Eine belagerte Stadt.
„Nach diesem begab sich's. daß Ben-Hadad, der König zu Syrien, alles sein Heer versammelte, und zog herauf und belagerte Samaria. Und es war eine große Teurung zu Samaria, Sie aber belagerten die Stadt, bis daß ein Eselskopf achtzig Silberlinge, und ein Vierteil Kab Taubenmist fünf Silberlinge galt. Und da der König Israels zur Mauer ging, schrie ihn ein Weib an und sprach: Hilf mir, mein Herr König! Er sprach: Hilft dir der HErr nicht, woher soll ich dir helfen? Von der Tenne oder von der Kelter? Und der König sprach zu ihr: Was ist dir? Sie sprach: Dies Weib sprach zu mir: Gib deinen Sohn her, daß wir heute essen, morgen wollen wir meinen Sohn essen. So haben wir meinen Sohn gekocht und gegessen. Und ich sprach zu ihr am anderen Tage: Gib deinen Sohn her, und laß uns essen; aber sie hat ihren Sohn versteckt," (2 Kön. 6,24—29,)
Fürchterliche Szenen hatte der Hunger in Sa- maria hervorgerusen. Mancher Gottlose mag gesagt haben: „Wenn ein gerechter Gott im Himmel wäre, dann würde Er so schreckliche Dinge nicht zulassen I" Manchem Beter mag es vorgekommen sein, als ob der Himmel ehern wäre und als ob Gott keine Gebete mehr erhörte. Doch alle Kriege sind Zuchtruten Gottes, und zu Seiner Zeit hilft Gott aus allen Nöten viel schneller, als die Menschen es auch nur denken können.
Der Not in Samaria war plötzlich, ohne menschliches Zutun ein Ende gemacht. Aber niemand wußte es, bis die wunderbare Kunde von vier aussätzigen Männern verkündigt wurde. Diese gaben dem Tag den Namen: Ein Tag guter Botschaft. (Kap. 7, 9.)
Die Botschafter waren nicht schön, es waren unreine, aussätzige Männer; die Furcht vor dem Hungertode hatte sie ins Lager der Feinde getrieben. Sie hatten nichts mehr zu verlieren, doch konnten sie bei ihrem Wagnis möglicherweise gewinnen. Sie gaben sich selbst auf, aber Gott nahm sich ihrer an. Sie genossen zuerst selbst köstliche Speisen, sie fanden Kleider, Gold und Silber. Dann wurden sie sich bewußt, daß sie eine Aufgabe hatten.
Wer die Kraft des Blutes Jesu nicht selbst an seinem Herzen erfahren hat, ist nie ein geeigneter Bote und hat kein Recht, anderen das Evangelium zu verkündigen.
Aber es wäre ein Verbrechen gewesen, der vor Hunger sterbenden Stadt diese Botschaft nicht zu bringen. Wenn auch diese Boten nicht schön und glänzend waren, so war doch ihre Botschaft über- aus herrlich und köstlich. Sie lautete: „Der Feind ist besiegt, das Lager ist leer, die Not ist gestillt; Brot, Kleider sind in reicher Fülle vorhanden!"
O, wenn wir auch jetzt einmal sagen könnten: Die Feinde sind besiegt, unsere Soldaten dürfen als Sieger heimkehren I Wie würde jung und alt zu den Bahnhöfen strömen und die Tapferen gern auf den Händen heiktttragen!
Doch weit herrlicher ist der Freudenruf im Evangelium: „Die Sünde ist gesühnt und aus dem Mittel getan," „Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben."
„Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der We? Sünden trägt."
„Wer Jesum am Kreuze im Glauben erblickt.
Wird heil zu derselbigen Stund'.
Drum blick nur aus Ihn, den der Vater geschickt.
Der einst auch für dich ward verwund'!!
O hat nicht dein Jesus getragen die Schuld,
Gebüßet am Kreuz auch für dich?
O floß nicht Sein Blut voll erbarmender Huld
Zur Erlösung für dich und für mich?
O zweifle nicht länger, o glaub es gewiß,
Du hast nun sonst nichts mehr zu tun!
Dein Jesus, Er trat auch für dich in den Niß,
In Ihm kannst du seliglich ruh'n!
So nimm denn mit Freuden, was Jesus dir beut!
Er gibt dir das ewige Heil.
O glaub es gewiß, o ergreif es noch heut',
So bleibt es dein ewiges Teil!"
Die herrliche Botschaft der Aussätzigen galt allen. Sie war gleich köstlich für den König und für den Bettler, denn alle waren in der Gefahr des Verhungerns.
Es galt jetzt „hingehen und nehmen".
Diejenigen, die diese Bedingungen erfüllten, fanden viel mehr, als ihnen gesagt worden war. Ebenso findet jeder ehrlich nach Wahrheit suchende Mensch, welcher das Evangelium von Jesu hört und aufnimmt, die Wahrheit von Jesu Erlösung viel herrlicher bestätigt, als er geahnt hat.
„Kommt her zu Mir (zu Jesu) alle, die ihr müh- selig und beladen seid, Ich will euch erquicken," O, D,
Der Simulant.
In dem Briefe eines jungen Mannes heißt es: „Am 21, Oktober 1902 wurde ich zur 2, Batterie des Feldartillerieregiments Nr. X. einberufen. Ich hatte keine körperlichen Gebrechen und fühlte mich so gesund wie nur einer. Da ich indessen von meinem Futtermeister nicht gut behandelt wurde, meldete ich mich krank. Ich hatte sieben Jahre zu- vor eine kleine Milzschwellung gehabt, aber davon wußte ich längst nichts mehr. Jetzt klagte ich über Milzschwellung, obwohl ich völlig dienstfähig war. Auf meine Angaben hin wurde ich nach sechs Wochen entlassen auf Grund ärztlicher Untersuchung. Heute bekleide ich eine schöne und angenehme Stellung in


