Ausgabe 
30.1.1916
Seite
4
 
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H,nes Tages wurde ich zu einem jchwerkranken jungen Mann, der mich zu sehen wünschte, gerufen. Eilig lief ich zu dem bezeichneten Hause, es war ein reiches, im schönsten Teile der Stadt. Ich wurde in (in Zimmer geführt, wo aus einem prächtigen Bett ein Kranker lag, der seiner letzten Stunde mähe schien Seine Stirn war weiß n>ie Marmor, sei» üppiges Haar fiel über die Kissen. Seine noch jugendlichen Züge waren abgemagert, von Leiden entstellt. Schweigend setzte ich mich an sein Beit, da ich ihn bewußilos ivähnte, als er plötzlich die Augen aufschlug und sie mit einem Ausdruck des Vorwurfs und des Zorns auf mich heftete.Sie sind 'gekommen," sagte er zu mir, langsam und mit Unterbrechungen,um dem Schifsbruch beizuwohnen davon Sie der Urheber sind." Ich war erstarrt; aber dann tauchte eine ferne Erinnerung in mir auf. LS war der Jüngling, der vor Jahren mit solchem Interesse mir im Theater zugehört hatte.Ja! Siel Sie sind jetzt ein Diener des EvangeliumsI Vernichten Sie Ihr Werk, ehe Sie den Sündern predigen, geben Sie mir erst wieder, was ich ver­loren habe, meine Seele!"

Mein armer, junger Freund," sagte ^ch ihm ganz verwirrt. Er unterbrach mich:Ihr Freund? Ich bin nicht Ihr Freund, ,eh sage, Sie sind d,e Ursache meines Todes. Von Ihnen bezaubert, folgte ich Ihnen und glücklich fühlte ich mich nur im The- ater. Was Gutes iu mir war, hat es zerstört und meine Seele getötet. Nun?" fuhr er mit einem Hohnlächeln, das mich schaudern machte, fort nun vernichten Sie Ihr Werk!"O, sprechen Sie nicht so." rief ich angstvoll aus,ich versichere Sie, daß ich mein vergangenes Leben bereut habe. Ich fühle tief das Böse, das ich getan. Vergeben Sie mir, ich bitte Sic auf meinen Knien, wie ich Gott bitten werde, Ihnen zu vergeben, wenn Sie mich nur anhö-en wollen. Ich beschwöre Sie, gehen Sie zu Jesu Christo, wie auch ich es getan habe." Er sah mich einen Augenblick starr an. Seine

Lippen zitterten und mit einem tiefen Seufzer kreuzte er seine mageren Hände über seinem Ange- sicht und brach in heftiges Weinen aus. Wir wein­ten zusammen!

O," sagte er schluchzend,ich habe alles ver- loren, was dem Menschen Achtung erwirbt. Ich hätte lange Jahre leben können, ich nähere mich dem Grabe, nachdem ich meiner Mutter das Herz ge- brachen und den Namen entehrt habe, den ich führe! Und während meiner Krankheit babe ich mich de- unwidersteblichen Zaubers, den Sie auf mich aus- übten, erinnert und habe Sie gehaßt, ja, Ihnen geflucht!"

O, ich verdiene es," erwiderte ich,aber ich kann den Gedanken nicht ertragen, daß Sie mir sterbend fluche». Ich will Ihnen das Lamm Gottes zeigen. Ich will Ihnen sagen, wie elend Sie auch in Ihren eigenen und in Gottes Augen sein mögen, daß Jesus ihr Heiland sein und Sie mit Seiner Gerechtigkeit bedecken will. Jesns ist nicht für die Gerechten, sondern für die Sünder gekommen. O, wollen Sie mir vergeben?" Nach einem Augen- blick des Schweigens sagte der Sterbende:O, bitten Sie für mich, nnd ich will Ihnen vergeben."

Er reichte mir seine Hand, die ganz von Tränen benetzt war. Nie habe ich so gebetet.

Am nächsten Morgen kehrte ich ,n aller Frühe zu dem Hause zurück, wo ich die furchtbarsten Augen- blicke meines Lebens zugebracht hatte. Die Mutter kam mir entgegen und sagte:Er ist selig ent­schlafen und 'hat mir noch nufgetragen. Ihnen zu jagen, daß er gern stürbe, und daß ein Licht, vor ihm sei.

Ich betete mit der Mutter, wie ich's mit dem Sohne getan, und ein wenig später glaubte ich, ge- beugt über den Sarg, von jenen eisigen Lippen nicht mehr den furchtbaren Vorwurf zu hören:Du hast mich zugrunde gerichtet", sondern die himmlische Bot- schaft, nach der meine Seele geseufzt hat:Christus hat mich gereitet!" (Schweizer Evangelist.)

Versammlungs-Anzeigen.

Bezirk Gietzen. Stadtmission Gießen, Löberstr. 14.

Jeden Sonntag 1V» Uhr: Sonntagsschule; 4 Uhr: Jungsrauenverein; S'U Uhr: Versammlung, i'h Uhr: Christ­licher Verein junger Männer. Jeden Mittwoch 8'/, Uhr: Bibelstunde. Jeden Freitag 8V- Uhr: Gebetsstunde.

Sonntag, den 6. Februar: Versammlungen in Alten- buseck und Wieseck, abends 8 Uhr: Frauenstunde in Grün­berg; Donnerstag, den 10. Februar: Beuern.

Bezirk Lich.

Sich, Vereinshaus: Jeden Sonntag 12°/« Uhr: Sonn- lagsschule; 4 Uhr: Jungfrauenstunde; 8 Uhr abends: Ver- sammlung. Jeden Freitag Kriegsgebetsstunde.

Anzeigen für die Nummern 912

6. Februar: Dorfgill und Holzheim; 1. und 22. Februar: Villingen; 2. und 28. Februar: Wohnbach; 3. und 24. Februar: Watzenborn; 8. Februar: Dorfgill; 10.: Längs- dorf; 15.: Ettingshausen; 16.: Oberbessingen; 17.: Burk­hardsfelden. 20. Februar: Gemeinschaftskonserenz in Nidda. Text: Luk. 10, 38-42.

Bezirk Sellnrod.

5. Februar: Höckersdorf; 6. Februar, nachmittags: Sellnrod, Geineinschaftskonferenz; ?.: Kleineichen; 8.: Großeichen; 9.: Wohnfeld; 10.: Helpershain; 11.: Köddingen; 13. Februar, nachmittags: Unterseibertenro?, abends: Ober- seibertenrod durch Prediger Martin.

is zum 6. Februar ds. Js. erbeten.