Ausgabe 
20.2.1916
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r Qemeinscbaftsblatt für Ressen.

Erscheint wöchentlich einmal.

Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich.

Verlag der Buchhandlung der Pilgermission Liehen.

Redakteur: Stadtmissionar.^errmann-Giehen. Mitarbeiter:

Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgermission. Truck v. I. G. Oncken Rachf., G. m. b. H., Cassel.

Nr. 8.

Sonntag, den 20. Februar 1916.

9. Jahrg.

An der Onesse.

So leicht haben es unsere feldgrauen Streiter nicht oft in Feindesland wie der durstende Soldat auf unserem Bilde, der seinen Becher am klaren Waldquell füllt. Nur zu oft ist ihnen streng verboten, ungekochtes Wasser zu trinken, weil, sie darin leicht Krank­heitskeime in sich auf­nehmen, und welchen Durst mögen sie manchmal auf langen Märschen ausstehen, ehe es Zeit zum Ab­kochen gibt! Wie mancher hat da wohl die Wohltat eines Bechers klaren Was­sers wieder schätzen gelernt, dem es in der Heimat zu gering schien, um damit sei­nen Durst zu stillen!

Aber noch eine andere Quelle ist draußen im Schützengraben und hier in der Heimat durch den Krieg wie- der zu Ehren gekom­men, der Brunnen des lebendigen Was­sers, von dem unser HErr sagt:Wer das Wasser trinken wird, das Ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das Ich ihm geben werde, wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. (Joh. 4, 14.) Wie

mancher deutsche Soldat hat das schon erfahren dürfen! Mit Goethes »Faust« in der Tasche bin ich ans­gezogen, mit dem Neuen Testament bin ich heim­gekehrt/' so bezeugt ein Verwundeter. Wenn das Neue Testament im An- fang des Krieges viel­leicht von manchen nur heimlich aus der Tasche gezogen wur- de, so ist es jetzt in Millionen verbreitet und längst das Lieb­lingsbuch vieler Krie­ger geworden. Sie haben bald gemerkt, daß andere Bücher wohl über eine müßi- ge Stunde hinweg- helfen können, daß aber Gottes Wort allein das Herz sicher und getrost macht in allen Gefahren, weil es auf den Einen hinweist, der durch Seinen Tod unsere Schuld gesühnt und uns ewiges Leben er­worben hat. Wer sich Ihm zu eigen gibt, der weiß, daß nichts ihn aus seines Hei­lands Hand reißen kann, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Er braucht den Tod nicht mehr zu fürchten, weil der Weg durchs dunkle Todestal ihn ja zur Herrlichkeit droben führt.

Auch in der Heimat ist durch die Not der

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