Ausgabe 
11.2.1917
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Gemeinscbaftsblatt für dessen.

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Verlag der Buchhandlung der PilgermUslon Liehen.

Redakteur; Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter; Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgermission. Druck v. I. G. Oncke.n Nächst. G. m. b. H.. CaM

Nr. 6.

Sonntag, oen 11. Februar I0i7.

10. Iahrg.

Ats die Muffen in Lemberg waren.

Während der Russenherrschaft in der galizischen Hauptstadt Lemberg hatten sich viele Einwohner in den Kellern ihrer Häuser oder in anderen Schlupf­winkeln versteckt, oder sie gingen in allerlei Ver­kleidung umher. Auch eine ganze Anzahl öster­reichischer Offiziere und Soldaten waren darunter, die teils verwundet gewesen oder auf andere Weise von ihrer Truppe abgcschuitten und vom Feinde überrascht worden waren. Wer von ihnen irgendeine Beschäftigung finden und sie unerkannt ausführen konnte, war noch am besten daran So wurde ein ungarischer Offisier Kulscher eines Sodawassermagens, ein Oberleutnant Stallknecht, ein anderer Gehilfe »es Bäckers, b i dem er Unterkunft gefunden hatte. Reiche Hausbesitzer wurden Hausmeister in Häusern ihrer Freunde und höhere Beamte Arbeiter beim Straßenbau, Zeitungsverkäufer oder Zigarettenhändler, und einer rettete sein Leben n»r dadurch, daß er Bettlerkleidung anzog und von Almosen lebte. Ihrer »iele wurden freilich als Verdächtige vor die russi­schen Behörden geschleppt und daun erschossen oder nach Sibirien verbannt

Alle diese armen Menschen verlebten eine furcht­bare Zeit der Angst und Sorge und des bitteren Mangels, und besonders diejenigen unter ihnen, die sich versteckt halten mußten in Kellern und Kanälen und sonstigen Schlupfwinkeln, auf verborgenen Höfen zwischen allerlei Gerümpel- oder hinter den Leichen­steinen der Friedhöfe, wo ihrer viele, die kein Unter­kommen hatten oder ihre Wohnung meiden mußten, die Nächte zubrachten. So harrten sie zehn lange Monate ihrer Befreier, bis endlich der ferne und dann immer näherkommende Kanonendonner deren Ankunft meldete. Was die Wiedereroberuug Lem­bergs gerade für diese Menschen bedeutete, das kann ihnen wohl keiner nachfühlen, der es nicht selbst erlebte. Mit leuchtenden Gesichtern und jauchzen- der Freude tauchten sie aus ihren Verstecken auf, warfen ihre Verkleidungen ab und jubelten, all

ihres Leides vergessend, den Befreiern am lautestem mit zu.

Erlebt nicht ein Menschenkind geistlicherweis! ofk Ähnliches, solange es unter der Herrschaft des Fürsten dieser Welt steht? Welch ein trauriges Leben führt zum Beispiel ein Trinker oder einer, der in den Sünden der Fleischeslust gefangenliegt, oder einer, der Unehrlichkeiten beging und immerdar ein Enldecktwerden befürchten muß, oder jeglicher andere Mensch, der noch unversöhnt mit seinem Gott m mancherlei Sünden und in ständiger Todesfurcht dahinlebt I Sie alle gleichen mehr oder weniger jenen oben beschriebenen Menschen während der Russenherrschaft in Galizien. Sie könnten aber auch heute noch erleben, was jene erlebten, als die Be­freier endlich vor den Toren der Stadt erschienen: eine Befreiung ganz herrlicher Art, ein Heraufsteigen aus den Tiefen der Sünde, ein Ablegen der Lumpeu- kleider, ein Wwderseindürfen dessen, was sie vorher waren, eine jubelnde Freude, der Knechtschaft des Feindes entronnen zu sein, ein seliges Genießen der wiedererlangten Freiheit. Das alles wird einem jeglichen zuteil, der nicht mehr dem bisherigen Herrscher zu dienen gewillt ist, der ja kein Anrecht auf den ewigen Besitz einer Menschenseele hat, obwohl er sich dieses Recht anmaßt und es durch seine Helfershelfer ausübt über viele vielleicht auch noch über dich?

Wie aber jene Menschen ihre Befreiung heiß ersehnten, so glüht auch in allen Menschenherzen mehr oder weniger die Sehnsucht nach Befreiung vom'Joch der Sünde, nach Frieden und Gemeinschaft mit Gott.

Hast du von solchem Gottverlangen dein« Seele noch nichts gespürt? Sei doch einmal ganz aufrichtig gegen dich und gegen Gott! Betrachte doch einmal ernstlich dein jetziges Leben und wie es doch so ganz anders sein könnte, wenn du eine Be­gegnung mit Jesu, dem Tilger deiner Sünde und dem Befreier aus allen Gebundenheiten, hättest! Man muß es erlebt haben an sich und an anderen,