i iueni kaufmännischen Geschäft. Aber nie zuvor habe ich so unglückliche Stunden gehabt wie seit meiner erschwindelten Entlassung. Alles, was ich angreife, ist verkehrt; ich mache so viele Fehler, daß ich mitunter nicht weiß, wo mir der Kopf steht. Oft suche ich Zer- strennng in der Lust der Welt, aber alles umsonst. Ich weiß, daß der Weg, auf welchem ich mich be- finde, in die ewige Verdammnis führt. Meine Eltern beten für mich, dessen bin ich gewiß, denn sie sind gläubig. Sie haben mich christlich erzogen und von früher Jugend an mir von der Liebe des HErrn gesagt. Ich babe aber mein Gewissen übertänbt, bis ich Soldat wurde. Nun stehe ich als Simulant da, und dies läßt mir keine Ruhe mehr. Was soll ich tun?"
Der junge Mann, ivelcher diesen Brief schrieb, hat sich, dem Rate erfahrener Christen folgend, bei dem Bezirkskommando mit einem ehrlichen Bekenntnis seiner ganzen Schuld gestellt. Gott hat es so gefügt, daß er ohne Strafe blieb. Äußerlich ivar für ihn damit die Sache geordnet, aber innerlich noch nicht. Er schrieb einige Monate später: „Mein Herz ist immer noch nicht zur Ruhe gebracht; ich fühle es, daß der HErr mit mir redet. Wohl gelte ich in den Augen meiner Verwandten und Freunde als ordentlicher, gewissenhafter junger Mann, aber ich weiß, daß ich in diesem Zustande vor Gott nicht bestehen kann. Wenn ich mieh auch bemüht habe, moraliseb zu leben, so hilft mir dies nichts. Ich babe keinen Frieden, und ich werde immer tiefer sinken. Ich flehe täglich den HErrn um Gnade an und bitte Ihn, mich von der Gewalt Satans zu erretten; aber ich erhalte keine Antwort und glaube fast, daß es für mich zu spät ist." Nach diesem Briefe vergingen noch etwa anderthalb Monate, dann kam der Briefschreiber in große öffentliche Versammlungen, in welchen die Gnade, die in Jesu ist, klar verkündigt wurde. Der Geist Gottes zerbrach und bewegte in jenen Tagen viele Herzen. Auch dieser junge Mann brach eines Abends, überwunden von der Liebe Gottes, innerlich zusammen; glaubend erfaßte er die Botschaft des Friedens: „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben!" — Er glaubte, d. h. er vertraute sich Jesu an, er legte sich mit völligem Vertrauen auf das ein für allemal geschehene Opfer von Golgatha in Jesu Hände und fand das ewige Leben, Frieden mit Gott, die Gewißheit der Gnade. Der Zorn Gottes, der jedem unversöhnten Sünder droht, war abgewendet. Nicht das Bekenntnis seiner schlechten Handlungsweise konnte diesem jungen Manne Frie- den bringen, wiewohl es unbedingt nötig und Gott wohlgefällig war, sondern nur das auf dem Kreuze geflossene Blut des Sohnes Go ttes.
Zwei Dinge sind nötig für den schuldigen Sünder, um ihn zum Frieden zu führen: 1. die aufrichtige Verurteilung seiner Vergangenheit und der Bruch mit jeder erkannten Sünde — das ist
Buße; 2. die Glaubensgewißheit, daß der Sohn Gottes auf dem Kreuz die ganze Strafe, das ganze Gericht auf Sich genommen hat und daß durch Ihn der Friede mit Gott, die Gotteskindschast, das ewige und unentreißbare Teil des begnadigten Sünders wird — das ist Glauben. o. V.
K
Keorg St., der AtHeill.
Georg St. war in seinen jüngeren Jahren ein Zweifler gewesen, später wurde er ein Gottesleugner, Mitglied eines Atheistenvereins. Er nahm jede Ge- legenheit wahr, um den christlichen Glauben an- zugreifen und zu verspotten. Georg war im Kriege zweimal verwundet worden, nachher jedoch geheilt. Schneider von Beruf, daneben aber schlimmer Trinker, brachte er das Unheil in sein Haus. Als er ernst- lich erkrankte, schaffte man ihn in ein großes Krankenhaus. Einer seiner gläubigen Freunde suchte ihn dort auf. Obwohl er diesen mit den Worten be- grüßte: „Ich habe als Atheist gelebt, ich will als Atheist sterben," so verriet doch seine zitternde Stimme, daß er in Angst war. Auf die Frage: „Gibt Ihnen Ihr Unglaube irgendwelchen Trost?" antwortete er wörtlich: „Nein, ich sterbe wie ein Hund. Ich habe keinen Trost für die Gegenwart, keine Hoffnung für die Zukunft!" Nach diesen Worten schwieg er eine Weile, dann sagte er: „Ich weiß jetzt, daß es einen Gott gibt und daß ich bald vor Ihm erscheinen muß. Kann Gott einem so schrecklichen Sünder, wie ich bin, noch vergeben?" Er hörte nun das Zeugnis von der vollkommenen Gnade, die in Jesu zu finden ist, und legte darauf folgendes Bekenntnis ab: „Ich bin ein Flucher, ein Trinker, ein Gottesleugner ge- wesen. Ich habe den Namen Gottes gelästert und verachtet. Ich habe anderen den Glauben zu rauben und sie auf Irrwege zu führen gesucht. O, daß ich die Vergangenheit auslöschen und ein neues Leben beginnen könnte! Aber für mich gibt es keine Hoff- nung mehr; ich bin zu schlecht, zu schlecht!"
Es dauerte lange, bis dieser zerbrochene Gottesleugner die vollkommene Gnade zu fassen vermochie, die in Christo ist für jeden Glaubenden. Aber end- lich faßte er dies herrliche Wunder des Kreuzes von Golgatha und brach in Worte des Dankes und der Anbetung aus. Er lebte wider das Erwarten der Ärzte noch mehrere Wochen. Stets leuchteten Friede und Freude aus seinem Antlitz. Jener Freund, welcher diesem sterbenden Atheisten ein Wegweiser zu Jesu sein durfte, erzählt das Ende dieses Mannes wie folgt: „Ich besuchte den teuren Kranken noch mehrfach. Manchmal rief er aus: »Wie wunderbar, daß Gott mich geliebt, daß Jesus mich nicht hinausgestoßen hat, sondern errettet, und daß ich nun bald für ewig bei Ihm sein werde !*


