Aürchte dich nicht, denn Ich Sin mit dir!
(3ef. 41, 10.)
„Ich bin mit dir!" Mit diesem Wort werden immer die Männer Gottes in der Heiligen Schrift ermutigt, wenn sie in schwerer Zeit vor schwierigen Aufgaben stehen. In der Tat hängt ja davon alles ab, ob Gott mit einem Menschen ist oder nicht. Wo ist man besser geborgen als unter Seinen „ewigen Armen", und wo hat man mehr Gewähr, daß doch zuletzt alles gut enden muß, als wenn Er unser Leben und alle unsere Anliegen in Seiner allmäch- tigen Hand hat! O, es ist etwas unsagbar Großes und Seliges, zu wissen, Gott ist mit mir!
Ja, mein Freund, wenn du in dieser seligen Gewißheit siehst, dann wohl dir! Dann kannst du mit getrostem Sinn auch durch die Schrecken des Weltkrieges gehen Dann halte dich nur fest an das Wort: „Fürchte dich nicht, denn Ich bin mit dir!" Gewiß, der liebreiche Gott wird's mit dir wohl machen — so oder so.
Aber ivie, wenn du solche Gewißheit noch nicht hast, wenn du Gott bisher ferne oder doch nicht recht nahegestandcn bist? Was dann! O auch dann ist noch Rat. Dann wende dich nur jetzt, gleich jetzt zu Ihm in herzlichem Gebet. Um Jesu, «Leines geliebten Sohnes- willen, der auch für dich am Kreuze hing, vergibt Er dir gern alle Schuld deines Lebens und nimmt Er dich an. Willst du nicht, wenn du diesen Bund noch nicht oder nicht klar und fest genug gemacht hast, ihn heute machen, daß du fernerhin auch geborgen bist in der Gnaden- und Allmachtshand Gottes? Dann darfst auch du nichts fürchten, was auch kommen mag Dann gelten auch dir die herrlichen Verheißungsworte oben. Dann wird es zur Wahrheit, was auf dem Säbelkoppel des deutschen Soldaten steht: „Gott mit uns!" und hu kannst in Wahrheit rufen: „Mit Gott für König und Vaterland!"
Ich meine, es wäre der Mühe wert, so in ein klares Verhältnis zu kommen zu dem ewigen Gott, der doch alle Dinge in Seiner allmächtigen Hand hat. G. Sch.
Vernichtet euer Werk, wenn ihr könnt!
Ein früherer Schauspieler erzählt folgendes: Dreizehn Jahre alt, suchte ich eineu Theaterdirektor ans, welcher mir versicherte, ich würde mein Glück machen, wenn ich mich nur für jetzt mit einem kleinen Gehalt begnügen wolle. Ich trat daun in allen möglichen Gestalten als Schauspieler auf, und nie gab sich ein Sklave mehr Mühe als ich, um seinem Herrn zu gefallen Nach sieben Jahren harter Arbeit fing ng an, mehr Geld zu verdienen; sieben Jahre später stand ich im Begriff, ein großer Mann zu werden Alles glückte mir, und endlich wurde
ich auf mehrere Jahre für ein großes Theater an- geworben.
Um die Zeit bemerkte ich im Theater einen Jüngling von etwa fünfzehn Jahren, der mit äußerster Aufmerksamkeit, die mir schmeichelhaft war, zu- hörte. Jeden Abend sah ich ihn aus demselben Platze, immer gespannt und leidenschaftlich. Er war von zartem Aussehen, hatte große, blaue Augen und weiches Haar wie ein Kind. Nach zwei Jahren kam er weniger oft, manchmal mit einer Dame, öfter jedoch allein. Sein verändertes Aussehen fiel mir auf, die Wangen hatten hochrote Flecken; die Augen waren glänzend. Nach einem Jahre sah ich ihn nicht mehr und vergaß ihn.
Aber Gott vergaß mich nicht. Eines Tages war mir in einem neuen Stücke die Aufgabe zu- geteilt, einen Pfarrer lächerlich darzustellen, und da ein solcher in meiner Nähe wohnte, so. beschloß ich, denselben unter irgend einem Vorwände aufzusuchen, um ihn gründlich zu studieren.
Eines Tages ging ich hin und erfuhr, daß er nicht zu Hause sei, aber bald zurücktommen werde. Um auf ihn zu warten, führte mau mich in ein Zimmer, in das einen Augenblick darauf ein krankes, junges Mädchen auf einem Rollstuhl gefahren wurde. Ich wollte mich zurttckziehen; sie bat mich, zu bleiben, hinzufügend, daß ihr Vater nicht lange ausbleiben werde. Nie werde ich das Gesicht dieses Mädchens vergessen können. Noch nicht siebzehn Jahre alt, trug sie das Gepräge des Todes auf ihrer Stirn. Ick habe nie etwas Schöneres gesehen; uno als sie anfing, mit der Reinheit eines Kindes, einfach und warm zu reden, wie viel Gutes ihr Vater tue, wie viel Schwierigkeiten er zu bekämpfen habe, fühlte ich mich wie festgebannt. Ich kam, um diesen ehrwürdigen Mann lächerlich zu machen! Ganz ver- wirrt und nach einem Vorwand, fortzugehen, suchend, sagte ich endlich : „Sind Sie nicht krank gewesen?" Ihr Antlitz leuchtete auf. „O!" rief sie aus, „ich bin sehr krank gewesen und werte nie wieder gesund: ich sehne mich nach der himmlischen Heimat." Ihr tiefer Blick, ihre bebenden Lippen, das war kein Schauspiel. Ich suhlte, wie ein Schwert durch meine Seele ging; ich blieb sitzen, uubewcglick, der Sünde überführt vom Geiste Gottes. Und als der gute alte Pfarrer eintrat, sagte ich ihm, was mich hierher geführt und was mich hier fcstgchaltcn habe. Wunderbar erscheint es mir, wenn ich daran denke: Als ein eitler, verführter Mensch ivar ich in das alte Pfarrhaus eingetreten; demütig, mit heißer Sehnsucht nach dem Frieden, der aus dem Angesicht des sterbenden Mädchens leuchtete, trat ich hinaus.
Nach einigen Jahren war ich nicht mehr Schauspieler. Mit Freuden hatte ich den gewinnbringenden Beruf mit einem ärmlichen, dem eines, Stadtmissionars, vertauscht. Ich predigte nur Christum und Sein Kreuz. Was ich gesunden hatte, galt mir mehr als alle Schätze der Well.


