Ausgabe 
23.7.1916
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blick in die Ungenüge all seines Denkens, Fuhlens und Tuns und die dringliche Rede seines Gewissens über die Sünde und Schuld seines Lebens ihn un- abweislich beunruhigt, mühselig und beladen gemacht haben, ehe er den Frieden zu ahnen und zu suchen beginnt, dessen Fehlen er entdeckt t»at Besonders das stürmische, stolze Männerherz muß erst gewaltig gerüttelt und geschüttelt werden, soll es vom Be­dürfnis nach Frieden mit Gott erfüllt werden. In der Friedenszeit vor dem Kriege konnte dies kaum geschehen. Da mußte der Krieg auch deswegen kommen, daß Gott auch einmal Männerherzen gottes- uud göttlichen Friedens bedürftig machen konnte. Mit Bibelworten konnte Gott sie nicht erschüttern, da mußte Er sie zwischen Rot und Tod auf dem Schlacht­felde mit dem Gebrüll der Kanonen und dem Sausen und Platzen der Granaten erschüttern. Da erst graute ihnen vor der Ungenüge ihres sündenbeschwer- ten Lebens angesichts der Heiligkeit Gottes und der sekündlichen Nähe des Todes. Da erst suchten und fanden sie Frieden mit Gott, aber auch ilur die-" wenigsten.

Denn zahllose Wege hat der Satan, um das durch den Geist Gottes in Sündennot geratene Herz schleunigst wieder zu beruhigen, zu betäuben, selbst­sicher und selbstzufrieden zu machen. Mit der eili­gen Erweckung allerlei irdischer Bedürfnisse versteht es der Widersacher Gottes vortrefflich, das erwachte Bedürfnis nach Frieden mit Gott zu töten und zu begraben. Schnell ist die Seele wieder eingeschüchtert durch Menschenfurcht, berauscht durch irgendwelchen Trubel oder Jubel, hingenommen von irdischen Friedens- und Glücksträumen. Und das eben so dringend nahe gewesene, seltene, kostbare Bedürfnis nach Frieden mit Gott ist tatsächlich wie erschlagen und getötet. Darum bedarf dies hehre, zarte Friedens­bedürfnis der fortgesetzten innerlichen Vertiefung, Befestigung und Steigerung. Es muß dahin kommen, daß dir um des Friedens mit Gott ivillen alles feil wird Das Bedürfnis nach Frieden mit Gott muß dein ganzes Innere erobern, dein einziges Verlangen iverden und dir alles andere verleiden und entwerten. Es muß dein einziges Bedürfnis werden, das dich von allen anderen Bedürfnissen befreit Ja, das Bedürfnis nach Frieden mit Gott muß zum Durst nach der Gemeinschaft mit Gott werden und schreien lernen:

Gebt mir alles, und ich bleibe

Ohne Goti doch arm und leer

Unbefriedigt, dürstend treibe

In der Welt ich mich umher/

Ist es soweit gekommen, dann wirst du kriegs- müde im Streite wider Gott, weltmüde, menschen­müde, sündenmüde, zweiselsmüde, unglan''ens- müde dich in ernstlichen Friedensbemühungen Gott und Seinem Friedensangebot im Evange­lium zuwenden. Denn Gott hat Sich längst dir zugewandt Er ist überhaupt nie dein Feind gewesen.

Er hatte stets nur Friedensgedanken gegen dich. Er hat dich geliebt, als du noch Sein Feind warst Längst hat Er dich gesucht, ehe du. Ihn suchtest Er sah die Unruhe deines Herzens und Lebens aus dem Wege deines Irrtums und Unfriedens Darum ist Er dir längst entgegengekommen, dir Hilfe und Frieden zu bringen; denn Er hat Sich seit Ewigkeit um deinen Frieden bemüht. In diesen eisernen Kriegslagen reden die Zeitungsleute davon, die feind­lichen Mächte möchten doch versuchen, sich gegenseitig goldene Brücken zum Frieden" zu bauen. Ach, wie elend sieht's mit dieser goldenen Bauarbeit auf Erden aus! Aber was den Menschen so schwer fällt zu tun, hat Gott schon längst getan. Er hat längst vom Himmel her den Menschen eine goldene Brücke zum Frieden gebaut. Gottes goldene Brücke zum Frieden'ist der Mittler zwischen Gott und Menschen, Jesus Christus. In Ihm haben die Friedensbemühungen Gottes ihren höchsten und herrlichsten Ausdruck gefunden. In Ihm ist das Friedensangebot Gottes so kündlich groß, so aller Annahme wert erschienen, daß alle Menschen­augen danach schauen, alle Menschenherzen danach verlangen, alle Menschenhände danach greifen sollen.

F- B.

K

Wunderöare Kottesivege.

Am Anfang des Krimkrieges gab eine Dame m London einem Schuhmacher einen kleinen Traktat. Dieser Mann war ein Spötter und gleichgültig in religiösen Dingen.Ach," rief er lachend,ich lasse den lieben Gott einen guten Mann sein. Ich habe andere Dinge zu verrichten als Traktate zu lesen!" Obwohl betrübt, aber nicht entmutigt, legte die Dame das Schriftchen auf den Tisch und ging. Kaum war sie draußen, als der Schuhmacher den Traktat zerriß und ihn nahm, um das Innere der Schuhsohle damit zu belegen. Dieser Schuh war für einen Soldaten bestimmt, welcher nach der Krim in den Krieg zog Dieser wurde in der Schlacht bei Alma von einer Kugel am Knöchel verwundet. Seine Kameraden brachten ihn aus dem Gefecht an einen sicheren Ort. Er versuchte nun, seinen Stiefel aus zuziehen, um seinen Fuß, welcher sehr angeschwollen war, zu erleichtern.

Die Sohle war teilweise zerrissen, und dar Papier, welches der Schuhmacher hineingelegt hatte, schien hervor. Von Neugierde getrieben, zog der Verwundete dasselbe heraus und las einige Bibel­sprüche, welche ausschließlich für ihn geschrieben zu sein schienen. Dabei arbeitete der Geist Gottes mächtig an fernem Herzen Immer wieder kamen ihm die gelesenen Gottesworte in den Sinn; und obgleich er körperlich sehr heruntergekommen und schwach geworden war, so tauchten in seinem Ge- dächtnis doch allerlei liebliche Szenen seiner Jugend