossen. Er hatte weder den Traktat vergessen, noch auch den Mann, der ihn zerrissen hatte. Er hatte cs so gelenkt, daß ein kleines Stück des Traktates durch den Wind in den Busen des Mannes geweht worden war. Und als sich dieser am Abend ent­kleidete, um sich zur Ruhe zu begeben, fiel das Stück- chen Papier zu Boden.. Er hob es auf. Es war nur ein ganz kleines Stück, aber gerade groß genug, um zwei Worte von unendlicher Wichtigkeit und tiefem Ernst zu enthalten, nämlich:Gott" und Ewigkeit". Als der Herr diese Worte las, kamen plötzlich auch die Worte der Dame in sein Gedächtnis zurück:Sie werden von Ihrem Tun dereinst Rechen- schaft ablegen müssen."

Drei große und ernste Wirklichkeiten standen plötzlich vor dem Geiste des tief betroffenen Reisenden: Gott Ewigkeit Rechenschaft und Ge­richt". Wahrlich, ernste, niederschmetternde Worte! Er legte sieb nieder, aber er vermochte nicht zu schlafen Ruhelos wälzte er sich auf seinem Lager hin und her; der hereinbrechende Morgen fand ihn immer noch. wach. Unanshörlich tönten die Worte: Gvtt, Ewigkeit" undGericht" in seinen Ohren ivieder und fanden ein lautes Echo in seinem Herzen und Gewissen.

Endlich erhob er sich von seinem Lager und suchte bei einer Flasche Wein seine Unruhe zu ver­gessen. Aber vergebliche Mühe! Er trank, bis sich seine Sinne umnebelten und er in einen unruhigen Schlummer fiel. Sobald er aber erwachte, kehrte seine Unruhe mit verstärkter Gewalt zurück. Immer drohender standen die feierlichen Worte:Gott Ewigkeit Gericht" vor seiner Seele. Ein Pfeil aus dem Köcher Gottes hatte sein Gewissen erreicht und getroffen. Er hatte gedacht, sich mit leichler Mühe des Traktates, jenes stillen Boten Gottes, entledigen zu können. Aber nein; Gott gedachte an ihn. Er sandte den Wind, der von den vielen Stück­chen, in welche der Traktat zerrissen worden war, gerade dieses eine in den Busen des Reisenden wehen mußte, weil es die Worte enthielt, die sein Herz und Gewisscn treffen sollten.

Trotz all seiner Feindschaft und seinen An­strengungen vermochte jener Mann nicht den Pfeil, der sein Herz getroffen hatte, zu entfernen. Ver­gebens mühte er sich ab, die empfangenen Eindrücke los zu werden und alles zu vergessen. Seine Not wuchs von Stunde zu Stunde; seine Angst nahm immer mehr zu. Nur eines war imstande die Wunde

zu heilen, und das war das köstliche Evangelium Gottes und der Wert des vergossenen Blutes Christi. Und Gott leitete es so, daß er bald nach­her dieses Evangelium hörte und Ruhe und Frieden fand in dem vollbrachten Werke Christi.

Und nun, mein lieber Leser, ivas denkst du von diesen Dingen? Hast du jemals den tiefen Ernst jener Worte:Gott, Ewigkeit und zukünftiges Gericht" gefühlt?

ZL

Die KrLösungsöcdürstigkeil aller Menschen.

Dem Kerkermeister zu Philipp!, dem Kaiser Nero zu Rom, dem Barbaren sowie dem Scythen, dem Gebundenen sowohl wie dem Freien, dem Vor- nehmsten unter den Sündern sowie dem Höchst, gestellten oder dem Geringsten gilt nur die eine Botschaft:Gott hat Seinen Sohn gesandt zur Versöhnung für unsere Sünde, auf daß, wer an Ihn glaubt, nicht verloren werde, sondern das ewige Leben habe."

Es ist kein Unterschied in bezug auf die Er­lösungsbedürftigkeit der Menschen. Es gibt deren etliche, die vor groben Lastern bewahrt geblieben sind, die ein sittenreines, rechtschaffenes Leben geführt haben; dennoch bedürfen sie ebensogut des Evange­liums, wie der Gefangene in seiner Zelle, und wie der ans offener Straße dem Laster Huldigende. Das Evangelium ist um der Sünde willen gegeben, und hätte einer auch nur eine einzige Sünde,' so könnte er ohne die Ve.söhnung unsers HErrn Jesu Christi diese eine Sünde nicht los werden. Aber alle Menschen haben nicht nur eine, sondern viele Sünden; sie mögen nicht alle gleich deutlich zutage treten, ihrer etliche mögen im geheimen geschehen, aber das macht sie vor Gottes Augen nicht weniger sündig Vor Ihm ist nichts verborgen, Er sieht alles. Ob eine.Sünde öffentlich oder im geheimen geschieht, ob sie größer oder kleiner ist, tut gar nichts zur Sache, es bedarf des Blutes Christi, um sie zu beseitigen. Die Eiufcrnung der von der sittenreinsten Person der Welt begangenen Sünde erfordert das Versöhnungs­opfer Jesu Christi. Kein Bad kann auch nur einen einzigen S ü n d e n f l e ck e n hinweg- nehmen außer das in dem Blute des Lam- mes genommene.

Alle Menschen haben böse Herzen; wenn sie auch nicht alle in gleicher Weise zu schänd­lichen Lastern geneigt sind, so ist doch in jedem Sünder der schwarze Flecken der Gottentfremdung, der Sündenliebe und der Abneigung gegen Gott, und um diese Dinge aus dem Herzen zu entfernen, bedarf es in jedem einzelnen Falle des direkten Ein­greifens Gottes. Kein Mensch kann seinHerz