mehr entrinnen können, sei es, daß einer ans schwerem Krankenlager liegt, fast ohne Hoffnungauf Genesung, oder ein anderer in Not und Bedrängnis kommt, aus der er keinen Ausweg sieht, oder ein dritter vielleicht als Lohn seiner gottfernen Sündenwege zuletzt hinter Schloß und Riegel sitzt und nun endlich Gottes suchende Liebe zu verstehen beginnt. Wie mancher möchte dann auch handeln mit seinem Gott und bietet Ihm allerlei au und stellt allerlei Bedingungen, unter welchen er Hilfe und Befreiung zu erhalten hofft. Darauf aber läßt sich Gott nicht ein; Er fordert nicht dieses und jenes von dir, sondern bedingungslose Übergabe deines Herzens und Lebens.
So widerstehe Ihm nicht länger und laß dich durch Ihn befreien und erretten I Denn wie jene dem Huiigertode entgegengingen, wenn sie sich nicht in die Hände der Belagerer gegeben hätten, so geht deine Seele dem Tode entgegen und damit dem ewigen Hungern und Dürsten, wenn du dich deinem Gott und Heiland nicht bedingungslos übergibst. Und wenn du es tust, was erlebst du dann? Du fünft nicht einem unbarmherzigen Feind in die Hände, auch nicht einem barmherzigen und großmütigen Feind, von dem du nichts zu fürchten hast, sondern deinem besten Freund und Helfer und Retter deiner Seele, dem, der dich geliebt von Ewig- keit her und für dich Sein Blut und Leben dahin- gab. Und du wolltest iveiter vor Ihm fliehen und vielleicht irgendwo fern von Ihm sterben in deinen Sünden?
O wag's, dem Heiland dich zu weihen,
Und nie wirst solches du bereuen;
Denn Gottes Kind und Erbe werden,
Ist Seligkeit schon hier auf Erden! G. H-
Hin Kriegsgewinn.
Eine hochgestellte, Dame kam zu mir. Sie hatte ihren einzigen Sohn, einen sehr tüchtigen Wissenschaftler, im Kriege verloren. Eine Granate hatte ihn zerfetzt und getötet. Ich möchte sagen, nicht minder war nun das Mutterherz von Schmerz zerfetzt, nur war es noch nicht getötet. Aber der Glaube an Gott war jäh in diesem Herzen gestorben. Schwarze, schaurige Nacht erfüllte es. Lästerndes Murren brach aus dem verbitterten Munde hervor. Nur noch in einem Gedanken pulsierte dies geknickte Leben: Selbstmord! Und doch, dreimal, viermal zog es die Ärmste in die Bibelstnnde, von Gott und Seinem heiligen Liebeswalten im Entsetzen dieses Krieges zu hören. Gin unbeschreiblich qualvolles Ringen zwischen dem abgöttisch geliebten Bilde des eigenen, einzigen, geopferten Sohnes und dem Bilde des zu unserer Erlösung aus allem Leid geopferten Gottessohnes begann in der Mutterbrust. „Lassen
Sie Ihren toten Sohn und empfangen Sie der: lebendigen Gottessohn!" war immer wieder meine Friedensmahnung. Jammervolles Unvermögen war die Antwort. Da kam die letzte Anssprache. „Ich kann nicht mehr mit leerem Herzen weiterleben!" schrie die Dame auf. „Ich kann dieses inhaltslos gewordene Leben nicht mehr weiter schleppen!" „O, wie sollte ich mich freuen," antwortete ich ihr, „wenn Ihr Inneres wirklich leer und inhaltslos geworden wäre! Denn dann wäre ja Raum in Ihrem Herzen für Jesum da, der allein Ihren Bcr- lust in Gewinn verwandeln kann, indem Sie durch Ihn Frieden und neues Leben in der Gemeinschaft mit Gott empfangen!" Endlich, endlich neigte und öffnete sich dies zerrissene Mutterherz diesem heilenden Frieden. Welch ein Kriegsgewinn!
Und nun noch eine andere Mutter. Man hatte mir gesagt, sie habe drei Söhne im Felde verloren. So fragte ich sie in schmerzlichem Mitleid: „Ist es wahr, daß Sie drei Söhne im Kriege verloren haben?" „Nein," antwortete sie in stillem Frieden, „verloren? nein, verloren haben wir sie nicht. Sie hatten ja alle ihren Heiland schon längst, ehe sie hinauszogen. Nun sind sie bei Ihm allezeit im ewigen Licht. Das ist doch nicht verloren!"
Siehe, das heißt in der, Hand und am Herzen Dessen ruhen, der das Völkergeschick und auch das Einzelgeschick lenkt!
Nun eile und suche diese Ruhe! F. B.
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Flüttich, das Hingangstor.
Es war in den ersten Tagen nach Beginn des jetzigen gewaltigen Völkerringens. Hoch schlugen die Wogen der Begeisterung als Antwort ans das schmäh- liche Handeln unserer Feinde, die unser Verderben beschlossen hatten und uns zwangen, das Schwert zur Verteidigung unseres Vaterlandes zu ziehen. Mit klingendem Spiel und wuchtigem Gesang marschierten überall die Regimenter zu den Bahnhöfen,
I von den Segenswünschen Tausender begleitet. Die unvergeßliche, welthistorische Reichstagssitzung zeigte die gewaltige Einmütigkeit des ganzen Volkes. Als dann freilich am selben Tage noch das Ungeheuer- liche, kaum Glaubliche geschah, daß auch England sich ans die Seite der Königsmörder schlug und uns den Krieg erklärte, da wollte uns schier bange werden vor der geivaltigen Überzahl unserer Feinde, und nicht viele mögen es wohl gewesen sein, die solche feste Siegeszuversicht hegten, wie ihr der König Ludwig von Bayern in den Worten Ausdruck gab: „Ein Feind mehr und damit ein Grunds mehr, uns bis zum letzten Atemzug zusammenzuschließen. Unsere > Sache ist gerecht; Gott wird uns nicht verlassen."
Kamen vielen unter uns nicht starke Zweifel, || ob es auch recht war, daß unsere Heere in das neu-


