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Nr. 8.
Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Eießen. Mitarbeiter- Pfarrer Sperber-H affet. Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d' Pilgcrmission. Truckv.I.G.OnckenNachf., G m. b. H. CaffA
10. 3ahrg.
Sonntag, den 25. Fib.uar 1917.
Wort des Lebens.
Wort des Lebens, lautre Quelle,
Die vom Himmel sich ergießt,
Lebenskräfte gibst Du jedem,
Ter Dir Geist und Herz erschließt,
Der sich wie die welke Blume,
Die der Sonnenbrand gebleicht,
Dürstend von dem dürren Lande Zu der Quelle niederneigt.
Ohne Dich, was ist die Erde?
Ein beschränktes, finstres Tal.
Ohne Dich, was ist der Himmel?
Ein verschlossner Freudensaal.
Ohne Dich, was ist das Leben?
Ein erneuter, finstrer Tod.
Ohne Dich, was ist das Sterben? Nachtgrau'n ohne Morgenrot.
Wort des Lebens, Du erleuchtest,
Doch erwärmst Du auch zugleich;
Eine Hölle offenbarst Du,
Aber auch ein Himmelreich.
Furchtbar schreckest Du die Sünder Aus der dumpfen, trägen Ruh',
Doch mit Liebe deckst Du wieder Jedes Büßers Fehle zu.
Einen Richter lehrst Du fürchten,
Der mit rechter Wage wägt,
Doch auch einen Vater lieben,
Der mit Langmut alle trägt,
Einen Gott, der den geliebten Ein'gen Sohn zum Opfer gibt,
Der an Ihm die Sünde richtet Und in Ihm die Sünder liebt.
Wort des Lebens, wer Dich höret,
Dem versprichst Du ew'ges Heil;
Doch nur dem, der Dich bewahret,
Wird das Kleinod einst zuteil.
Nun, so will ich Dich bewahren,
Schwert des Geistes, Gottes Wort;
Hilf mir hier auf Erden streiten Und die Krön' erwerben dort!
Ph. Spitta.
Iem Ertrinken naye.
Einst scheiterte ein Schiff an einer felsigen Küste und wurde von der Gewalt der Wellen in Stücke zerschmettert. Einer der Reisenden wurde ins Meer geschlendert. Es gelang ihm, eine Planke von dem Schiff zu erreichen und sich an ihr festzuhalten. Nun wurde er von den Wogen hin und her geworfen; bald war er über, bald unter dem Wasser. Als er dem Ertrinken nahe war, schrie er plötzlich laut: „Mutter, ich habe die Korinthen doch genommen: ja ich hab's getan I"
In diesem Augenblick wurde er von einem Rettungsboot, das zur Hilfe der armen Schiff, brüchigen hinausqesahren war, aufgefischt und ans Land gebracht. Als er sich ein wenig erholt hatte, fragte man ihn, wie er eigentlich zu jenem Aus- ruf gekommen sei. Betroffen schwieg er einen Augenblick still, aber endlich sagte er: „Ihr
wundert euch über meine Worte, und ich tue es nicht minder. In meiner Jugend habe ich einmal meiner Mutter Korinthen gestohlen, die Tat aber nachher abgeleugnet. Ich habe auch in meinem ganzen Leben nicht wieder daran gedacht. In dem Augenblick aber, als mich meine Kräfte verließen, und ich nicht anders dachte, als daß ich sterben müßte, stand meine Mutter mit ernsten Blicken vor mir und stellte mich über jenen Vorfall zur Rede. Daher mein Ausruf."
Das ist ein kleines Beispiel von dem Gedächtnis des Menschen sowie von der Sprache des Ge- Wissens. Jener Reisende erschrak, als sein Gedächtnis ihn angesichts des Todes an jenen Diebstahl in früher Jugend entwerte. Was aber muß es sein, in dem Lichte der Ewigkeit sein ganzes Leben mit allen seinen dunkeln Flecken zu sehen und vor dem Richter- stuhl Christi erscheinen zu müssen, wo ein jeder empfangen wird, je nachdem er gehandelt hat! „Gedenke," sagt Abraham zu dem reichen Manne, als dieser in Qualen war und um einen Tropfen ! Wasser bat, um seine Zunge damit zu kühlen. Ge-


