Ausgabe 
18.6.1916
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Dann erkenne zunächst im Lichte Gottes deine Sündenschuld, und danach blicke hin auf das Kreuz Christi. Dort litt der Gerechte für die Un- gerechten, der Sohn Gottes für Seine Feinde. Er vollbrachte die Sühnung für unsere Sünden und erwarb eine ewige Erlösung von Sünde, Tod und Teufel.Um unserer Übertretung willen war Er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen, die Strafe zu unserem Frieden lag auf Ihm, und durch Seine Wunden sind wir geheilt." Alle gerechten Forderungen Gottes sind erfüllt in Ihm. Die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes ge- statten es, daß Sünder, Gottlose und Feinde begnadigt und in Seine Gegenwart gebracht werden. Alles ist geordnet zwischen Gott und dem Sünder, wein, er nur bußfertig naht und im Glauben Jesum ergreift. Gott blickt auf Christum und auf Sein vollbrachies Werk und vergibt nach dem Reichtum Seiner Gnade jedem, der auf diesem Wege Ihm naht. Alle, die diesen göttlichen Weg betreten, sind durch ein Ostsee für immerdar vollkommen ge­macht. (llbr. 10, 14.) Sie stehen nun vor Gott in Christo; sie sindbegnadigt' oderangenehm gemacht in dem Geliebten". (Eph. 1, 6.)

Diesen Reichtum kann der Krieg, solange er auch dauern mag, nicht vernichten. O. D.

Die Gnadenkaterne.

König Alexander von Mazedonien, der einst in kühnem Siegeslauf die Welt eroberte, beobachtete bei seinem Kriegführen ein merkwürdiges Verfahren. Wenn er nämlich mit seinem Heerhaufen vor einer befestigten Stadt lagerte, um sie zu erobern, so stellte er eine große, weithin sichtbare Laterne auf, die Tag und Nacht leuchtete. Den Belagerten ließ er sagen, solange diese Leuchte noch brenne, hätten sie Zeit, sich zu besinnen, wäre sie aber zerschlagen und ausgelöscht, so sei die Stadt mit allem, was sie berge, unerbittlich dem Verderben übergeben. Und wie er sagte, so geschah's. War die Laterne zer­schlagen, so war alle Hoffnung aus; die Mazedonier stürmten dann auf Alexanders Geheiß die Stadt, machten alles nieder, was eine Waffe tragen konnte, zerstörten und verbrannten; die Gnadenzeit war zu Ende. Unser HErr und Meister läßt uns lange die Gnadenlaterne', das Licht Seiner anklopfenden, erbarmenden Gnade leuchten, unaussprechlich ist seine Langmut und Geduld aber Er sagt nicht umsonst: Heute, so ihr Meine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht!" Es kommt ein Tag, eine Stunde, wo der HErr zum letztenmal bei. dir anklopft.

Jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. (2 Kor. 6, 2.)

Gin Gefangener.

Es ist eine ergreifende Begebenheit, die wir nacherzählen wollen. Ein Gefängnisprediger trat in die Zelle, welche seit einigen Tagen von einem finstern, verstockten Menschen bewohnt war. Die Sünde hatte jeden Zug des abstoßenden Antlitzes verzerrt ach, was war aus demEbenbild Gottes" geworden? Der Mann kauerte an der Wand und starrte vor sich hin. Er blickte nicht auf, als eine freundliche Stimme an sein Ohr drang, die zu ihm redete von einer Reinigung von Sünden und einer Lossprechung von aller Schuld durch den Glauben an den Sohn Gottes. Das trotzige Antlitz blieb bewegungslos, der starr zusammengepreßte Mund stumm. Schon wollte der Prediger es aufgeben, weiter mit ihm zu reden. Da fiel sein Blick aus eine Bibel, die auf dem Tisch der Zelle lag. Er legte mit Ehrfurcht die Hand auf die Heilige Schrift und fragte mit sanfter, freudiger Stimme:Lesen Sie jemals in diesem Buche?" Bei der Frage blickte der Mann auf. Seine bösen Augen starrten den Fragenden an, und fast zischend stieß er die Antwort hervor:Sie würden mich das nicht fragen, wenn Sie wüßten, wer ich bin! Ich bin" und er nannte den Namen eines bekannten Verbrechers.

Nun wohl doch sprechen wir jetzt nicht davon, wer Sie sie sind ich frage nur: Lesen Sie dieses Buch?"

Nein, gewiß nicht," erwiderte er und fügte kaum hörbar hinzu:Es paßt nicht für einen solchen, wie ich einer bin!" und dann, als wenn ein

Damm losbräche mit wild überschäumenden Wassern, schrie er laut:Ich bin ein schrecklicher Sünder, das schlechteste Geschöpf in diesem Gefängnis!" Da leuchtete ein Hoffnungsstrahl im Antlitz des Predigers auf.Wenn Sie das sagen und in Wahrheit

meinen, dann gehören Sie zu jener Klasse von Lenien, die zu suchen und seligzumachen der HErr Jesus gekommen ist!"

Und es flössen dem Prediger die Lippen über von der Liebe des Heilandes zu den Sündern, der keinen, welcher zu Ihm kommt, hinausstoßen will. Aber nun schien der düstere Mann die Friedens­klänge nicht mehr zu vernehmen.Hören Sie auf, jedes Wort an mir ist verloren!" rief er dumpf. Er 1 trat zu der eisernen Tür seines Kerkers, ballte seine

' Hand zur Faust, führte einen gewaltig dröhnenden

' Schlag gegen dieselbe aus und sagte mit furchtbarem ' Ernst:So hart und kalt wie die Tür von Eisen

; ist mein Herz!

Da schlug der Prediger die Bibel auf und ' las die Stelle Hes. 36, 26. Und als er gelesen j hatte, sprach er:Sie haben recht, Sie selbst können Ihr hartes Herz nicht ändern. Ein neues Herz tut Ihnen not. Und hier verspricht Ihnen Gott, daß Er selbst es Ihnen geben will."