unb erhöht, aber sie sind von Mir abgefallen. Ein Ochse kennt seinen Herrn und -ein Esel die Krippe seines Herrn. Aber Israel kennt Mich nicht, und Mein Nolk vernimmt's nicht!" (Jes. 1, 2. 3.) Und welch ein? Unsumme von Liebe und Gnade, Erbarmen und Wunderhilfe, leiblichen und geistlichen Segnungen hatte Gott gerade an dies Sein aus- erwähltes Volk verschwendet, das Ihm nur mit Un- dank, Treulosigkeit und schlimmeren Sünden alle Wohltaten vergalt!
Und die sogenannte Christenheit? Hat sie nicht gleicherweise und zu manchen Zeiten sogar noch schlimmer gehandelt, obwohl sich ihr die Liebe und das Erbarmen Gottes in noch viel herrlicherer Weise offenbarten in der Hingabe Seines eingeborenen Sohnes Jesus Christus? Muß Er doch auch unter unserem Volke über unzählbar viele, die Seinen Namen tragen, die Er von Jugend auf in Semem Worte unterweisen ließ, und die Er mit Wohltaten überschüttete, den Klageruf anstimmen: „Sie kennen Mich nicht; sie beweisen Mir's nicht ein einziges Mal, daß sie Mich lieb haben und Mir dankbar sind!"
Als vor länger als zwei Jahren der gewaltige Krieg ausbrach, da schien ein solches Sichbesinnen auf seinen Gott über unser Volk gekommen zu sein, da dnrchdrang viele das plötzliche Erkennen: „Wenn Gott uns nicht beisteht, wir allein schaffen es nicht!" Das Schauen nach Ihm begann, und das Rufen zu Ihm erklang von Millionen Zungen. Aber war es auch das rechte Erkennen Gottes? Führte es hinein in die Gemeinschaft Seiner Gnade und Liebe und Seines Heiligen Geistes?
Ach, daß wir auf diese Frage mit einem freu- digen Ja antworten könnten! Leider, leider aber scheint ein großer Teil unserer Krieger und unseres Volkes trotz des so sichtbaren göttlichen Beistandes nichts gelernt zu haben in dieser schweren Zeit und Gott und dem Heiland Jesus Christus noch immer so fernzustehen wie vor dem Kriege! Leider scheint die Erkenntnis der Sündhaftigkeit des eigenen Herzens und die Erkenntnis des Heils in Christo wenig Fortschritte gemacht zu haben, wenn auch die allgemeine Religiösität des Volkes ein klein wenig besser geworden sein mag. Denn auf welche Weise und durch welche Taten beweist es unser Volk, daß es Gott nähersteht und in der so nötigen Gottes- erkenntnis Fortschritte machte und Ihm dankbar ist für Sein Tun und Walten?
Und wenn Gottes Augen die Lande durchlaufen, suchend nach denen, die Ihn kennen und lieb haben, ob sie segnend auch auf dir ruhen bleiben? Und wenn du sagst, daß du Ihn kennst, hast du das Ihm und deiner Umgebung schon bewiesen dadurch, daß du Ihm Herz und Leben weihst und Ihm nachfolgst im Gehorsam Seines Wortes und Willens und Seine Liebe durch Wort und Wandel
denen verkündigst und anpreist, die Ihn noch nicht kennen? Und wenn du es noch nicht getan hast, wie lange willst du noch zögern und warten, ehe du deines Gottes Liebe und Treue mit dankbarer Gegenliebe lohnst? Bedenke, daß gar schnell die Stunde für dich kommen kann, welche deinem Leben ein Ziel setzt und deine Seele vor Gottes Richterthron fordert! Wehe denen aber, denen das unabänderliche: „Ich kenne euch nicht! Ich habe euch noch nie erkannt; weicht alle von Mir, ihr Übeltäter!" entgegenschallen wird! Soll das nicht in Ewigkeit dein Los sein, dann besinne dich noch heute auf deine Dankespflicht deinem Gott und Heiland gegenüber! Tritt im Glauben unter Sein Kreuz als den einzigen Ort, wo du Ihn erkennen und annehmen kannst als den Retter deiner Seele und Er dich erkennt und anerkennt als Sein Eigentum für Zeit und Ewigkeit! G. H.
Das Keitmittet.
Gottes Gnade ist in ausreichendem Maße für alle Sünder vorhanden, die den großen Seelen- schaden der Sünde erkennen, ihre Schuld vor Gott bekennen und die vergebende Gnade Gottes gläubig erflehen. Das durften die gebeugten Israeliten er- fahren, die zu Moses kamen mit dem Bekenntnis ihrer Sünde und mit der Bitte um seine Fürsprache. (4 Mose 21, 4—9.) Auch wir haben einen Für- sprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Die Gnade Gottes wurde herrlich entfaltet durch die Aufrichtung der ehernen Schlange. Als die Menschen den giftigen Schlangen ratlos und hilflos gegenüberstandeu und alle angewendcten Mittel, sich derselben zu erwehren, erfolglos waren, da offenbarte der HErr Seinen Guadenrat, indem Er Moses be- auftragte, eine eherne Schlange, a» Gestalt und Farbe den lebendigen Schlangen gleich, anzufertigen und an einer hohen Stange zu befestigen, damit sie von jedem Orte des Lagers gesehen werden konnte, zum Heil für alle, die von einer Schlange gebissen wurden. Aus demselben Grunde, in derselben Weise und zu demselben Zweck, wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhte, ist Christus erhöht worden, auf daß alle, bte an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Das Guaden- zeichen in der Wüste ist ein leuchtendes Vorbild des gekreuzigten Heilandes, den Gott für uns zur Sünde machte, auf daß wir in Ihm die Gerechtigkeit würben, die vor Gott gilt. Die eherne Schlange war nicht von Gold oder Silber, sondern von geringem Metall; sie hatte die Gestalt einer wirklichen Schlange, ohne die giftige Eigenschaft einer solchen zu besitzen. So ist auch unser geliebter Heiland in menschlicher Niedrigkeit, in der Gestalt des sündlichen Fleisckies,


