Ausgabe 
30.7.1916
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trale belgische Gebiet einmarschierten, welche Ver­letzung des Völkerrechts Englands sofortige Kriegs­erklärung zur Folge hatte? Wir wußten freilich nicht, was unserer Regierung schon längst bekannt war, nämlich, daß Frankreich und England gleichfalls ihre Heere durch Belgien zu schicken entschlossen waren, um von dort mit großer Macht in unser Vaterland einzubrechen. Wir sind ihnen dank unserer Schnelligkeit nur etwas zuvorgekommen und haben damit ihren heimtückischen Plan zunichte gemacht.

Mit unbeschreiblicher Erwartung sahen wir den ersten Nachrichten über Erfolge unserer Truppen entgegen. Da kam die Kunde vom mißglückten Hand­streich, den eine nur kleine deutsche Truppenabteilung gegen die nahe der Grenze gelegene belgische Festung Lüttich unternommen hatte. Sie brachte uns wohl den Tatbeweis für die todesmutige Kampfeslust unserer Krieger und ihr ungestümes Vordringen, aber es war doch gleich zu Beginn des Krieges ein Mißerfolg, und ihr Heldenblut schien umsonst ge- flössen zu sein. So dachten viele und sahen es schon als ein ungünstiges Zeichen für den ganzen Ausgang des Krieges an, und unsere Feinde jubelten über den ersten glorreichen Sieg. Aber schon am nächsten Tage ivandelte sich alles harrende Bangen und Fragen in brausenden Jubel durch die ein­getroffene Siegesnachricht, daß Lüttich genommen und damit das Eingangstor ins feindliche Land fest in deutschem Besitze sei.

Erst viele Tage später, als genügend neue Truppen herangezogen waren, um Lüttich gegen etwa anmarschierende feindliche Heere halten zu können, ist es bekannt geworden, welche geringe Truppenmacht die durchaus moderne, widerstands­fähige und vollkommen kriegsbereite Festung erobert hat. Unsere Feinde wähnten uns 120000 Mann stark, wovon ja nach ihren Lügenberichten allein über 40000 gefallen sein sollten, während doch nur sechs schwache Friedensbrigadeu mit etwas Kavallerie und Artillerie die Festung im Sturm genommen haben, ohne sie vorher längere Zeit zu beschießen, um Panzer­geschütze und andere Hindernisse zu beseitigen. Fürwahr eine glanzvolle Leistung unserer tapferen Truppen!«

Vorbereitet war dieser Sieg aber in ganz be­sonderer Weise durch das heldenmütige Vordringen der kleinen Truppe am Tage zuvor, die in kühnem Wagemut im Dunkel der Nacht zwischen den Forts hindurch in das Innere der Stadt eingedrungen war, um den Kommandanten gefangeuzunehmen, der sich aber durch schnelle Flucht der Festnahme entzog. Ihr weiterer Versuch, sich der Forts zu bemächtigen, scheiterte an ihrer zu geringen Zahl. Der Angriff wurde abgeschlagen. Ein Teil der kühnen Streiter mußte sich ergeben, während die anderen sich nur so weit als nötig zurückzogen und, nachdem genügend Verstärkungen eingetroffen waren, wieder zum Nacht­kampfe vordrangeu und am anderen Morgen als Sieger in Lüttich einzogen.

So ist die belgische Festung durch die Wafflu- tat unserer tapferen Truppen das Eingangstor ge­worden für die nachziehenden . Heere, die inzwischen das Land in Besitz genommen haben, was freilich grausige Kämpfe und ungeheure Opfer erforderte. Aber ohne große Opfer keine großen Erfolge, das ist ein sich im Leben immer wieder bewahrheitender Grundsatz Welche Opfer hat z. B. die Eroberung der Luft gekostet, ehe solche glänzende Erfolge er­reicht wurden, wie wir sie jetzt bewundern können!

Von irdischen Dingen und den grausigen Opfern des Krieges aber laßt uns wegschauen und hinschanen auf ein Opfer, das einst gebracht wurde und Welt und Himmel bewegende Folgen nach sich zog: das Opfer von Golgatha, jene Segensstätte, die zum Eingangstor ins ewige Reich unseres HErrn und Heilandes Jesu Christi wurde für alle die, die an Ihn glauben und Ihm Nachfolgen als dem Herzog ihres Lebens im treuen Dienst und Kämpfen an Seiner Seite, wie geschrieben stellt:Und da Er vollendet war, ist Er geworden allen, die Ihm gehor­sam sind, eine Ursache zur ewigen Seligkeit." jEbr. 5, 9.) O, daß dieses einzige Eingangstor zum ewigen Leben doch auch noch viele der tapferen Streiter finden möchten, die sich dem feindlichen Ansturm mit Daransetzung ihres Lebens entgegen­werfen und vielleicht dabei ihr Leben verlieren müssen!

Wohl löscht der Tod fürs Vaterland manche Schuld vor Menschen aus. Aber wir alle haben dock noch eine große Schuld im Buche Gottes stehen, die durch nichts getilgt werden kann als durch das Opferblut des Sohnes Gottes, welcher Sein teures Leben hingegeben hat zur Erlösung für viele nämlich für alle die, die im Glauben an dieses Blut Tilgung und Vergebung ihrer Sünden empfangen. ,)An Ihm haben wir die Erlösung durch Sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum Seiner Gnade." (Eph. 1, 7.)

Wer glaubend hinschaut nach Golgatha, wo der am Kreuz erhöhte Gottessohn an unserer Statt die göttliche Strafe für all unsere Sünde und Missetat auf Sich nahm und büßte, der hat das einzig gültige, von Gottes Gnadenhand selbst geöffnete Eingangstor ins Himmelreich gefunden, für den wird auch der Verlust seines Lebens kein Verlust, sondern ewiger Gewinn sein.Darum tut desto mehr Fleiß, euren Beruf und Erwählung festzumachen; denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht straucheln, und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unseres HErrn und Heilandes Jesu Christi." (2 Petri 1, 10, 11.)

O Golgatha, du Hügel aller Hügel,

Tief beugt dein Name und dein Klang das Herz; Und dennoch du verleihst der Seele Flügel,

O Golgatha, du Hügel aller Hügel,

Von dir schwingt sie erlöst sich himmelwärts.

Dort, wo das Kreuz des heil'gen Mittlers stand, Dort ist die Tür ins ew'ge Vaterland! @ H