Aas Wort vom Kreuz.
„Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren gehen, uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft." 1 Kor. 1, 18.
Das Wort vom Kreuz ist es, dessen der Apostel Paulus sich rühmt in allen seinen Briefen, es ist der Grundton seiner Predigt, und er preist es den Menschen an, wo immer er Gelegenheit dazu hat, denn er hatte dasselbe am eigenen Herzen als eine Gotteskraft erfahren.
Das Wort Vom Kreuz, was ist es anders als das Evangelium, die frohe Botschaft, die wonne- volle Kunde von einem Heiland für die verlorenen Sünder, welche fern vom Vaterhause in der Welt umherirren I Könnte es eine lieblichere Botschaft geben als diese? Vereinigt sich doch in derselben alles, was herrlich, köstlich und für unser zeitliches und ewiges Heil unumgänglich notwendig ist. Gerade diese Botschaft brauchen wir, wenn die Welt verbessert, die Herzen erneuert, die Traurigen getröstet, und eine neue Zeit des Heils und der Erquickung vom Angesichte des Herrn anbrechen soll. Das Wort vom Kreuz war die Predigt der Apostel, mit der sie das Heidentum besiegten und die götzendienerischen Städte des Altertums erschütterten.
Das Wort vom Kreuz bekannten die Märtyrer und starben mit Freuden über ihrem Bekenntnis. Das Wort vom Kreuz holten die Gottesmänner aller Zeiten wieder aus der Vergessenheit hervor und entfal'eten in einer Zeit der Finsternis und des Aberglaubens dieses köstliche Panier.
Warum aber ist das Wort vom Kreuz so köstlich und so mächtig und zwar ungeschwächt durch alle Jahrhunderte 'hindurch? Darum, weil es dem tiefen Heilsbedürfnis und der tiefen Sehnsucht unserer Seele entg»genkommt.
Das Wort vom Kreuz offenbart uns den vollkommenen Gehorsam Christi. Begleiten wir unfern HErrn auf Seinen Wanderungen durch dieses Tränental, ja begleiten wir Ihn in die schwierigsten und verwickeltsten Lagen Seines Lebens, und wir haben immer den makellos Reinen vor uns, der nie in eine Sünde willigte; der getrost vor Seine Feinde hintreten konnte mit der Frage: „Welcher unter euch kann Mich einer Sünde zeihen?" Er bewegte Sich stets in dem Gehorsam des göttlichen Willens. „Meine Speise ist die, daß Ich tue den Willen Des, der Mich gesandt hat, und vollende Sein Werk." Er war versucht wie wir, doch ohne Sünde. Die listigen Anläufe des Teufels schlug Er siegreich zurück. Selbst in Gethsemane, als die Todesmächte auf Ihn eindrangen, betete Er ergebungsvoll: „Nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe!" „Er war gehorsam bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz" und ward damit der Erfüller des Ge- setzes und der Propheten.
Das Wort vom Kreuz offenbart uns aber auch die große Liebe Gottes gegen uns.
Christi Gehorsam hat für uns nur deshalb einen so großen Wert, weil Ihn dazu die reinste und größte Liebe zu uns Sündern trieb. Es wird uns wohl und weh ums Herz, wenn wir an diese unvergleich- liche Liebe denken. Nichts in der Welt war imstande, unsere Sünden zu tilgen, dies konnte nur jemand, der selber ohne Sünde war. Jesus war ein solcher. Wie wohl tut uns doch diese Liebe! Aber sollte dich diese Liebe nicht zum ernsten Nachdenken über dich selbst bewegen? Sollte sie nicht dein kaltes Herz entflammen und uns alle in den Staub beugen? Sein Kreuz offenbart uns die Krone und den Triumph Seiner Liebe. Der Dichter Gervk singt: „Nichts hat mirs Herz genommen, als da ich bin gekommen nach Golgatha,.Gott sei gepreist!" Ja, eine freie, volle Erlösung hat uns Jesus gebracht, Ihm, dem Lamme Gottes, sei Ehre in alle Ewigkeit! Des Teufels Macht ist gebrochen. Der Harnisch ist dem starken Gewappneten genommen. „Die Rechte des HErrn ist erhöht, die Rechte des HErrn behält den Sieg." Der Weg ins Vaterhaus steht allen verlorenen Söhnen und Töchtern wieder offen, und der bittende Ruf erschallt von deinem Heiland und Seinen Botschaftern: „Komm heim, komm heim!"
Das Wort vom Kreuz ist uns, die wir selig werden, eine Gotteskraft. Es vermag die Herzen zu schmelzen und macht aus Löwen Lämmer. O köstlicher Tag, an dem auch du, lieber Leser, diese Gotteskraft an deinen, Herzen erfährst, au den, du durch den Glauben inne wirst, daß das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, rein macht von aller Sünde! Denn wer Jesum am Kreuze im Glauben erblickt, wird heil zu derselbigen Stund'! Es ist eine Gotteskraft und hat eine solche Macht und Wirkung, daß es imstande ist, verlorene Sünder selig zu machen. Auch an dir will es sich als eine Gotteskraft beweisen, wenn du es annimmst und es in dir wirken läßt. O nahe heute dem Kreuze Jesu mit einem demütigen und zerschlagenen Herzen, und du wirst erfahren, wie du ein anderer Mensch, ein seliges Gotteskind wirst.
Kiner für alle.
Welche namenlosen Leiden das Volk der Juden ■ während dieser Kriegszeit in Rußland zu erdulden > hat, das wird erst später einmal genau bekannt werden. Mancherlei davon ist aber schon durch die Besetzung russischer Gebiete zu unserer Kenntnis gekommen und kann nur unser innigstes Mitfühlen dieses gehetzten und geknechteten Volkes Hervorrufen. Sollte nicht bald wohl Gottes Stunde schlagen, die Seinem zerstreuten Bundesvolke endlich die ersehnte Freiheit,


