nicht verkündigte, denn das große Evangelium gilt auch heute noch, hat noch heute dieselbe Kraft und Bedeutung wie vor bald zwei Jahrtausenden.
Und so steht's auch heute noch da — und niemand in aller Welt hat das Recht, an dem Worte zu deuteln — „Siehe, ich verkündige euch großeFreude, die allem Volke w i d e r f a h re n wird!" Was der lichte Gottesbote uns hier sagt, das ist wirklich für uns alle bestimmt, nicht nur für jene schlichten Hirten auf Bethlehems Fluren. Hier hat ein jeder das Recht, mit kühnem Glaubensmut seinen Namen einzusetzen und zu sagen: „Das ist auch für mich!"
Wer zählt die Scharen der Erlösten, die dies Wort im Glauben erfaßt und es selig erlebt? Wenn sie jetzt zusammenkämen-, aus allen Völkern, allen Zeiten, die Kleinen und die Großen, die Jungen und die Alten, die Hohen und die Geringen, die Armen und die Reichen — dann verständen wir ein wenig von dem Worte des Sehers Johannes: „Und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte." <Offb. 7, 9.)
Und du, mein Freund, der du dies liest, gehörst du nicht auch dazu? Bist du nicht auch mit eingerechnet unter die Glückskinder, für die der Heiland geboren ist? Bist du nicht auch einer aus „allem Volke"? Wohlan, so greife getrost zu und nimm's für dich I Es geht die Gesunden und Starken an, aber doch nicht die allein.
Oder meinst du, der du wund und siech daniederliegst, der du schwach und matt unter Leiden seufzest, der du verzagt und traurig gestimmt bist über deine Schmerzen - meinst du etwa, du wärst darum ausgeschlossen von allem Volke?
Nein, nein — ganz gewiß nicht. Gerade für dich ist der Heiland geboren, gerade dich besonders meint der Engel des HErrn. Auf dich gerade hat es der Heiland abgesehen.
Die Schwachen, die Kleinen, die Kranken, die Dulder, die Wunden und Siechen, die schier verzagt am Boden liegen und sich nicht selbst mehr helfen können, die von der Welt höchstens bemitleidet werden, — gerade die sind unseres großen Königs Leute, für die hat Er Sich eingesetzt. Gehörst du zu denen, dann komm heute zu dem Erretter, zu Jesu. G. F.
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Aas Wunder der Kugel.
Wie müssen die Engel erstaunt gewesen sein, als sie zum erstenmal hörten, daß Jesus Christus, der Fürst des Lebens, beabsichtige, sich mit Staub zu umkleiden, ein kleines Kind zu werden und auf Erden zu leben und zu sterben I Wir wissen nicht, wie den Engeln diese Botschaft zuerst vermittelt wurde, aber das sagt uns Petrus, daß sie gelüsiete, dieses Geheimnis zu schauen. (1 Petri 1, 12.) Wie
müssen diese strahlenden Heerscharen voll Bewunderung gewesen sein, als es ihnen vergönnt wurde, einen Blick hinter den Vorhang zu tun! Soll das wahr sein, daß Er, dessen Krone mit Sternen geschmückt ist, diese Krone niederlegen willl Kann das möglich sein, daß Er, dessen Schultern den Purpur der Herrschaft über das gesamte Universum tragen, Mensch werden will! Wie soll man sich das denken, daß Er, der ewig und unsterblich ist, eines Tages ans Kreuz geschlagen werden soll? Za, ihr Staunen mußte mit jeder Einzelheit, die sie von dem Leben und Leiden des Heilandes vernahmen, wachsen! Man kann sich denken, daß sie gar nicht müde wurden, immer tiefer in diese wundersamen und geheimnis- vollen Dinge einzudringen.
Siehst du Ihn, wie Er an jenem Tage der himmlischen Ära Sich Seiner Majestät entkleidete? Kannst du dir das wachsende Staunen der himmlischen Heerscharen vorstellen, als sie sahen, wie die großen Verheißungen zur Tat wurden, wie Er Seine unschätzbare Krone vom Haupte nimmt, wie Er Seinen Sternengürtel zur Seite legt und Sich Seiner goldenen Sandalen entledigt? Kannst du dir ihre Verwunderung vorstellen, als Er ihnen sagte: „Ich fahre nieder auf die Erde, um Mensch zu werden"? Da jauchzten sie über den Gefilden Bethlehems: „Ehre sei Gott in der Höhe!" Von ihnen heißt es auch später: „Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn." (Joh. 1, 51.) Zu Ihm blickten sie in seligem Entzücken empor, denn Er zeigte ihnen, was das heißt: „Daß, ob Er wohl reich ist, ward Er doch arm um unsertwillen." (2 Kor. 8, 9.)
Ja, staunt, ihr Engel, ihr seht, daß der Uu- endliche ein kleines Kind geworden, ist. Er, auf dessen Schultern das Weltall lag, liegt still an Seiner Mutter Brust. Er, der alle Dinge schuf durch die Macht Seines Wortes, der die Pfeiler der Schöpfung stützt, Er liegt jetzt ganz schwach und klein in den Armen eines Weibes. Ihr seht Ihn in Seiner Herrlichkeit, betet Ihn auch jetzt an in Seiner Erniedrigung! Wo schläft der neugeborene König der Juden? Etwa in dem besten Gemach in Cäsars Palast? Hatte man für Ihn eine Wiege aus Gold und die weichsten Daunenkissen hergestellt? O nein! Der Heiland liegt in dem verfallenen Stalle, wo das Vieh bei rauher Witterung untergebracht wurde, dort ist Er in die Krippe gebettet, aus welcher das Vieh sein Futter erhält. Und auch da darf Er nicht lange ruhen, Seine Mutter muß mit Ihm nach Ägypten fliehen. Er muß ein Fremdling im fremden Lande werden. Als Er dann zurllckkehrte und in Nazareth heranwuchs, können die Engel Ihn, der die Welt schuf, mit Hammer und Säge hantieren sehen. Treu, wie ein Kind nur sein kann, hilft Er Seinem Pflegevater in der Zimmerei.


