tei.net Seele einen Anknüpfungspunkt findet, einen Widerhall für das Wort Seiner Wahrheit und Gnade, so wirst du Seine Stimme hören. Dann wirst du Ihm dein Herz öffnen, du wirst Gnade und ewiges Leben empfangen, aus den Ketten der Lüge und Sünde befreit werden.
Nun laß dich fragen: „Bist du aus der Wahrheit?" Nicht das ist die Frage, wieviel Sünde auf deinem Leben und Gewissen liegt. Du kannst sehr böse Dinge hinter dir haben, bist vielleicht von Jugend auf in Lüge, Unredlichkeit und unreinen Dingen gewandelt, hast vielleicht betrogen oder unterschlagen; aber wenn du aus der Wahrheit bist, wenn Gott bei dir einen Willens- entichluß sieht, aufrichtig zu sein — dies kann jeder, auch der verstrickteste und verhärtetste Sünder —, so wird Gott dir zu Hilfe kommen, daß du deines Herzens Tür dem anklopfenden Heiland auftust. Bei Pontius Pilatus war kein Zugang für die Wahrheit, wiewohl der Sohn Gottes persönlich vor ihm stand. Er durfte in das Auge Dessen schauen, welcher Licht, Liebe, Wahrheit und Leben ist. Weil aber fein 'vt* mit Unwahrhaftigkeit gepanzert war, fand die Wahrheit keinen Zugang. Hier ist das Geheimnis enthüllt, weshalb so viele Menschen ihr Herz dem Evangelium verschließen. Sie find nicht aus der Wahrheit. Das Licht Gottes trifft ihr Herz, aber statt sich zu öffnen, verschließt es sich. Sie fühlen wohl, daß das Wort Gottes sie von ihrer Sünde überführen will, aber sie wollen sich nicht überführen lassen
Vor einiger Zeit kam ein Mensch, der hart und launisch gegen seine alte, kranke Mutter war, unter das Wort Gottes, hörte von Gnade und Friede und sagte: Auch ich will ein Kind Gottes werden und Frieden finden! Man begann mit ihm von „Sünde" zu sprechen. „Darf ich Sie fragen, ob in Ihrem Leben besondere Dinge sind, welche Sie drücken, von welchen Ihr Gewissen Ihnen deutlich redet?" „Nein! Nichts Derartiges bin ich mir bewußt!" Es war eine große Lüge, denn das traurige Herzensverhältnis zur Mutter war der täglich drückende Punkt im Familienleben. Dieser Mensch war nicht aus der Wahrheit; seinem Auge war es verborgen, wer der HErr ist, von dem er Gnade und Frieden meinte empfangen zu können ohne Buße und Erkenntnis seiner Sünden.
Aber du selbst: Bist du aus der Wahrheit? Wenn du es bist, wird die Gnade in dein Herz leuchten, daß du es Jesu auftust. Du wirst, weil der Heilige Geist dich von Sünde überführt, das tiefe Verlangen haben, mit deiner Sünde in das Licht Gottes zu kommen. Der Unaufrichtige wünscht mit seiner Sünde im Dunkeln zu bleiben; wer aber aus der Wahrheit ist, kommt aus der Finsternis seiner Sündenknechtschaft in das Licht Gottes.
Oftmals ist solcher Mensch tief erschüttert, wenn er sein Leben im Lichte der Wahrheit sieht; aber
er kann nicht anders, er will und muß in das Licht kommen, er hat die Stimme Jesu gehört. Dies meinte der HErr, als Er sagte: „Wahrlich, wahrlich. Ich sage euch, daß die Stunde kommt und ist jetzt, da die Toten (das heißt die geistlich Toten) die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie ge- hört haben, werden leben." (Joh. 5, 25.)
Ja, das ist der Anfang des wahrhaftigen Le- bens, wenn der Sünder in das Licht Gottes kommt und sich demütigt mit der Schuld seines Lebens.
v. V.
„Wir find alle Sünder."
So hört man sehr oft diejenigen sagen, die auf die Notwendigkeit der Vergebung der Sünden auf. merksam gemacht werden. „Wir sind alle Sünder." Hiermit sucht man sich zu entschuldigen, wie wenn Gott darum alle freisprechen würde, weil alle von Natur Sünder sind. Aber sollte Gott in Seinem Reiche dulden, was in keinem wohlgeordneten irdischen Reiche geduldet wird? Den Fall gesetzt, es würden in der Ortschaft eines Landes alle Bewohner sich als Diebe oder Betrüger Herausstellen, würden sie deshalb vor der Obrigkeit frei ausgehen, weil sie alle, einer wie der andere, schuldig sind?
Wird sich einer mit dem anderen entschuldigen können? Nein, man wird alle Schuldigen, alle Einwohner dieser Ortschaft strafen. Und Gott sollte alle Menschen freisprechen, weil alle schuldig sind? Nein, die Aussprüche der Heiligen Schrift bleiben stehen. Sie sagt zum Beispiel: „Welche Seele sündigt, die soll sterben." (Hes. 18.) „Schon ist aber auch die Axt au die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen." (Luk. 3, 9.) Und Jesus Christus selbst, durch den in vollkommenem Maße Gnade und Wahrheit geworden ist, betrachtet alle Menschen als Verlorene, die auch wirklich verloren- gehen, wenn sie nicht umkehren.
Da gilt also keine Entschuldigung. Keiner kann sich hinter den anderen verstecken. Da gilt die Rede nicht: „Ja, der und der ist auch ein Sünder; der und der ist ein noch größerer Sünder; wir alle sind ja Sünder, sollen wir denn alle bestraft werden?"
Es muß jeder für sich selbst Rechenschaft ablegen. Es ist nicht so, daß nur etwa die sogenannten Haupt- schuldigen bestraft werden und die minder Schuldigen frei ausgehen.
Alle die Menschen, die mit der Redensart sich entschuldigen: „Wir sind ja alle Sünder", denken im Grunde gar nicht an einen Gott, vor dem sie Rechenschaft abzulegen hätten, sondern nur an ihres- gleichen. Sie urteilen so: „Was, ich sollte mich meiner kleinen Sünden wegen schämen? Andere tun


