Ausgabe 
1.10.1916
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der Ewigkeit, sanken die zwei Freunde auf die Knie, umweht vom Odem des großen Weltenschöpfers, dem sie als ihrem in Christo versöhnten Vater Dank und Anbetung zu Füßen legten.

Weißt du," setzte der Jüngere wieder ein,ich verstehe, daß wirklich denkende Menschen im Innersten erfaßt werden vom göttlichen Schaffen, Walten und Wirken."

Aber ich gestehe," erwiderte nun der Ältere, daß mir der Weltenschöpfer erst recht groß ist, wenn ich daran denke, daß Er zugleich der Erlöser der Welt ist und auch ihr herrlicher Vollender sein wird nach jener Zusage: »Siehe, Ich mache alles neu!« Und darum zieht mir schon den ganzen Abend jenes schlichte Lied durch den Sinn, an das der Wasserfall mich erinnert:

-Frisch von den. Thron des Lammes,

Lauter wie ein Kristall,

Fließet der Strom des Lebens Heilbringend überall.»"

Mit Freude und Dank, diese ewige Lebensquelle in Christo, ihrem Erlöser, zu kennen, gingen jene zwei Reisegefährten dann zur Ruhe Es war ein Ruhen am Vaterherzen Gottes, ein ivirkliches Er> quicktwerden nach Leib und Seele.

Inzwischen sind Jahre enteilt. Es kam wieder ein 1. August, an dem in der Schweiz jede Bundes­feier unterblieb. Der Krieg hat den Frieden ver­trieben. Not und Tod kamen plötzlich wie ein ver­heerender Wirbelwind über die Völker. Vieles, vieles hat sich wie über Nacht geändert. Aber noch stehen die alten Bergriesen,'noch rauscht der Staubbachfall im stillen Tal bei Lauterbrunnen, und, das ist die Hauptsache, noch fließt vom Throne des Lammes der kristallautere Lebensstrom durch die blutgetränkten Länder.

Wen dürstet, der komme und trinke sich satt!

So rufet der Geist und die Braut.

Nur wer in dem Strome gewaschen sich hat,

Das Angesicht Gottes einst schaut.

O Seele, ich bitte dich, komm Und such diesen herrlichen Strom I Sein Wasser fließt frei und mächtiglich,

O glaub's, es fließet für dich!"

I. H-

K

Aas Zeugnis eines Alpenöelieigers.

Im Herbst 1870 verließ Pastor M. C. niit M. R. und M. B. und drei Führern und fünf Trägern Chamonix am 6. September morgens. In der folgenden Nacht rasteten sie inGrands Mulets", und am nächsten Morgen bemerkte man sie in Petits Mulets". Von dort an verlor man sie aus den Augen. Eine Hilfstruppe von dreiundzwanzig Mann verließ Chamonix am 16., und sie fanden nach mühevollem Suchen den Körper des M. C. und die von zwei Trägern 750 Fuß unterhalb des Höhenpunktes der Alpen.

Später entdeckte man auch die Überreste des M. B. In seinem Notizbuche, das man bei ihm fand, standen folgende Zeilen:Auf dem Höhepunkt des Montblanc hatten wir zwei Tage lang ein schreckliches Gewitter durchzumachen. Ich habe die Hoffnung zum Abstieg verloren, Nahrung fehlt uns. Meine Füße sind schon erfroren, ich bin erschöpft. Ich sterbe im Glauben an Christum, und mein Herz ist voll Liebe für die, die ich zurücklasse."

Angesichts dieses schrecklichen Boten, des Todes, war M. B. doch ohne Furcht. Woher hatte er wohl dieses Vertrauen? Durch seine' Gebete, seine guten Werke oder seine religiösen Übungen sicherlich nicht, denn die frommsten, besten Werke der Men­schen sind durch die Sünde befleckt und haben keinen Wert in den Augen des heiligen Gottes, dem der kleinste Fleck eine Beleidigung für Seinen Namen ist.

Der Mann dachte gar nicht daran, durch seine Tugenden in die Herrlichkeit zu gehen.Ich sterbe im Glauben an Christum," so lautete sein letztes Zeugnis. Der Apostel Paulus sagt:Was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich selbst für mich hingegeben hat." lGal. 2, 20.) Wie er in diesem Glauben lebte, so starb er auch in diesem Glauben.

Du mußt einst Gott begegnen!

Auf was setzest du in diesem ernsten Augenblick dein Vertrauen?

Setzest du es auf das, was Christus für dich getan hat, oder auf das, was du für Christum getan hast?

Wenn du glaubst, dir den Himmel mit deinen Gebeten, deinen guten Werken oder religiösen Übungen zu verdienen, so bist du wie der Mann, der sein Haus auf den Sand baute, und du gehst derselben grausamen Enttäuschung entgegen. Wo ist der einzig wahre, haltbare Grund, der bei allen Stürmen standhält?

Die Schrift spricht verschiedene Male davon. Zum Beispiel:Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, sondern an Den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit ge- rechnet." (Röm. 4, 5 )Wenn du mit deinem Munde Jesum als HErrn bekennen und in deinem Herzen glauben ivirst, das Gott Ihn aus den Toten auferweckt hat, wirst du errettet werden." (Röm. 10, 9.) Glaube doch an Ihn, lieber Leser, ver­trau dich Ihm an, der Sick selbst für dich hin- gegeben hat, und du wirst Gewißheit empfangen, daß deine Sünden vergeben sind, und du wirst ewiges Leben haben! (Joh. 5, 24.) A. M.

N

Unser Unterland.

Vaterland! Welch einen Klang hat dies Wort für uns Deutsche, sonderlich seit dem 1. August 1914,