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Brief eines preußischen Offiziers an feine Kameraden.
(Für dieses Blatt geschrieben.)
Mein lieber Freund, hast Du einmal im Granatfeuer gestanden? Was für Gedanken kamen Dir, als die Granaten um Dich herum einschlugeu, über Dir und um Dich Schrapnellkugeln und surrende, sausende Granatsplitter so dicht, daß Du Dein letztes Stündlein mit Bestimmtheit voraussahst? In diesem Kriege sind ja viele Kameraden in solcher Lage gewesen, und es wäre gewiß von großem Interesse, zu erfahren, was jeder in solchen Augenblicken allerhöchster Todesgefahr in seinem Herzen gefühlt und gedacht. Auch mir ist es so gegangen, und ich glaubte nicht, daß ich heute noch durch Gottes Gnade gesund und unverletzt auf dieser Erde wandeln darf. Es war ein schöner klarer Nachmittag im November 1914, als ich vom vordersten Schützengraben über eine Schnceflüche im Angesichte des Feindes in Begleitung eines Kameraden zurückging, als plötzlich eine russische Batterie mit ganzen Salven Granaten und Schrap- nells auf uns feuerte, die in unserer unmittel- barsten Nähe platzten; dabei keine Deckung! Es ging ein Schlag durch meinen Körper, ich glaubte mich getroffen, es war das erstemal, daß ich ins Feuer kam, aber wunderbarer Weise empfand ich nun eine große, unaussprechliche Freude, eine unsagbar selige Geivißheit, geborgen zu sein in den Armen des lebendigen Heilandes, alle Erdenschwere war dahin, ich war völlig losgelöst von jeder Sorge, jeder Furcht und Angst, die Gewißheit der Sündenvergebung gab mir ein köstliches Gefühl des Friedens und der Ruhe, nimmer möchte ich diese seligen Augenblicke missen, von der Erde losgelöst ganz beim HErrn, in Seinem Frieden mitten im Granatfeuer! Ich wäre mit Freuden eingegangcu zur ewigen Seligkeit. Der HEcr wollte es anders, durch ein Wunder wurde ich nicht getroffen und darf nun die Gnade rühmen, die mich bewahrt hat.
Wie herrlich wäre es, wenn alle Kameraden in Ost und West, wo jetzt so furchtbar gekämpft wird, mit gleicher Freudigkeit dem Tode entgegen- gehen könnten I Eine Armee von lauter Gotteskiudern ist unbesiegbar, das ist bestimmt wahr.
Ja, sind wir denn nicht alle Gotteskinder? Ach, leider nein, es gibt viel zu wenig Gotteskinder auf dieser Erde, viele glauben es zu sein und sind es doch nicht. Gehe doch einmal durch die vielen Unterstände an den langen Fronten in West und Ost und sieh Dir einmal genau an, was die lieben Kameraden dort treiben, wenn die dienstliche Tätigkeit beendet ist und sie nicht müde und schläfrig auf ihren engen Lagern liegen: dort sitzen mehrere zusammen beim Kartenspiel, dort liest einer ein wertloses Buch, dort werden leichtsinnige Geschwätze geführt und hin und wieder, aber leider recht selten, findest Du einen
stillen Kameraden, der sich nicht am Kartenspiel, auch nicht an leichtfertigen Reden beteiligt, sondern lieber in seiner Bibel liest, oft verspottet von seinen Kameraden. Hier kannst Du den Unterschied zwischen Weltkindern und Gotteskindern erkennen; ein Gottes- kind wird sich nie am Kartenspiel und an leicht- fertigen Reden beteiligen, das kann ich Dir aber bestimmt sagen. Der stille oft verspottete Kamerad, der so gern in der Bibel liest und jede Gelegenheit sucht, um zum lebendigen Heiland zu beten, der steht seinen Mann vor dem Feinde. Ich will keineswegs behaupten, daß nicht auch die anderen Kameraden ebenso tapfer sind, Gott sei Dank, haben deutsche Soldaten auch heute noch das Herz aus dem rechten Fleck, aber es ist doch ein sehr großer Unterschied, ob ich dem Tode freudig entgegcugehen kann oder ob mir eine innere Stimme sagt: „So wie du jetzt bist, kannst du nicht vor dem lebendigen Gott bestehen, es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, und danach das Gericht!" Eine innere Stimme ist nicht zum Schweigen zu bringen, welche in solchen Augenblicken so unangenehm mahnt au alle längst vergessenen Sünden, ja, dann wird einem der Weg in das feindliche Feuer nicht leicht, man geht ihn ja natürlich, man will doch nicht als ein Feigling gelten, aber es ist doch so ganz anders, als wenn man weiß, >vie jedes Gotteskind, mir sind alle meine Sünden vergeben, für meine Sünde starb am Kreuz zu Golgatha Gottes eingeborener Sohn Jesus Christus, der HErr der Herrlichkeit. Gott ist die Liebe, also hat Er die Welt und mich selbst geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß wir Gotteskinder alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Ein Gotteskind weiß, daß es das ewige Leben bereits hier ans Erden als Gnadengeschenk des ewigen Vaters im Himmel empfangen hat, der körperliche Tod führt I nur als Pforte zu einem viel herrlicheren Dasein, wie es hier auf Erden je gedacht werden kann.
Gott will aber nicht, daß jemand verlorengehe, sondern daß alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Er will, daß alle, die auf den blutigen Schlachtfeldern in Ost und West ihr irdisches Leben für das geliebte Deutsche Vaterland dahin- geben, eingehen möchten zur ewigen Herrlichkeit. Darum senden wir Euch, liebe Kameraden, diese Blätter ins Feld; jeder von Euch kann ein Gottes- kind werden Ihr braucht nur dem lebendigen Heiland Eure Sünden zu bekennen und zu glauben, daß unser HErr und Heiland auch eure ganze Sünde mit hinaufgenommen hat an das Kreuz, wo der heilige Gott und Vater im Himmel all unsere Sünde gerichtet hat an dem Lamme Gottes unserem HErrn Jesu Christo.
Ihm sei Ehre und Dank von Ewigkeit zu Ewigkeit!


