Ausgabe 
27.8.1916
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liegt unsere Heilung und unser Heil!Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde." (1 Joh. 1, 7.) O. D.

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Beinah.

Beinah I Welch ernstes Wort! Beinah ist die Lebensgeschichte von ungezählten unsterblichen Seelen, welche in der Ewigkeit unter Weinen, unter Zähne­knirschen klagen müssen: Ich wäre beinah gerettet, aber ich wollte mich nicht völlig dem Worte Gottes unterwerfen. König Agrippa (Apg. 26, 28) und der reiche Jüngling (Mark. 10, 22) sind warnende Vor­bilder aller derer, welche um ihres irdischen Ranges oder Gewinnes willen oder aus Menschenfurcht der erkannten Liebe Gottes den Rücken kehren. In ihrer großen Zahl stehen menschlich sehr edle, hohe Ge­stalten. Bist du gewiß, daß du nicht unter dieser Schar stehen wirst?

Wer nicht den Schritt des Glaubens tut, wird umkommen; er wird vor der Tür des Hochzeitssaales sterben als beinah errettet, aber ganz und gar und ewig verloren.

Droben in den Alpen, in der Nähe des St. Bernhardhospitals, fand man nach einem schrecklichen Schneesturm die Leichen von elf erfrorenen Reisenden. Die Führer, welche die Vermißten entdeckten, er­zählten, die Unfallstätte sei nur wenige Schritte von dem Hospital entfernt gewesen.

Wie traurig!" mag mancher gedacht haben, der diese Notiz in der Zeitung las.So nah dem schützenden Heim, das Wärme, Erquickung und Ruhe für die müden Wanderer bereit hielt, und dennoch dem Tode preisgegeben I"

Unzähligen Pilgern auf dem Lebenswege ist es ähnlich ergangen. Es gab Zeiten in ihrem Leben, da sie dem Himmelreich nahstauden. Durch Nacht und Nebel der Erde winkten ihnen von fern die Lichter der ewigen Heimat. Der HErr hat schon manchen mit wahren Christen zusammengeführt, welche Glück und Frieden in Jesu gefunden hatten. Da fühlte er: diese Menschen sind reich und glücklich, ich aber bin arm. Dann kam wieder die Welt, das Trachten nach Reichtum, nach höheren Einnahmen. Aber mit der wachsenden Einnahme mehrten sich die Be­dürfnisse und Wünsche, und als das Vermögen da war, ward dem Narren über Nacht die Seele abgefordert.

Der ernste Ruf zu Jesu und die Erfahrung von Seiner Liebe war auch an den jungen, leicht sinnigen Soldaten S. gekommen. Er hatte seiner Mutter schon viel Kummer, gemacht. Er war begabt, gewandt, von gutem Aussehen. Er war jung Unter­offizier geworden, aber er hatte auch früh das Laster kcnuengelernt. Trinken und Weiber führen zu Schulden. Er machte Schulden bei Untergebenen,

wurde degradiert und kurz darauf entlassen. Nun saß das junge Leben in Schande und Sünde. Da lernte er Christen kennen, die sich seiner annahmen.

Er erfuhr Hilfe. Man sorgte für seinen Unterhalt, bemühte sich um Arbeit für ihn. Das Wort Gottes und die Liebe der Kinder Gottes machten einen tiefen Eindruck auf sein Herz. Aber er ließ sich nicht zur Buße bringen. Er trug wohl Leid um sein Elend und seine Schande, aber nicht um seine Sünde. Darum kam es auch nicht zu einem Bruch mit der Sünde. Er sagte wohl, daß er brechen wollte, aber er tat es nicht. So wurde er vor Gott und Menschen zum Heuchler. Noch kurze Zeit, da drehte er dem HErrn und den Kindern Gottes den Rücken und ging dahin, abwärts den. Weg der Finsternis.

Beinah! Beinah hätte er sich erretten lassen! Beinah wäre sein Leben durch die Gnade Gottes ein Leben des Segens geworden, aber es wurde und blieb unter der Kette und dem Fluche der Sünde.

Weißt du, daß auch dich der gute Hirte sucht und ruft? Weißt du, daß du von Gott verirrt bist, in der Wüste verloren? Laß dich von Jesu retten, lege dich ganz mit allem, was du bist und hast, in Seine treuen, starken Arme, dann wirst du an Jesu Herze» rühmen und danken: Beinah war ich ver­loren, aber der HErr ergriff mich noch zur rechten t Zeit, jetzt bin ich errettet! v. B.

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Sterben ist mein Gewinn.

Sterben Gewinn? Ist es nicht vielmehr Ver­lust alles dessen, was wir auf Erden wertschätzen? Nun, der Apostel Paulus sagt so, und folgende Bei­spiele mögen seine Auffassung bestätigen:

1. Während eines heftigen Sturmes an der irländischen Küste trieb ein Schiff auf den Strand zu. Dem Steuerruder gehorchte es nicht mehr, und sein Anker war verlorengegangeu. Einige Augen­blicke noch, und es mußte aufstoßen und zerschellen. Wegen der Brandung war jede Rettung unmöglich.

Die ganze Schiffsmannschaft hatte, wie wir uns denken können, die größte Bestürzung ergriffen, und sie lief mit dem Ausdruck des Entsetzens auf ihren Ge- sichtern und mit Ausrufen des Schreckens auf dem ' Verdeck hin und her. Ein Mann war an Bord, j der mitten in so drohender Gefahr vollständig gelassen blieb und den Ausdruck stiller Ruhe auf seinem Gesichte trug. Ein Freund, der sich diese Ruhe nicht erklären konnte, fragte ihn:Weißt du nicht, daß der Anker verlorengegangen ist und das Schiff jeden Augenblick zerschellen kann?" Aber er ant­wortete:Gewiß weiß ich das, aber das macht mich nicht unglücklich; ich weiß, daß der Anker meiner Seele hinter dem Vorhang festgelegt ist und ich nun bald bei Dem sein darf, den meine Seele liebt."