Ausgabe 
1.10.1916
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dem denkwürdigen Tage der Mobilmachung! Damals ist es uns allen klar geworden, daß ein gemeinsames Band uns umschlang, das der Zugehörigkeit zu einem Volke, zu einem Lande. Halten wir in lange» Friedeusjahren uns vielfach gegenseitig be- kämpft und uns in politische Vereinigungen und wirlschaftliche Parteien zerrissen, mit einem Schlage hörte das auf, als der äußere Feind an der Grenze des Reiches im Osten und im Westen erschien und unsere Existenz bedrohte. Wie ein Manu stand Deutschland da zur Abwehr. Der innere Hader war vergessen; über der großen, gemeinsamen Not kannte man keine Parteien mehr, man dachte nur daran, das bedrängte Vaterland vor dem Ansturm der Gegner zu schirmen. Manch einem wird in jenen Augusttagen erst eine Ahnung davon aufgestiegen sein, was eigentlich das WortVaterland" bedeutete. Früher war es für viele nur ein leerer Begriff, unter dem man sich nicht recht etwas vorftelleu konnte. Jetzt spürte man mit einem Male, man gehörte doch zu- sammen Die furchtbare Not schloß uns aneinander. Jetzt erkannten viele mit Beschämung, wie undank- bar sie bisher die Wohltaten und Segnungen des Vaterlandes hingenöinmen hatten, ohne'sich erkennt­lich dafür zu erzeigen. Der viel geschmähte Staat stand plötzlich in einem ganz anderen Lichte da. Wie ruhig hatte man bisher unter seinem Schutze leben und seinem Berufe nachgehen können! Handel und Wandel blühten, Kunst und Wissenschaft wurden gepflegt, die Industrie machte große Fortschritte, der Wohlstand wuchs, und mit einem Schlage sollte das alles aufhören? Wenn der überniächtige Feind ins Land cindraug, iveun er unsere Felder verwüstete, unsere Städte zerstörte, Handel und Verkehr lahm- legte, wenn wir die Schrecken des Krieges am eig neu Leibe kennenlernten, was sollte dann aus Deutsch, land werden? Mußte nicht jeder an seinem Teile mithelfen, daß der so drohenden Gefahr vorgebeugt wurde? Wie dankbar war man jetzt für die Menge von Soldaten, die ins Feld ziehen konnte», für die große Zahl von Kriegsschiffen, die uns zur Ver- fügung standen! Das Schimpfen auf den Mili- tarismus war mit einem Schlage verstummt. Was wäre aus Deutschland geworden, wenn unsere um­sichtige Heeresverwaltung nicht seit Jahren für diese Stunde der Mobilmachung vorgesorgt hätte! Es zeigte sich hier wieder die alte Wahl heit, daß man ein Gut erst daun recht schätzt, sobald die Gefahr besteht, es zu verlieren.

Gott sei Dank, daß es bisher dem Ansturm unserer Feinde nicht gelungen ist, auf deutschem Boden festen Fuß zu fassen! Wir dürfen weiter in unserem Vatcrlande bleiben, können in Ruhe unseren Berusspflichten Nachkommen. Aber nicht wahr, eins wollen wir lernen aus der unmittelbar hinter uns liegenden Zeit unser Vaterland recht lieb zn haben und liebzubehalten.

Doch wir wollen nicht bei dem irdischen Vaterlande stehenbleiben, so dankbar wir sein wollen für das, was wir an unserem Deutschtum vor anderen Nationen voraus haben. Schließlich gehört doch auch das Beste, was wir hienieden besitzen, zu den vergäng­lichen Dingen dieser Erde und fällt unter das Wort der Schrift:Was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unstchtbar ist, das ist ewig." Unser deutsch s Volk hat nicht die Verheißung ewigen Bestandes, die hat nur Gottes Reich und Gottes Volk.

Aber wie ist es nun möglich, daß ein armer, sün­diger Mensch in Gottes Reich eingehen, ein Kind Gottes werden kann?

In Gottes Wort wird der Weg klar gezeigt.

Dort auf Golgatha hat Christusder Schlange den Kopf zertreten", wie Gott schon im Paradiese den gefallenen Menschen es verheißen hatte. Christus ist als der mächtige Sieger über Sünde und Tod aus dem Grabe hervorgegangen und hat Sich zur Rechten Gottes im Himmel gesetzt. Und nun gehen die gnadenvollen Bemühungen des HErrn Jesu da­hin,' arme, unter die Sünde geknechtete Menschen­kinder aus der Gewalt der Finsternis zu befreien.

Sobald nun ein Mensch seine Sünden erkennt und seine Zuflucht zu Jesu nimmt, wird er von Ihm angenommen und hat dann ein Vaterhaus, ein Vaterland droben im Licht. A. d. H.

ZL

Die zwei Käufer.

Ein reicher, mir wohlbekannter Mann, beschloß, sich ein großes und schönes Haus zu bauen. Er kaufte einen Platz im schönsten Teile der Stadt und scheute weder Mühe noch Kosten, um seinen Plan in der prächtigsten Weise auszuführen. Er ließ ge­räumige Zimmer und große Prunksäle einrichten und trug dabei Sorge, daß dieselben im Winter eine wvhlluende Wärme und im Sommer eine er- frischende Kühle darboten. Kurz, nichts wurde ge- spart, um das Haus so schön und bequem wie inöglich herzustellen; und sicher hoffte er, einen jahre­langen Genuß von seiner neuen und prächtigen Wohnung zu haben.

Inzwischen ließ er während des Baues dieser großen Familieuwohnung noch ein anderes Gebäude errichten Wie verschieden aber waren diese beiden Häuser! Während das eine Gebäude eine Menge pmchtvoller Gemächer enthielt, zeigte das zweite für die ganze Familie nur ein einziges kleines Zimmer, und zwar unter der Erde. Und ob auch die Mauer von glänzendem Marmor aufgeführt wu de, so fand man doch außer einer kleinen eisernen Tür nirgend eine Öffnung. Sonderbar! Beide Woh­nungen waren für dieselben Personen bestimmt, jedoch das eine Haus, ein hohes, geräumiges und pracht­volles Gebäude, für die Lebenden, das andere,