wisse, die Dunkelheit und Decke liegt bei dir; die Torheit ist deine Torheit, denn das Evangelium ist ein Heller Lichtglanz, und Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit. So öffne Ihm heute dein Herz, laß den hellen Strahl Seiner Gnade und Herrlichkeit in deine Seele fallen! Laß dich erfassen von dem „Worte vom Kreuze", daß es sich auch an dir wie schon an unzähligen Seelen erweise als „Gotteskraft". Ja, der Heiland spricht: „Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist." (Mark. l9, 10.) „Glaube an den HErrn Jesum, und du wirst errettet werden!" „Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren Vierden, sondern das ewige Leben haben." (Apg. 16, 31; Joh. 3, 16.)
O. D.
ZL
Des Iiteiischkn Sohn.
„Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." Luk. 19, 10.
Es gibt wohl kaum ein Wort in der Heiligen Schrift, das nicht schon dieser oder sener Seele zum Segen gewesen wäre. Aber es gibt Worte, die sind nicht nur etlichen, die sind Hunderten und Tausenden zum Segen gewesen. Dazu gehört auch dieses. Es ist ein ganzes Siebengestirn der Gnade und Liebe Gottes. Jedes einzelne Wort ist ein leuchtender Stern in dem Sternbild dieses Spruches. Wir ivollen den ersten Stern in diesem Spruche einmal etwas näher betrachten!
Des Menschen Sohn, das ist der erste Stern, der uns entgegeuleuchtet. Was sagt uns dieses Wort? Es redet uns in wunderbarer Weise von der göttlichen Herrlichkeit Jesu. Wieso denn? Redet es denn nicht vielmehr von Seiner menschlichen Armut und Niedrigkeit? Ich meine, nein. Keinem Propheten und Apostel ist es jemals eingefallen zu sagen: Ich bin ein Menschenkind. Warum nicht? Weil es selbstverständlich ist. Wenn Jesus aber von Sich sagt, daß Er ein Menschensohn sei, dann tut Er es, weil es bei Ihm etwas Besonderes und Außerordentliches ist. Er war kein Menschensohn von Anfang an wie wir, sondern Er war Gottes Sohn. Er war das Ebenbild Seines Wesens und der Abglanz Seiner Herrlichkeit. Er thronte über den Lobgesängen der Myriaden heiliger Engel. Und dieser hohe, gewaltige, erhabene HErr wird Menschensohn — was für tine Herablassung, was für eine Gnade!
Was war das für ein Abstieg für Ihn von der Höhe des Himmels und Seiner Herrlichkeit in die sündigen Niederungen der Erde! Was war das
für Ihn, als Er die Gesellschaft Seines Baters und der heiligen Engel aufgab, um dafür mit verlorenen Sündern zu Verkehren! Die ganze Größe des Opfers, das der HErr Jesus brachte zu unserer Errettung, liegt in diesem Worte ausgedrückt: Menschensohn.
Und nicht nur von dem Opfer des Sohnes Gottes redet dies Wort; es spricht auch von dem Opfer des Vaters. Was hat es Ihn gekostet. Seinen eingeborenen, geliebten Sohn dahinzugeben in die Hände der Sünder! Er wußte ja, was die Menschen mit ihm machen würden. Er wußte, daß sie Ihn verspotten und verspeien, daß sie Ihn geißeln und kreuzigen würden. Er hörte schon im Geist die Hammerschläge von Golgatha dröhnen, die Ihm Sein Vaterherz verwundeten — und Er hat das große Opfer dennoch gebracht.
„Nicht Sein Sohn ist Ihm zu teuer,
Nein, Er gibt Ihn für uns hin,
Daß Er uns vom ew'gen Feuer Durch Sein heilig Blut gewinnst"
O, was für ein Abgrund von Barmherzigkeit spricht doch aus diesem einen Worte: Menschen- sohnl E. M.
&
„Und sie Landen Iesuin und führten Ihn hin."
(Matth. 27, 2.)
„Und sie banden Ihn." War's heimliche Angst, daß Er ihnen entschlüpfen möchte? War's ein Gefühl ihres schreienden Unrechts, um ihr Gewissen zu beruhigen und sich selbst vorzulügen, Er sei ein gefährlicher Mensch? Genug, auch diese Schmach er- trug der HErr der Herrlichkeit. Der uns erlösen soll, wird Seiner Freiheit beraubt. Man bindet den Heiland, der so manche Sündenkette zerbrach, so manche Krankheitsfessel zerriß, Israel bindet den Schöpfer aller Dinge und schleppt Ihn fort als ein wehrloses Lamm zur Schlachtbank. Ist es nicht ein erschütternder Beweis für das tiefe Verderben der Welt? Wie mochte der Teufel lachen, daß ihm dies Stück gelungen war! Ja, die Hölle triumphiert über den verhaßten Nebenbuhler.
Sieh, wie der Strick in Sein zartes Fleisch schneidet und neben der Schande auch noch der Schmerz den König auf Gottes Stuhl ergreift! Ist es nicht eine empörende Behandlung? Doch wie still duldet Er sie! Meint ihr, Er hätte die Stricke nicht zerreißen können, leichter als Simsou es tat? Es war Ihm, dem Löwen aus Juda, ein Kleines — und Er war frei, und die ganze Schar lag zerschmettert auf ihrem Angesicht. Doch nein, Er will gebunden sein, weil Er ja alles an unserer Stelle erduldet, und weil du und ich hätten so gebunden und fortgeführt werden müssen zur Hinrichtung.


