Das war die Grundlage seines Vertrauens im Sturm, so daß er dem plötzlichen Tode ruhig ins Auge blicken konnte.
2 . Einem Offizier hatte in einer Schlacht ein Sprengstück einer Granate die beiden Kinnbacken zerschmettert und die Zunge weggerissen. Er wurde aus dem Kampf zum Verbandplatz getragen. Hier angekommen, gab er dem ihn behandelnden Arzt durch Zeichen zu verstehen, daß er etwas zu schreiben wünsche. Man reichte ihm Papier und Bleistift. Mit zitternder Hand schrieb der Offizier: „Friede, tief wie ein Strom!" und fügte mit Bleistift hinzu, dies Blatt an seine Gattin zn senden. Wenige Augenblicke darauf entschlief er. Der Friede Gottes, der höher ist denn alle Vernunft und der auch das Herz dieses Kriegsmannes erfüllte, befähigte ihn, im Sterben solch ein herrliches Zeugnis zu hinterlassen. Der Tod hatte für ihn seinen Stachel verloren.
3. Der Prediger Cargill, der im Jahre 1681 auf dem Marktplatz zu E. um des Evangeliums willen gehängt wurde, rief, als er auf dem Richtplatz den Fuß auf die Leiter setzte, aus: „Der HErr weiß, daß ich diese Leiter mit weniger Furcht hinaufsteige, als ich jemals die Kanzel zum Predigen bestieg." Und als er oben war, sagte er: „Dies ist der schönste Tag meines Lebens; ich bin jetzt daran, die Krone zu erlangen und preise dafür den HErrn. Euch aber bitte ich, daß auch ihr Ihn preisen mögt, daß Er mich hierhergebracht und mich hat triumphieren lassen über Teufel, Welt und Sünde; sie werden mich nicht mehr verivunden. Ich vergebe allen, die mir unrecht taten. Lebt ivohl, alle Freunde! In Deine Hände befehle ich meinen Geist!" Dann faltete er die Hände zum stillen Gebet, und während des Gebets stieß der Scharfrichter ihn von der Leiter. Christus war sein Leben und darum Sterben für ihn Gewinn. Das war's, was ihm alle Todesfurcht fortnahm, so daß er sich auf die Galgenleiter schwingen konnte wie aus einen Königsthron.
Wie stehst dn dem Gedanken ans Sterben gegenüber?
Was ich wissen muß.
Eine Dame hat Romane gelesen in ihren gesunden Tagen; sie hat immerzu weitergelesen, als die Krankheit zunahm. Und auch jetzt noch, da die Schwindsucht bald ihre letzten Kräfte aufgezehrt hat, muß das Buch immer aufgeschlagen liegen, damit sie jeden klaren Augenblick zum Lesen benutzen kann. Und weißt du, was ihr das Sterben am bittersten macht? Sie hat es einer Freundin geklagt: „Wenn ich nur eins wüßte, bevor ich sterbe, und das muß ich wissen, wie der Roman in der »Gartenlaube« zu Ende gehl. Er nimmt mein ganzes Denken in Beschlag; Mine Seele ist in Spannung. - Ich' kann, ich
- kann nicht sterben, bevor die Spannung gelöst ist. Nein, es wäre zu schrecklich, wenn ich das nicht mehr erleben könnte!" Das ging der Freundin zu Herzen. Sie schrieb an die Redaktion der „Gartenlaube" von dem letzten Wunsche der Sterbenden, und die Redaktion war so freundlich, den noch nicht abgedruckten Schluß des Romans der kranken Frau zu schicken Nun wußte sie, was sie wissen mußte, um ruhig sterben zu können.
Wie furchtbar betrogen! Es gibt weit wichtigere Dinge, die man vor dem Tode wissen muß. Das Sterben ist etwas so Unheimliches: man verläßt alles, was einen bisher umgeben und beschäftigt hat, und ist auf einmal mit seiner Seele ganz allein. Das fühlt jeder Sterbende: es kommt etwas hernach. Aber was? Das muß ich wissen. Ich muß wissen, was drüben im Jenseits, was vor Gott Wert hat, wenn das allen Wert verloren hat, was auf Erden so viel gilt: Geld und Gut, Verdienst und Ehre und Macht. Das muß ich wissen, wie Gott mich auf- nehmen wird, wenn Sein Auge auf dem Grunde meines Herzens jeden gedachten Gedanken, jedes ge sprochene Wort, jede geschehene Tat und jede Unterlassung wie in einem Spiegel sieht. Da erbebt die schuldige Seele in einem tiefen Erschrecken: sie hat sich betrügen lassen um eine Ewigkeit. Wie kann ich dem Gericht entfliehen? Das muß ich wissen, jetzt wissen, weiß ich doch nicht, ob ich diesen Abend noch erlebe!
Gott sei Dank, ich darf und kann es wissen, daß ich einen Heiland habe, einen Heiland, zu dem ich kommen darf, so schuldig, so gebunden, so arm und schwach, so zerfahren und ziellos und hoffnungslos, wie ich bin. Ich werfe mich vor Ihm nieder: „HErr Jesu, Du hast noch keinen hinaus- gestoßen,' der zu Dir kam, erbarme Dich meiner!" Da zieht Er mich an Sein Herz, weist hin auf Sein Kreuz: „Siehe, so habe Ich dich geliebt; mit Meinem Leben habe Ich bezahlt, was du verschuldet hast. Nun bleibe in Mir, und sündige hinfort nicht mehr. Ich helfe dir, ein mächtiger Heiland; gehe nur nicht einen Schritt ohne Mich. Ich bringe dich durch, auch durch den Tod, und drüben teile Ich Mein Erbe mit dir."
Jetzt sage mir: gibt es etwas Wichtigeres und Herrlicheres zu wissen als das:
„Daß ich einen Heiland habe,
Der vom Kripplein bis zum Grabe,
Bis znm Thron, wo man Ihn ehrt,
Mir, dem Sünder, zugehört"?
Wenn du diese Gewißheit hast, dann darfst du einst mit Frieden aus diesem Leben scheiden und wie jener Mann in R. (seine Gattin hat es mir erzählt) selig ausrufen: „Er kommt, Er kommt und — o, Er kennt mich!"
Das muß ich wissen: Jesus kennt mich, und ich kenne Ihn. S. Sp.
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