unD Gott wird selbst alle Tränen abwijchen mit Seiner Hand der ewigen Liebe."
„Da ist kein Mast so hoch gestellt,
Da ist kein Schiff so. fest genietet,
Daß es vor Abend nicht zerschellt,
Wenn Gott der HErr dem Sturm gebietet.
Und wieder, wenn der HErr es will,
Wird plötzlich Wind und Woge still;
Der HErr ist größer in der Höhe!"
W. W.
K
Äuf der Militär-Schwimmanstalt zu Köln.
Sie hatten alle drei zusammen nur noch fünfzehn Pfennige, nämlich die drei Pioniere von der 2. Kompagnie des 7. Pionierbataillons in Köln, welche am 9. April 1854 von der Kaserne abmarschierten, um die Wache auf der Schwimmanstalt am rechten Rheinufer oberhalb Deutz zu beziehen. Unterwegs wurden sie darüber einig, für diese fünfzehn Pfennige Kartoffeln zu kaufen, und sahen im Vor- beimarschieren oberhalb der Schiffbrücke einen Schiffer liegen, welcher Kartoffeln geladen hatte. Als abends gegen 8 Uhr an der Schwimmanstalt ein Mann in einem Nachen vorbeifuhr, riefen ihn die Pioniere an; er nahm einen von ihnen mit und brachte ihn stromabwärts zu dem Kartoffelkahn.
Fünfzehn Pfennige ist nicht viel, aber der arme Soldat/ der für drei leere Magen einkaufen wollte, fand ein mitleidiges Herz und machte einen guten Kauf. Der Mann mit seinem Nachen war unterdessen weitergefahren, und der Verabredung gemäß kam nun der zweite Mann der Wache mit einem Ponton nach, um den Einkäufer und die Kartoffeln zur Schwimmanstalt zurückzuholen. Indem er aber das Ponton von dem Kahne zur Rückfahrt abdrückte, bekam er das Übergewicht und stürzte zwischen Ponton und Kartoffelkahn in den Rhein. Er war als guter Schwimmer bekannt, so dachte sein Kamerad im ersten Augenblick: er kommt gleich wieder heraus. Aber gleich darauf rief er den Schiffer um Hilfe an und sprang selbst ohne Besinnen dem untergegangenen Kameraden nach. Der Schiffer hatte sofort die Gefahr erkannt, denn in solcher Lage drückt die Gewalt des Stromes selbst einen guten Schwimmer unter den Kahn, ehe er zur Oberfläche auftauchen kann. So war es auch hier. Der Schiffer sprang mit einem Bootshaken in das Ponton, fuhr unter dem Kahne mit dem Haken hin und her und brachte den Verunglückten nach kurzer Zeit hervor. Nun hob er mit Hilfe des nachgesprungenen Kameraden den leblosen Körper in das Ponton. Alsdann wurde die traurige Rückfahrt zur Schwimm- anstalt angetreten.
Dorthin kam auch, durch einige am Ufer stehende Leute aufmerksam gemacht, ein Arzt, welcher alle Versuche anstellte, um den Ertrunkenen ins Leben
zurückzurusen — allein vergebens, er war tot! Seine Dienstzeit auf Erden war abgelaufen, er war aus der Zeit in die Ewigkeit gegangen; der Körper, der da in nassen Kleidern so still auf den Brettern der Schlvimmanstalt lag, war nur das ausgezogene, abgelegte Kleid eines Menschen, der selbst hinüber- gegangen war in ein anderes Land.
Dicht in der Nähe dieser leblosen Hülle stand unser Freund, der so mutig dem Verunglückten nachgesprungen war, von 10—12 Uhr nachts auf Posten. Auch seine Kleider waren noch naß. Aber das bewegte nicht sein Herz, sondern alle seine Gedanken waren von einer überwältig nden Wahrheit bewegt und erfüllt; sein Herz und Gewissen bezeugte ihm: Wenn du heute in den Fluten den Tod gefunden hätte st, dann wäre die einige Verdammnis dein Teil. Diese Wahrheit war plötzlich ihm zum vollen Bewußtsein gekommen, er sah sein Leben im Licht der Ewigkeit und erkannte sich als einen verlorenen Sünder.
Um 12 Uhr wurde er von Wache abgelöst, da die Meldung des Unglücksfalles inzwischen nach der Kaserne gelangt war. Seine Vorgesetzten sahen über das schwere Vergehen hinweg, daß er die Wache verlassen hatte; sein Mut und seine Treue, mit derer dem Verunglückten nachgesprungen war, wurde anerkannt. Am nächsten Mittag beim Appell wurde unser Pionier vor versammelter Mannschaft dafür belobt, daß er mit eigener Lebensgefahr versucht hatte, seinen Kameraden zu retten. Er erhielt noch eine Geldprämie von 2 Talern 15 Silbergroschen als Geschenk.
Aber alles dies brachte sein Herz nicht zur Ruhe. Tag und Nacht begleitete ihn der Gedanke: Du gehst verloren, du kannst vor Gott nicht bestehen!
Es war nicht eine Einbildung in dem Herzen dieses mutigen Soldaten, nicht eine Grille, welche seine Züge und sein Wesen mit solchem Ernste erfüllte, sondern der Heilige Geist Gottes arbeitete an seinem Herzen, und die Gnade bewahrte ihn, daß er die Stimme Gottes nicht mit leichtsinnigin Geschwätzen und Lust der Welt übertäubte. Es war die göttliche Traurigkeit, welche eine Buße zum Heil bewirkt. (Vergl 2 Kor. 7, 10.)
Nach sechs Monaten stand derselbe Pionier auf demselben Posten Es schlug zehn von den Kirchtürmen, der Ablöser kam, aber unser Freund bat, er wolle lieber die zwei Stunden noch auf Posten bleiben. Als er dann wieder allein war, warf er sich auf die Knie, schrie gm Gnade und Erbarmen zu Gott. Da erfaßte sein Herz die beiden Gottesworte: „Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden" lJes. 1, 18), und das andere: „Wer zu Mir kommt, den werde Ich nicht hinausstoßen' (Joh. 6, 37). Da rangen sich von den Lippen dieses betenden Soldaten die Worte los: „O Gott, Du vermagst alles, aber eines vermagst Du nicht. Du kannst nicht lügen! Wenn Du nun gesagt hast.


