„Stehen drese Worte wirklich da?" rief der unglückliche Gefangene, und ein Blitz der Freude erhellte das unheimliche Dunkel dieses Antlitzes. Aber ebenso schnell erlosch der Strahl, und der Mann stöhnte: „Es kann, es kann nicht auch für mich gesagt sein. Ich bin zu schlechtI" Aber mit einer unermüdlichen Geduld setzte sich der Bote Gottes neben den erschütterten Mann hin und brachte seiner erwachten Seele noch manche tröstliche Verheißung aus dem Schatz des göttlichen Wortes nahe. Und endlich fand das himmlische Licht Eingang. Jnier Schlag an die eiserne Tür war zum gnädigen Wende- Punkt in dem Leben des Unglücklichen geworden. Denn in demselben Augenblick, als er verzweifelnd die Hand zum Schlage hob, hatte die erbarmende Valerhand Gottes einen viel gewaltigeren Schlag gegen sein starres Herz getan, so daß es zersprang, und aus dem erweichten Herzen flössen Tränen bitterer Reue.
O, glaube niemand, daß seine Sünde zu groß sei, um ihm vergeben zu werden, oder daß sein Herz zu verstockt wäre, daß Gott es nicht ändern und erneuern könne. Wer mühselig und beladen ist, der komme zu Jesu, denn Er nimmt die Sünder an.
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Die wichtigste Arage
ist die Frage nach dem Reiche Gottes. Jesus ruf tin der Bergpredigt liebevoll ermahnend aus: „Sagt nicht: Mas werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes." (Matth 6, 31—33.) Laß es dir sehr angelegen sein, diese so bedeutungsvolle Frage zu entscheiden, damit es dir nicht ergehe wie dem reichen Manne, welcher die Brot- und Kleiderfrage jeden Tag besser zu beantworten gesucht hatte, und der sich erst der wichtigsten Frage nach dem Reiche Gottes bewußt wurde, als es zu spät war und er in der Hölle und Qual seine Augen aufhob. (Luk. 16, 23.)
Welches ist denn die Lösung der wichtigenFrage nach dem Reiche Gottes? — Die einzige Lösung ist die Wiedergeburt durchdenHeiligenGeist. Jesus sagt: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir, es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." (Joh. 3, 3.) Diese Wiedergeburt kann der Mensch aus eigner Kraft nicht bewirken, da sie göttlicher Natur ist. Das einzige Mittel, wodurch die Wiedergeburt erlangt wird, ist das gläubige Gebet eines Menschen, der — davon überzeugt, daß er ein verdammungswerter Sünder ist — in seiner großen Seelennot die Zuflucht zu Gott nimmt, welcher die Welt also geliebt hat, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an
Ihn glauben, nichtverloren gehen,sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3, 16.)
Anhaltend und ernstlich muß das Gebet jedoch sein; der Heiland redet nicht umsonst von dem Rufen bei Tag und bei Nacht in dem Gleichnis von der armen Witwe und dem ungerechten Richter (Luk. 18, 7.); und nicht ohne Ursache ertönt der Mahnruf des Apostels, der Seelen Seligkeit mit Furcht und Zittern zu schaffen.
Wenn dein Gebet ernstlich ist, wirst du gar bald erfahren, daß der HErr Gebete erhört; du wirst zum Glauben hindurchdringen; du wirst es in der Schrift erkennen, daß deine Sünden dir vergeben sind, du wirst dich unsäglich glückselig fühlen und imstande sein, deinem HErrn und Heilande herzlich zu danken. Indem du zum Glauben kommst, ist auch die Wiedergeburt in dir vollzogen. Denn der Glaube ist dasselbe für den geistlichen Menschen, was der Odem für den natürlichen Menschen ist.
ZL
„Kommt, denn schon ist asses Bereif!“
Mit diesen Worten ladet Jesus Christus, Gottes Sohn, im Evangelium alle Menschenkinder ein, zu Ihm zu kommen, um Vergebung für ihre Sünden, Rettung, Versöhnung und ewiges Leben zu empfangen. Er sagt nicht: „Wenn ihr kommt, so wird alles für euch bereit gemacht werden, sondern: „Schon ist alles bereit, darum kommt!"
Ja, lange, ehe wir ins Dasein kamen, hatte Gott an uns gedacht: und als dann die Zeit gekommen war, sandle Er Jesum Christum, Seinen Sohn, für uns herab als Retter. Gottes Gedanken und Taten eilen den unsrigen weit voraus.
Und nicht nur war Gottes Ratschluß längst gefaßt und der Sohn Gottes für uns gekommen, ehe wir geboren waren, auch die Erlösung, deren wir alle bedürfen, um nicht verlorenzugehen, war schon vollbracht. Jesus Christus ist für uns gestorben, Er, der Heiland der Welt. Er hat durch Sein kostbares Blut eine ewige Erlösung zustande gebracht. Und Er, der für unsere Sünden starb, ist auferstanden und thront nun zur Rechten Gottes in ewiger Herrlichkeit.
Darum kann Er nun jeden rufen und durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist alle Menschen laden und bitten: „Kommt, denn schon ist alles bereit!" — Siehe, der dreieinige Gott hat alles bereit gemacht zu deinem Heil, ehe du zu Ihm um Gnade rufen konntest. Und nun ruft Er und bittet dich und alle, die dem kommenden Gericht entfliehen wollen: „Kommt, denn schon ist alles bereit!" Du hast also nicht nötig, zu flehen: „O Gott, sende einen Erlöser und Retter für mich hernieder!" Nein, so hast du wahrlich nicht nötig, zu beten; denn längst schon „hat Gott


