Ausgabe 
14.1.1917
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wieder emporholen könnte. Ist das ern größeres Wunder, daß hier ein Stück Eisen schwamm, als wenn Gott aus der Tiefe der grausamen Grube und aus dem Schlamm einen verkommenen Trinker errettet oder einen Sklaven der Fleischeslust? Das ist auch unmöglich bei Menschen. Aber Jesus erlöst aus der Sündentiefe, und dann schwimmt das Eisen!

Hören wir, was ein junger Mann aus seiner Lebensgeschichte erzählt:

Als ich ungefähr zwanzig Jahre alt war, ging ich ohne Erlaubnis meiner Eltern in die Fremde. Dort trieb ich mich monatelang ohne Arbeit umher. Meine guten Eltern sandten mir auf^ meine Bettel­briefe immer wieder Geld in der Hossnung, mich zur Heimkehr zu bewegen. Endlich fand ich eine Stelle i» M., zuerst als BüroangcstiPter, späler wurde ich sogar Kassierer. In den vier Jahren, die ich in jener Gegend verlebte, war mir das Arbeiten immer mehr Last als Lust. Meine freie Zeit und meine eigentliche Kraft trug ich ins Wirts­haus und in die'Stätten des Lasters. Da mein Gehalt zu solchem Leben nie reichte, so betrog ich bei jeder Gelegenheit meine Mitangestellten oder Prinzipale, ohne je entdeckt zu werden.

Endlich war ich dieses Lebens müde und bewarb mich um Anstellung beim Fahrpersonal einer aus- ländischen Eisenbahn. Ich wurde auch angenommen und hatte nun sechs Jahre lang hauptsächlich Nacht- und Schnellzugsdienst. Tagsüber, wo ich hätte ruhen sollen, trieb ich mich meist umher, spielte und trank und diente der Lust. In dieser Zeit machte ich die Bekanntschaft einer Witwe, Gasthausbcsitzerin, mit welcher ich in ein sündiges Verhältnis trat. Dabei setzte ich das Trinken derart fort, daß meine zitternde Hand des Morgens kaum vermochte, das Glas zum Munde zu führen. In jenen Tagen ivurde ich so elend, so aufgeregt, so lebensmüde und verzweifelt, daß ich mir eines Tages einen Revolver kaufte, mich «bends im Gasthause jener Witwe betrank, die Witwe mit mehreren Schüssen niederstreckte und dann den Revolver an meine Schläfe setzte, um mich selbst zu töten.

Jedoch der Schuß verwundete mich nur, mein Leben blieb erhalten, ich wurde zur Polizeiwache gebracht. Die Witwe starb nach wenigen Tagen an ihren Verletzungen. Das Ende der langen gericht­lichen Untersuchungen ivar dies, daß ich unter Annahme mildernder Umstände (welche in dem früheren Lebenswandel jener Frau gefunden wurden) zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Nun hatte ich Zeit zum Nachdenken. Damals sandten mir meine betrübten Eltern viele Briefe mit treuen, liebevollen Ermahnungen; sie schickten mir auch ein Neues Testament, und ich weiß, daß viele Gebete des Glaubens für mich von meinen Eltern und Geschwistern zum Throne der Gnade aufstiegen.

Die Blätter, welche den Strafgefangenen damals zukamen, erweckten mein Interesse. Langsam erwachte

ich- der dichte Schleier, der vor meinem geistigen Auge lag, wurde durchbrochen von dem göttlichen Licht, bis ich endlich zusammenbrach angesichts der Berge von Schuld, die sich in den Jahrzehnten meines Lebens aufgehäuft hatten. Als ich dann in einem Buche eine Darstellung von dem Leidenswege des Sohnes Gottes las, wie Er nach Golgatha hinausgeführt ivurde, um gekreuzigt zu >vcrdsu, beugte mich die duldende Liebe des Lammes Gottes in den Staub. Mein Herz wollte vor Weh zer- springen. Ich sah, ivie ich selbst, mit satanischen Sündenketten gebunden, alle diese Liebe mit Fußen getreten hatte. Wie furchtbar hatte ich diesen liebeiiden Erretter vcrnnehrt, betrübt und beleidigt. Nächte­lang konnte ich nichts als weinen.

Da auf einmal sah ich im Glauben das Bild des Gekreuzigten, und von Seinen Lippen las ich die Worte: Ja, auch für dich, fasse es nur! Auch deine ungeheure Schuld liegt auf Meinen S ch u l t e r n I Ich, dein Bürge, bezahlte mit Meinem heiligen Blute auch für dich! O, welche Liebe und welches Er- barmen, das ich nicht gekannt hatte!

Ich übergab niich meinem Erbarmer ganz und überließ alles künftige Seiner heilenden Gnade und wurde ein glückliches Kind Gottes.

Gott erhörte auch mein Gebet, meine Eltern zu erhalten, bis ich heimkäme. Schon »ach vier Jahren erhielt ich die Freiheit wieder, der <nest der Strafzeit wurde mir erlassen. .

Aus dieser Begebenheit sehen wir, was Gott in Seiner unendlichen Gnade vermag, ivie Er aus den tiefsten Tiefen herausheben kann.

Er kann machen, daß das Eisen schwimmt.

O. Ä>.

N

Gott redet.

Was sind Kriegszüge und Empörungen, was Schlachten und Friedensschlüsse, was Pest und Hungersnöte? Sind's Geißeln einer blinden Natur oder menschlicher Willkür? Nein, es sind Ruten >n der Hand einer göttlichen Gerechtigkeit. Auch der glücklichste Krieg ist eine Geißel, die züchtigt, ein Ungetüm, das riesige Werte vernichtet. Wie viele Millionen sind schon durch diesen Krieg vernichtet! Warum denn solche Geißeln? Daß das Volk glauben lerne au den Gott der Väter. Das ist die große Lehre, die Europas Völker jetzt zu lernen haben.

Verstehen wir Gottes Sprache? Wissen wir, ivarum heute die Zuchtruten Gottes so schnell hintereinander auf den Rücken unseres Volkes fallen? Weil die Gleichgültigkeit in allen Kreisen immer entsetzlicher wird und die sittliche Fäulnis in allen Ständen wie ein Krebs um sich frißt, das Bewußt­sein für das, was Sünde heißt, unserem Volke ab- handengekommen ist, das Leben überall den Stempel