Ausgabe 
14.1.1917
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der Oberflächlichkeit an sich trägt und das Laster sich auf allen Straßen breit macht. Wenn die Predigthäuser leer werden, die Bibel vergessen unter dem Staube liegt, das Familienleben verfallen ist, der Glaube an Christum als Torheit gilt dann wird Gott Sich aufmachen und durch die Kriegs- trompete oder durch das grollende Erdbeben oder die Posaunenstöße der Not ins Herz hineinrufen:Ich lebe, richte und suche die Bosheit heim!" Ich weiß freilich, daß die Menschen Gottes vergeltende Ge- rechtigkeit leugnen und alle rschütternden Ereignisse ini Menschen- und Völkerleben als ein Spiel der Zufälligkeit ansehen. Aber sind sie denn blind? Wollen sie nicht sehen, wie der zermalmende Wagen göttlicher Gerechtigkeit über Familien und Völker ging? Der Holzhauer geht in den Wald, zeichnet die Bäume an, die für das Feuer bestimmt sind, probiert dann seine Axt, und Schlag auf Schlag erfolgt, bis sie am Boden liegen. So schreitet Gott durch die Welt, und Menschen wie ganze Völker liegen im Staube.

Findet der Bußruf Gottes durch diesen Krieg bei uns ein geöffnetes Ohr?Kehre wieder, deut­sches Volk!", so ruft die ewige Liebe,kehre wieder!" ruft Sein erbarmendes Herz. Trachtet nach dem, das droben ist! Laßt euch versöhnen mit Gott I Schaut, welches der rechte Weg ist, und wandelt darinnen, so will-Ich mich eurer erbarmen, spricht der HErr!

3. W. H.

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Entdeckungen.

Entdeckungen verändern nicht nur unser Ver- hältnis zur Natur, sondern auch unser kulturelles Leben. Keine Entdeckung aber gibt uns so neue Augen für den Gang und Inhalt der Menschheits­geschichte wie die Entdeckung der Liebe Gottes auf Golgatha. Ohne diese Entdeckung rinnt der Strom des geschichtlichen Geschehens aus dem Ungewissen und fließt hin ins Ungewisse. Nun aber wird er beherrscht von der Tat Gottes am Kreuze Christi und erhält klaren Ursprung, Plan und Sinn und klares Ziel. Sowenig wie nian nach der Ent­deckung der Liebe Gottes in der Natur nur noch das eherne Walten kalter unerbittlicher Naturgesetze sehen kann, ebensowenig kann man nunmehr nur noch vom ehernen Gang des kalten unerbittlichen Schicksals in der Geschichte reden. Fortan sehen wir das rettende Erbarmen Gottes am Steuer der Weltgeschichte. Die Geschichte der Menschheit wird zur Geschichte ihrer Erziehung nach Gottes Heils­und Erlösungsplan. Sie hellt sich auf als eine einzige Liebes- und Gnadengeschichte, in der Gottes un­begreifliche Gerichte und unerforschliche Wege alle zu dem einen Ziel hinleiten, nämlich zur Erkenntnis Christi als des Urhebers, Erretters und HErrn alles Lebens und zur Aufrichtung Seiner Herrschaft und

Seines Reiches über alle Völker. Und auf dem Wege zu diesem Ziele leuchtet das feste prophetische Wort der Heiligen Schrift als ein Licht, das da scheint an einem dunkeln Orte bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in den Herzen.

Am allerfruchtbarsten erweist sich die Entdeckung der Liebe Gottes aber für die Aufhellung und Neugestaltung unseres eigenen Lebensganges Mensch, du kennst dich und dein eigenes Leben nicht, ehe du nicht auf Golgatha gewesen! Aber sobald du die Linie passierst, sobald du als armer Sünder vor dem Sünderheiland anlangst, siehst du dich und dein Leben recht. Da bekommst du einen ganz neuen Sinn Auf einmal siehst du, was deine Taten wert sind. Vor dem Urbild der Menschlichkeit und Abbild der Gottheit am Kreuze gelangst du zur Buße. Was ist da Buße? Buße i st da gar ni chts an deres als eben zur Erkenntnis der Liebe Gottes kommen und im Lichte dieser Erkenntnis die Dinge sehen, >v i e sie i n Wirklichkeit, das heißt vor Gott und Seiitem Christus sind. O, wie sieht da dein Herz aus! O, wie schaust du da dich selbst und dein bisheriges Leben anders an! Du schlägst die Hände vors Gesicht und weinst über beides! Du weißt dann, daß in dir, das ist in deinem angeborenen Fleische, wohnt nichts Gutes. Und wie eine Kriegsstraße bedeckt ist mit Brand und Trümmer, so siehst du dann deine alte Lebensstraße, die deinen Krieg gegen Gott bezeichnet, bedeckt mit der Übertretung der Gebote Gottes, wo die Sünde gehaust und verderbt hat und nun schwarz und schwer die Schuld hockt, die sich nicht verjagen läßt. O, da siehst du Unseliger, Verzweifelter, was es heißt, verloren sein und sich nun durch die Entdeckung der Liebe Gottes in dem für deine Sünde und Schuld gestorbenen Sünder­heiland mit einem Male gerettet sehen!

O, wie wird die entdeckte Liebe Gottes da dein hellstes Licht in deiner finstersten Nacht! Und wunderbar, je deutlicher du in diesem Himmelslichte sehen lernst, desto mehr entdeckst du nun das Walten dieser Liebe schon in deinem ver- gangenen Leben. Klarer und immer klarer siehst du, wie sich die Liebe Gottes schon immer um dich bemüht hat, wie sie längst hinter dir her gewesen und dich gesucht hat, ehe du sie suchtest, wie sie dich längst entdeckt hatte, ehe du sie entdecktest. O, das ist dann Beschämung und zugleich Seligkeit! Ja, nun wird dir Erlebnis um Erlebnis in deinem ver­gangenen Leben zum leuchtenden Markstein, der sich so treu um dich bemühenden Liebe Gottes. Deutlich siehst du die Spuren ihres Eingreifens, deutlich ihren weisheitsvollen Gang mit dir, deutlich siehst du, daß sie gnadenreiche Retterliebe ist. Ja, es wird dir dabei zumute, als hätte sich diese Liebe aus­schließlich mit dir beschäftigt, sich ausschließlich um dich bemüht, und mit einem Male mußt du jubeln: