Ausgabe 
22.10.1916
Seite
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Wermut.

Der wildeste und lustigste in einem ganzen Rekrutentrupp war B., ein baumlanger Mensch. Vom Branntwein erhitzt, brüllte, schrie und sang er auf der Eisenbahnfahrt, welche ihn mit den übrigen Rekruten zu der Garnison führte, derart, daß er ganz ohne Stimme dort ankam. Aber merkwürdig, die Stimme kam nicht wieder. Er wurde Flügel- mann. Als einige Zeit später das Exerzieren begonnen hatte, stellte sich eines Tages der Vize­feldwebel vor ihn mit den Worten:Aber Mensch, was fehlt Ihnen? Auf der Reise hat er jede Kuh augebrüllt und hier steht er wie ei» stummes Schaf." Er ging ins Lazarett, und bald hieß es in der Kompagnie:B. ist gestorben!" Da trug man ihn hinaus; er hatte eine andere Fahrt angetreten: die stille, ernste Fahrt in die Ewigkeit.

Das Begräbnis dieses Rekruten war noch nicht lange vorüber, so folgte ein zweites in derselben Kompagnie. Da wurde ein junger Mensch begrabe», schön von Gestalt und gut beanlagt. Aber er kam in die Knechtschaft des Lasters und opferte sein Leben und seine Kraft der Unzucht. Es ging von Stufe zu Stufe; er sprach es selbst zuletzt offen aus: Ich habe nur noch Lust zu trinken und zu sündigen." Sein Angesicht war so entstellt, daß niemand in seiner Nähe sitzen mochte. Er war nur wenige Tage im Lazarett, dann war es aus mit Sündenlust und Trinken. Wie furchtbar ist ein solches in den Dreck getretenes Leben! Und doch ist der nicht besser vor Gott, der in menschlicher Achtbarkeit dahingeht, wenn er dabei die suchende Liebe Gottes und die aus­gestreckten Hände Jesu von sich weist.

In derselben Kompagnie war ein junger Soldat, der sehr ehrbar wandelte. Er schreibt:Diese Be- gebeuheiten machten einen tiefen Eindruck auf mich; ich war ziemlich selbstgerecht, weil ich die schlechten Wege der Unzucht und Schande nicht mitging. Ich tat mein möglichstes, ein tüchtiger Soldat und ein guter Christ zu sein. Aber wenn ich an den Tod und an das Sündenelend in der Welt dachte und mein Leben in das Licht des heiligen Gottes stellte, der Augen hat wie eine Feuerflamme, da siel meine ganze Gerechtigkeit wie ein Kartenhaus zusammen. Was half cs mir, daß meine Vorgesetzten mit mir zufrieden waren? Ich war nie wahrhaft glücklich. Ich hatte ja schon von frühester Jugend an das Bewußtsein, daß mir etwas fehlte. Es war das unbewußte Sehnen meiner Seele nach wahrem Frieden. Jetzt nach diesen Erlebnissen wurde diese Sehnsucht immer mächtiger in mir; ich fing an, Gott zu suchen, den heiligen Gott, und ich wurde in meinem Gewissen überführt daß ich trotz all meiner Tugend ein verlorener Sünder war. Je mehr ich das sah, desto unglücklicher wurde ich. So kamen die Weihnachtstage; ich fuhr auf Urlaub. Wie sehr auch meine Kameraden drängten, ich konnte

nicht mit ihnen ins Wirtshaus gehen, ich saß still zu Hause. Da nahm mich meine gute Mutter mit dahin, wo unter gläubigen Christen Gottes Wort verkündigt wurde. Ich setzte mich still in die Ecke. Es wurde das Lied gesungen:

»Horch, es klopfet für und für.

Wer steht draußen vor der Tür?

O, ein Gast ist's sondergleichen,

Den die Liebe zu dir trieb.

Ach, mein Herz, laß dich erweichen,

Tu Ihm auf und Hab Ihn liebt«

Unter den Worten dieses Liedes zog mein ganzes Leben noch einmal an meinem Gewissen vorüber; ich sah, daß ich nicht vor Gott bestehen konnte. Hinter mir Schuld, vor mir Verdammnis. Aber da stand auch Einer bei mir, den die Liebe aus dem Himmel herabgetrieben hatte. Er hatte schon so oft angeklopft, Er klopfte auch jetzt, der wunderbare, teure HErr Jesus. Da zog ein Ahnen durch mein Herz: Er kann und will dich glücklich machen! Es kam zuerst noch manche Stunde, wo ich nachts auf den Knien lag und um Gnade flehte, dann aber konnte ich endlich jubeln und bekennen: »Ich habe Den gefunden, den meine Seele liebt!« Da zog der selige Frieden in mein Herz ein, nach dem meine Seele sich so lange gesehnt. Seitdem ist trotz mancher Schwierigkeit und Trübsale dieser Friede mein Teil geblieben; und obwohl mich Menschen oft getäuscht haben, hat mich doch mein Jesus nie getäuscht." v. B.

L

Das Mut des Lammes.

Und sehe Ich das Blut, so werde Ich an euch vorübergehen." 2 Mose 12 , 13 . Als Gott vor mehr als 3000 Jahren Sein Volk Israel aus Ägypten nach Kanaan führte, da mußte Er Gericht über das ganze Land bringen um der Sünde willen. Gott sagte zu Moses:In dieser Nacht werde Ich durch das Land Ägypten gehen und alle Erstgeburt schlagen, vom Menschen bis zum Vieh; Ich werde Gericht üben,Jch Jehovah." Das war eine ernste Ankündigung. Der Lohn der Sünde ist der Tod."

Wenn Gott aber die Ägypter schlug, wie sollte Israel entrinnen? Waren die Israeliten doch ebenso sündig wie die Ägypter. Gott aber wollte zu Seines eigenen Namens Ruhm Sich ein Volk erlösen und zum Zeugnis setzen inmitten der Völker. Und darum wies Er selbst den Kindern Israel das Mittel an, durch welches sie dem wohlverdienten Gericht ent­rinnen konnten. Er sagte:Ein Lamm ohne Fehl sollt ihr haben . . . Und die ganze Versammlung der Kinder Israel soll es schlachten . . . Und sie sollen von dem Blute nehmen und tun an die beiden Pfosten und die Oberschwelle an den Häusern, in welchen sie es essen. . . Und das Blut soll euch zum Zeichen sein an den Häusern, worin ihr seid; und sehe Ich das Blut, so werde Ich an euch vorübergehen."