es Gott befiehlt, in gleicher Weise ebensoviel und noch mehr Heil und Leben bringen.
Wir haben von den Folgen des Blickes der Eva im Paradies geredet, unter dessen Folgen wir alle leiden und mehr oder weniger seufzen. Das Gift der Sünde steckt in uns allen und bringt uns allen Tod und Verderben. Aber Gott sei gepriesen, auch hier ist das eine wirksanie Rettungsmittel ein Blick. „Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf das alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben."
„Sieh, sieh, Sünder, sieh!
Wer Jesum am Kreuze im Glauben erblickt,
Wird heil zu derselbigen Stund'."
ZL
Im amerikanischen Kriege.
1860 befand ich mich nach der Schlacht von Pittsburg im Hospital zu Murfrasboro. Mitten in der Nacht wurde ich aufgeweckt und gebeten, zu einem Manne zu kommen, der mich zu sehen wünsche. Als ich zu ihm kam, nannte er mich „Pfarrer" — ich war aber nicht der Pfarrer — und sagte mir, ich sollte ihm beim Sterben beistehen. Ich sagte zu ihm: „Ich würde Sie gern in meine Arme nehmen und in das Reich Gottes tragen, wenn ich könnte; aber das kann ich nicht, ich kann Ihnen nicht helfen beim Sterben!" Er fragte mich: „Wer kann denn?" Ich sagte: „Der HErr Jesus Christus kann's — Er ist dafür gekommen." Der Mann schüttelte sein Haupt und sagte: „Mich kann Er nicht seligmachen, ich habe mein ganzes Leben lang gesündigt." „Aber Er kam, um Sünder seligzumachen," antwortete ich. Ich dachte an seine Mutter zu Hause, wie sie darum bekümmert sein würde, daß er im Frieden sterbe. So beschloß ich, bei ihm zu bleiben. Ich betete zwei- oder dreimal mit ihm und zählte alle Verheißungen auf, die ich nur wußte; denn es war klar, daß er nur noch wenige Stunden zu leben habe. Ich lagte, ich wolle ihm eine Unterredung vorlesen, die Christus mit einem Manne gehabt hat, der um das Heil seiner Seele bekümmert war. Ich schlug das dritte Kapitel im Evangelium Johannes auf. Seine Augen waren beständig auf mich geheftet, und als ich zum 14. und 15. Vers der vorliegenden Stelle kam, hielt er mich auf bei den Worten: „Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Hier ließ er mich innehalten und sagte: „Steht das dort?" Ich sagte: „Ja." Er bat mich, ich solle es noch einmal lesen, und ich tat es. Er stützte sich auf seinen Ellenbogen im Bette, faltete seine Hände und sagte: „Das ist gut; wollen Sie es nicht noch einmal lesen?" Ich las es zum drittenmal, und dann las ich noch das
Kapitel zu Ende. Als ich damit fertig war, lag er da mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen, und ein Lächeln zog über sein Angesicht. O, wie war es jetzt heiter geworden! Was für eine Änderung war da vor sich gegangen I Ich sah, wie seine Lippen sich bewegten, und indem ich mich über ihn beugte, hörte ich ihn leise flüstern: „Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhte, also muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Er öffnete seine Augen und sagte zu mir: „Das ist genug, nun lesen Sie nicht mehr." Er lebte noch wenige Stunden, und diese beiden Verse waren ihm wie ein sanftes Ruhekissen; und dann fuhr er gen Himmel in einem Wagen Jesu Christi, um seinen Platz im Reiche Gottes einzunehmen.
Moody.
L
Muß.
Eine höchst bedeutungsvolle Tatsache, auf welche ich die Aufmerksamkeit des Lesers lenken möchte, finden wir Joh. 3, 14. Dort heißt es: „Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhte, also mutz des Menschen Sohn erhöht werden." Aus diesen bestimmten Worten ersehen wir, daß das Kreuz Christi eine unbedigte Notwendigkeit war. Nur das Kreuz konnte den Ansprüchen der göttlichen Heiligkeit oder dem Bedürfnis des verlorenen Sünders genügen. Es gab keinen anderen Weg zur Rettung, keine andere Möglichkeit für den Menschen, eine neue Natur zu erlangen. Und k in anderer als der heilige Sohn Gottes konnte als Sohn des Menschen den Platz des Sünders auf jenem Kreuz einnehmen, konnte dessen Sünden und das diesen gebührende Gericht tragen. Nur das Blut Jesu vermochte die Sünden des Menschen abzuwaschen, so daß sie nun für den Glaubenden auf immerdar hinweggetan sind. Jedes andere Opfer ist wert- und kraftlos. Das lesen wir im 10. Kapitel des Ebräerbriefes, wo es heißt: „Denn unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegnehmen", während von dem Opfer Christi gesagt wird: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von aller Sünde." (1 Joh. 1, 7.) Daß aber, um eine Sündenvergebung überhaupt möglich zu machen, Blut fließen mußte, wissen wir aus der Stelle: „Ohne Blutvergießung ist keine Vergebung" sEbr. 9, 22.)
So mutzte denn, wenn anders der die ewige Verdammnis verdienende Sünder gerettet werden sollte, Jesus, der Sohn Gottes, als freiwilliges Opfer sterben. Und das war von jeher Gottes Absicht und Heilsgedanke im Blick auf uns arme, verlorene Sünder.
Es war weder für einen Engel im Himmel noch für den besten Menschen auf Erden möglich.


