Ausgabe 
10.12.1916
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GemcinschaflsblaM für »essen.

Erscheint wöchentlich einmal.

Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich.

Verlag Oer Lucbb-naiung Oer pllgermtrrlon Ließen.

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Nr. 50.

Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter:

Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgermisswn. Druck v. I. G. Oncken Nachs.. G. m. b. H., C assel

9. Iahrg.

Sonntag, den 10. Dezember 1916

Das größte Auch der Welt.

Eins der umfangreichsten Bücher der ganzen Welt war der offizielle Bericht über den ameri­kanischen Bürgerkrieg. Dieses Werk wurde im Auf­träge des Kongresses der Vereinigten Staaten aus­gearbeitet und ver­öffentlicht. Es be­stand aus 130 Bän­den zu je tausend Seiten, mit zwei­tausend Illustra­tionen und einem Atlas mit 178 Kar- ten. Das Werk wur­de in einer Auslage von 12 615 Exem­plaren gedruckt, so daß im ganzen 1 54l 493 Bände über das ganze Land verteilt wur­den. Über 1900 Exemplare wurden laut Kongreßbe- schluß an öffent­liche Bibliotheken und höhere Unterrichtsaustalten gegeben. Die Kosten betrugen über zehn Millionen Mark, wovon allein 4V- Millionen für Honorare ausgegeben wurden und der Rest für Drucklegung, Papier, Einbände usw. Dennoch ist dieses Riesen­werk nicht das allergrößte der Welt.

Amerika wurde in dieser Hinsicht von China geschlagen. Das größte aller literarischen Werke, die jemals existiert haben, ist die mit dem chine­sischen TitelJung-to-Tatien" genannte ungeheure chinesische Enzyklopädie, die aber während der Boxeraufstände zerstört wurde. Dieses chinesische Werk enthielt eine besonders sorgfältige Auswahl aller klassischen, historischen, philosophischen und lite­rarischen Werke, die im Reiche der Mitte jemals

erschienen waren, und behandelte Astronomie, Astro­logie, Geographie, geheime Wissenschaften, Medizin, Religion, Biographie und Kunst.

Jede literarische Schöpfung chinesischen Ur­sprungs von Bedeutung wurde in diesem Werke reproduziert, das aus 22 877 Teilen in 11000

Bänden bestand. Das Werk entstand ursprünglich auf Befehl von Jung- Le, dem zweiten Kaiser der Ming- Dynastie. Es wurde im Jahre 1303 unter Leitung von Hsich-Chin, dem be­deutendsten Gelehr- ten sein r Zeit, be­gonnen. Er or­ganisierte die Ar­beit unter Zuzie­hung eines Mit­arbeiterstabes von 2 169 Personen, da­runter befanden sich Kritiker, Korrek­turleser und Kopisten. Die Arbeit wurde 1407, also nach 104 Jahren, beendigt.

Im Jahre 1562 wurde» zwei Abschriften fertig, mit denen zehn Schreiber fünf Jahre lang voll­auf zu tun hatten. Die eine verbrannte 1644, als Peking erobert und die Ming-Dynastie gestürzt wurde. Als die Ordnung wiederhergestellt war, merkte man, daß 2 422 Teile der zweiten Abschrift fehlten, deren Inhalt für immer verloren war. Die übriggebliebenen 20 455 Teile wurden in der kaiser­lichen Akademie aufbewahrt, die nördlich von der englischen Gesandtschaft in Peking gelegen ist.

Als die fremden Gesandtschaften im Jahre 1900 belagert wurden, steckten die chinesischen Sol- daten das Akademiegebäude in Brand, um dadurch