Kine Wirkung des Wortes Gottes.
Bor einiger Zeit kam ein junger Mann zu mir. Im Laufe der Unterhaltung fragte ich ihn über feine Stellung zu Gott; da gestand er mir, daß er noch kein wahrer Christ fei. „Aber ich bin auch kein so grober Sünder," fügte er hinzu, wie um mich zu beruhigen, „ich bin immerhin ein braver, ordentlicher Mensch." „Jawohl, mein Freund," sagte ich, „das glaube ich schon, doch das genügt nicht zur Seligkeit. Denn das, was wir vor Menschen sind, sind wir noch nicht vor Gott. Ich habe hier ein Buch in der Hand, welches Sie alsbald von Ihrer Schuld und Ihrem verlorenen Zustand vor Gott zu überführen vermag." Damit schlug ich Matth. 22 auf und bat den jungen Mann, die Verse 37 u. 38 laut zu lesen. Er las: „Du sollst den HErrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstände. Dieses ist das große und erste Gebot." „Also was für ein Gebot ist dies?" fragte ich. „Das große und erste Gebot," antwortete mein junger Freund. „Worin also besteht nach Gottes Wort die größte und erste Sünde des Menschen?" fragte ich von neuem. „Darin, daß er nicht Gott, seinen HErrn, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstande geliebt hat." „Haben Sie nun dieses Gebot gehalten?" fragte ich. Der junge Mann schwieg: er vermochte nicht zu antworten. Er lvar überführt. Ein Pfeil aus dem Köcher Gottes hatte ihn ins Innerste seines Herzens ge- troffen und ihn durchbohrt. Gott hatte ihn in einem Augenblick durch dieses eine Wort davon überführt, daß er ein großer Sünder war, indem er nicht das große und erste Gebot erfüllt hatte. Er beugte nicht lange nachher auf meine Bitte die Knie mit mir, und wir riefen im Namen Jesu, des Erlösers, zu Gott um Gnade und Erbarmen. Und Gott schenkte dem jungen Manne Vergebung und neues Leben. Wie wahr ist's doch, was Gott sagt: „Ist Mein Wort nicht also — wie Feuer, spricht Jehovah, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?" (Jer. 23, 29.) — Ja, wahrlich, das Wort Gottes wirkt durch die Kraft des Heiligen Geistes ein wahres Selbstgericht in der Seele.
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Hine Krage.
Hast du schon an deinem Herzen erfahren, daß „das Wort Gottes lebendig ist, wirksam, schärfer als jedes zweischneidige Schwert, durchdringend... und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens?" Und hast du ferner durch das Wort Gottes bereits Leben und Frieden gefunden? Der Glaube ist aus kein Hören, d. i. aus dem Worte Goites,
das die Seele vernimmt; sie wird durch dasselbe in Gottes lichte Gegenwart geführt zur Überführung dessen, was sie ist vor Ihm, und zugleich wird ihr eine neue Natur mitgeteilt; sie empfängt göttliches Leben. So leihe dem Worte Gottes dein Ohr, und nimm es auf in dein Herz; bewege es, bewahre es! „Glückselig sind, die Gottes Wort hören und bewahren!" Es wird sich an dir erweisen als Gottes Wort und Gottes Kraft zu deinem Heil. Im Gleichnis vom Säemann redet der Sohn Gottes von einem vierfachen Ackerlande und sagt zum Schluß: „Das aber in der guten Erde sind diese, die in einem redlichen und guten Herzen das Wort, nachdem sie es gehört haben, bewahren und Frucht bringen mit Aus- harren." (G. B. d. F.)
Hin Wort üöer die Wiöel.
Die Heilige Schrift redet mit göttlicher Autorität zu uns, also nicht wie andere Bücher; ihre Schreibweise ist dazu voller Wunder, und wer diesen kostbaren Wein erst geschmeckt hat, dem werden alle anderen Bücher verhältnismäßig schal. Im Vergleich zu Menschenworten sind die Worte der Bibel unerschöpflich, aber leichter zu behalten, weil sie in unser Innerstes eindringen. Sie sind ungleich feier- licher und ehrfurchtgebietender, aber auch herzgewinnender als alle anderen Worte, unendlich umfassender und doch persönlich eingehender; sie sind hoch über uns und berühren doch unser Innerstes.
Wir sollten uns der Schrift als einem Heilig- tum nahen, mit Ehrerbietung und Andacht, mit gesammeltem Geist und lernbegierigem Herzen. Nie sollten wir die Schrift ohne ein Gefühl tiefer Ehrfurcht und Dankbarkeit öffnen! Das Lesen der Heiligen Schrift ist gerade so notwendig zur Erhaltung und Stärkung des inneren Lebens wie Nahrung und frische Luft für das leibliche Leben. Wir atmen nicht genug die Bibelluft, und dies ist mit ein Grund, warum unser geistliches Leben so schwach ist und so matt. Dr. Ad. Saphir.
„Wie finde ich Irieden?"
„Ach," denkt manche heilsverlangende Seele, „wenn ich doch einmal so recht über meine vielen Sünden weinen könnte, dann wäre mir geholfen; dann würde ich gewiß bald Frieden finden." Aber, mein Leser, das ist ein völlig törichter Gedanke. Mit Reck! sagt ein christliches Lied:
„Dein Weinen und deine Gebete sind's nicht,
Wodurch du mit Gott wirst versöhnt:
Das Blut deines Heilands befreit vom Gericht:
Gr ist's. der mit Gnaden dich krönt."
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