Ausgabe 
30.1.1916
Seite
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es

yjun war die Ubuncj§jeit zu Ende, Jktzk d^ c- aus der teuren Heimat hinaus in Feindesland stehen, um auf blutiger Walstatt zu erproben, was mau hier einexerzierte. Ernste Gedanken gingen vor diesem Auszug durch seinen Sinn. Würde er wieder- kehren, heim zu. den geliebten Seinen, die mit banger Sehnsucht auf ihn harrten? Oder mußte er. des Vaterlandes Herd zu schützen, sein eigenes lieben in die Schanze schlagen?

Zum letzten Male stand er in dem freundlichen Zimmer, sinnend blickte er noch einmal auf die trost­reiche Verheißung über seinem Bette. Es war ihm dabei zumute, als ob die Buchstaben von der Wam herüber bis in sein Herz heineinglitten. um sich dort mit unauslöschlicher Flammenschrift elnzubrennen.

Zum Schluß bat ihn die freundliche Quartier- qeberin, einen Abschiedsgruß in ihr Fremdenbuch zu schreiben. So nahm der Landwehrmann die Feder und schrieb in kurzen, kernigen Worten die Empfin­dungen nieder, die ihn in diesem Hause am tiefste» bewegten:

Ein herzliches -Vergelt's Gott« für die vor­treffliche Verpflegung, deren ich mich oft erinnern werde, wenn ich draußen im Felde stehe. »Fürchte dich nicht, glaube nur!« dieser Wandspruch meines Quartiers soll mir den Weg weisen, und so hostc ich auf Wiedersehn."

So zog er hinaus in den Krieg. Seine Taschen ivaren noch vollgepackt von allerhand Gutem, dav seine freundliche Gastgeberin ihm als stärkende Weg­zehrung mitgegeben, aber das Beste von allem blieb doch das Stücklein Lebcnsbrot. das er sich von der Zimmerwand gebrochen hatte. Das wurde nicht alt­backen. und trotzdem er täglich davon zehren konnte, verzehrte es sich doch nickt, sondern blieb immer frisch und bot seiner Seele stärkende Nahrung in den blutigheißen Wanderungen durchs Feindesland.

Monatelang war er nun schon draußen. Mancher treue Kamerad, der mit ihm aus der trauten Heimat hinluisgezogen war, stand nicht mehr an seiner Seite. Die Kugel hatte sie von ihm weggerissen. Doch der beste Freund, der gesagt hat:Fürchte dich nichtl" blieb stets bei ihm. und er selber blieb wunderbar behütet vor jeder Feindeskugel, die ihn umpstfs.

Hin und wieder war auch ein Grußkärtchen aus dem Felde als Dankeszeichen in sein erstes gutes Quartier zurückgeflogen. Und eines Tages traf auch ein Brief in demselben ein. der etwas Näheres von seinen Erlebnissen auf dem grausigen Schlachtfelde berichtete. Aber es brach auch ein heller Wider- schein der bekannten Flammenschrift hervor, die hier an der Wand und dort in seinem Herzen ein- gebrannt stand. .

Mit noch acht Kameraden zusammen hatte er in einem Stalle gelegen. Da war plötzlich mit laut krachendem 'Getöse ein Sch apnell zu ihnen herein­geschlagen. So schnell war's über sie gekommen, daß

sich keiner mehr hätte hinausretleu können, und doch waren sie alle errettet geblieben. Dankbewegt schrieb er dazu:Es war ein Wunder. Neun Mann waren wir darin, und keinem hat es etwas geschadet. Am anderen Tage schlug eine Granate in den Nebenstnll, den wir uns als Küche eingerichtet hatten. Ich selbst war gerade in einem Geschützunterstand, und die Kameraden, die sofort die Küche verließen, als das Feuer anfing, kamen gnt davon bis auf einen Unter- offizier, dem die Granate den Arm zerschmetterte. Ein paarmal hätte eS auch mich schon haben können. Man muß wirklich seinem Gott danken, daß Er uns behütet. Mir liegt immer der Wandspruch im Sinn, der über meinem Bett hing: -Fürchte dich nicht, glaube nur!« Den habe ich mir mitgenommen in das Feld, und ich hoffe, daß unser Gott mich ge- sund heimkehren läßt."

Ja, wahrlich! die den HErrn fürchten, zu denen spricht Er wieder:Fürchte dich nicht, glaube nur!" Willst du die Kraft und Wahrheit dieses köstlichen

Verheißungswortes nicht auch erproben?

Käthe D.

3 ».

Durch hatten.

(Zum Bild.)

Du großes Wort in ernster Zeit.

Viel hast du uns zu sagen:

Wir sollen mit dem Blick aufs Ziel Im Kampf das Letzte wagen Zn Deutschlands Ehr', zu seinem Wähle - Dnrchhalten! heißt die Zeitparole.

Durchhalten, tapfre .Helden ihr,

Wollt ihr euch Lob erwerben,

Es geht nach Gottes Plane nur,

Im Leben wie im Sterben.

Seid treu vom Scheitel bis zur Solle, Durchhalt enl heißt die Zeitparole.

Durchhaltcn I hört's. die ihr daheim Des Krieges Lasten spüret,

Wir wissen, daß des Volkes Dank Auch eurer Treu gebühret.

Mit Helm und Schwert, mit Brot und Kohle Durchhatten, heißt die Zeitparole.

Durchhalten, liebes, teures Weib,

Daß du aus deinem Leben Das Liebste hast mit heißem Schmerz Als Opfer hingegeben.

Aus Goties Quell die Kraft dir hole, . Durchhaltcn! heißt die Feitparole.

Durchhalten, wenn erwählt du hast Der Wahrheit Licht zu grüßen.

Sei mutig, trag die Sündenlast Ans Kreuz zu Jesu Füßen,

Zu deinem heil und ew'gen Mahle Dnrchh alten sei dir stets Parole I

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