Ausgabe 
30.1.1916
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! Aufwärts! 1

z Gemeinscbaltsblatt für Ressen. r

Erscheint wöchentlich einmal

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Verlag der Buchhandlung der Pilgermission Liehen.

Nr.

o.

Sonntag, den 30. Januar 1916.

Redakteur: Stadtmissionar ^ernnanivfineßen. Mitarbeiter- Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgermisston. Druckv.J . G. Oncken Rachf., G. m. b. H. , Cassel.

9. Jahrg.

Iürchte dich nicht, glauöe nur!

Durch den stillen Kurort mit seinem Waldes- frieden rasselten plötzlich die Kanonen und Muiiitions- wagen der Artillc ie. Der Ort hatte Einquartierung bekommen. Die während der Mo­bilmachungstage «ingezogenen Re> servetruppen soll­ten hier eine mehrwöchige Aus­bildung erhalten, da die Exerzier­plätze der Haupt- stadt nicht weit davon entfernt lagen.

In eine Frem- dcnpension rückte ein biederer Land- wehrmann ein.

Er hatte es gut getroffen und wur- de ausgezeichnet verpflegt. Wie wohl war es ihm, nach dem schweren Abschied von Weib und Kind gleich wieder in ein solch freundliches, gastfreies Haus zu kommen! Er hatte von der Reise auch tüchtigen Hunger mitgebracht und ließ es sich Prächtig schmecken. Dann suchte er, von den mancherlei Strapazen der Einberufungstage stark ermüdet, früh- zeitig sein Lager auf. Doch ehe er sich auf der weichen, warmen Schlafstätte ausstreckte, blieb sein Blick mit dem Ausdruck plötzlicher Bewegung auf dem schlichten Wandspruch haften, der über seinem Bette hing und in farbig umrandeter Brandmalerei die trostreiche Inschrift trug:Fürchte dich nicht, glaube nur!" Das war ein Wort, wie es für die große, ernste Zeit, der er entgegcnging, paßte. Ja,

wahrlich! da galt es, sich nicht zu fürchten, wo mau jeden Tag dem Tod ins Auge schauen mußte, und hier! also wenn man glaubte, brauchte man e» nicht zu tun. Das war ein gutes Rezept, besser noch als die gute Abendmahlzeit, mit der er vorher

so freundlich bewirtet worden war. Diese herrlich» Verheißung erquickte seine Seele.

Dankbar legte er sich zur Ruhr nieder, unh noch einmal, ehe er die Augen schloß, mußte er z» dem Wandspruch hinaufschauen, seine Gedanken wur- den ein stilles Gebet.

Am nächsten Morgen ging'S in den strammen Dienst, der seine höchsten Anforderungen stellte, und so ging es Tag für Tag mit nur ganz kurzen Ruhe- pausen, denn es mußte viel geleistet werden in den wenigen Wochen. Doch jeden Abend, wenn er müde auf sein Lager niedersank, ging eS ihm wie letzter, lieber Gutenachtgruß durch den Sinn:Fürchte dich nicht, glaube nur!"