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Erscheint wöchentlich einmal.
Einzelne Exemplare bestelle man bei der Pap vierteljährlich.
Uerlag der Bucbbandluna der PilgermUslon Kletzen.
Nr. IO.
Sonntag, den 5. März 1916.
Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter:
Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilger mission. Druck v. I. G. Oncken Nachf., G. m. b. H., Cassel.
9. Jahrg.
Die Witwe und ihr Sohn.
An einem frühen Morgen verließ eine Witwe hoch oben im Hochland ihr Häuschen, um noch vor dem Abend einen in einem entfernten Orte wohnenden verwandten zu erreichen, der ihr einen Zuschuß zur Miete versprochen hatte. Auf dem Rücken trug sie ihr zwei- jähriges Knäb- lein. Es war ein weiter, beschwer- licher Weg, der bald an wilden Gebirgsbächen vorbei,balddurch tiefe Schluchten führte. Als sie den See erreicht batte, war noch alles ruhig, aber die Vögel flat terten ängstlich darüber hin, und auf den Berg- spitzen hatten sich schwarze Wolken gelagert.Dic einsame Frau ging
weiter, bis plötz. lich der Wind sich aufmachte, Blitze zuckten; ein furchtbarer Frühlingssturin brach mit aller Gewalt los, und der Schnee begann in immer dichteren Flocken zu fallen. Müde, erschöpft und durchfroren erreichte sie einen Gebirgspaß, der Wind blies ihr entgegen, es war unmöglich, vor- wärtszukommen, aber wieder zu- rückkehren schien mindestens eben- so ausgeschlos- sen. Das dünne Kleidchen des Knaben war bereits durchnäßt, und der kleine Körper bebte vor Kälte. Da kam der armen Mutter ein letzter, verzweifelterGe- danke: sie zog fast alle ihreKlei- dungsstücke aus, wickelte sie um ihr Kind und legte es in eine


