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Wir stehen zum Führer!

Lorbereitungsversammlung der politischen Leiter und der Vereinsführer zur Volksabstimmung in Gießen.

Am 19. August wird wiederum, wie im Vorjahre, das deutsche Volk sich hinter den Führer stellen und ihm sein Vertrauen aussprechen. Die letzten Vorbereitungen sind im Gang. So fand am Sams­tagnachmittag im Stadthaus in Gießen eine Zu­sammenkunft der Vereinsführer statt, in deren Ver­lauf der Kreisleiter das Wort ergriff. Zunächst be­handelt Pg. Klo st ermann außen- und innen­politische Fragen, um dann anschließend über den lieferen Sinn und die Bedeutung der Volks­abstimmung

zu sprechen. Eine Aussprache ergab die völlige Ein­mütigkeit des Willens, mit Adolf Hitler für Deutschlands Zukunft zu ft reiten. Je­der wird an seinem Platz seine Pflicht tun, getragen von einer glühenden Liebe zu Volk und Vaterland und seinem Führer.

Der Kreisleiter Pg. Klostermann hatte am Nachmittag vor den 'Vereinsführern über die Be­deutung der Abstimung gesprochen. Im Anschluß daran begab er sich ins Cafe Leib, in dessen reich geschmücktem Saal die Politischen Leiter, SS.-, SA-, HI.- und JD.-Führer sowie die Führerinnen des BdM. und die Leiterinnen der NS.-Frauen- schast bereits versammelt waren.

Der stellvertr. Kreisleiter Pg. H o p f e n m ü l - ler sprach dann über propagandistische Fragen, die die Volksabstimmung betrafen.

Es spricht der Kreisleiter.

Riesengroß steigt vor unserem geistigen Auge das Bild des Führers auf. Die Gestalt des Mannes, der keine Ruhe kannte und kennt, der nur einen Wunsch hat, den Weg in seines Volkes Zukunft zu ebnen und es emporzuführen zum strahlenden Licht der Freiheit.

Diesem Führer geloben die versammelten Kämp­fer der NSDAP, unwandelbare Treue, geloben ihm, im Kampfe um Deutschlands Zukunft jeder, dort, wohin er gestellt ist, seine Pflicht zu tun.

Das Gelöbnis und das Horst-Weffel-Lied sind verhallt, geblieben aber ist eins: ein fester Glaube in aller Herzen und eine überragende Begeisterung, wiederum kämpfen zu können für die Größe Deutschlands.

So mögen aus dem Saal die Worte hinaus­dringen:

Deutsches Volk, es geht um Deine Zukunft, Stimme mitJa".

Fragebogen für Mitglieder derDeutschen Arbeitsfront

Da von sämtlichen Verbänden, die der Deutschen Arbeitsfront angegliedert sind, sowie NS.-Hago (GHG.) und der NSBO. ( Einzelmitglieder) Fragebogen ausgegeben werden, geben wir zur besseren Abwicklung folgendes bekannt:

Jedes Mitglied füllt den Bogen in allen Teilen sorgfältig aus und übergibt den Vogen schleu­nigst an der Arbeitsstätte dem Vetriebswalter der Deutschen Arbeitsfront.

Ist das Mitglied in keinem Betrieb tätig, oder in einem Betrieb unter 10 Personen, erwerbslos, im freien Beruf tätig oder Kleingewerbetreibender, so ilt der Fragebogen der für ihn zuständigen Orts­gruppe der Deutschen Arbeitsfront zu übergeben. Es ist stets darauf zu achten, daß für die Abgabe des Fragebogens die anhängende Empfangs­bestätigung durch den Amtswalter der DAF. als Quittung 'ausgehändigt wird. Diese Quittung gibt das Mitglied wieder dem Verband zurück, von dem der Fragebogen ausgehändigt wurde.

Schwierigkeiten in der Beantwortung des Frage­bogens werden sich nicht ergeben, wenn sich das Mitglied im Zweifelsfalle direkt an die zuständige Ortsgruppe der DAF., oder deren Amtswalter wendet.

Für die Stadt Gießen stehen sämtliche Aellen- walter der Deutschen Arbeitsfront zur Verfügung.

Die Anschriften sind:

Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Zelle 1: Wolf, Heinrich, Seltersweg 4. Zelle 2: Reuß, Karl, Seltersweg 48. Zelle 3: Hahn, Heinrich, Bahnhofstraße 66. Zelle 4: Bouffier, Robert, Mühlstraße 32. Zelle 5: Schnecko, Karl, Löberstraße 7. Zelle 6: Erümer, Otto, Bleichstraße 46 H.

Ortsgruppe Gieheu-Rord.

Zelle 1: Sauer, Erwin, Wetzsteinstraße. Zelle 2: Weinbrenner, Otto, Brandgasse 8. Zelle 3: Schomber, Willi, Walltorstraße 55. Zelle 4: Klös, Franz, Weserstraße 17. Zelle 5: Plank, Ludwig, Schottstraße 19. Zelle 6:

Kern, Karl, Krofdorfer Straße 321. Zelle 7: Z ä u n e r, Erich, Dammstraße 36.

Ortsgruppe Gießen-Ost.

Zelle 1: Lindenschmidt, Rudolf, Licher Straße 39. Zelle 2: Herbert, Eckhard, Frie­densstraße 35. Zelle 3: Lixfeld, Johann, Kaiserallee 57. Zelle 4: Reibeling, Wilh., Kaiserallee. Zelle 5: Mack, Heinrich, Roon- straße 31. Zelle 6: Wagner, Ernst, Berg­straße 3. Zelle 7: Gurenkoff, Paul, Gnauth- straße 241.

Ortsgruppe Gießen-Süd.

Zelle 1: Link, Ferdinand, Wilsonstraße 5. Zelle 2: Heßberger, Hans, Liebigstraße 101. Zelle 3: Neeb, Frankfurter Straße 29. Zelle 4: Müller, Karl, Frankfurter Straße 71. Zelle 5: Fehl, Ernst, Wetzlarer Weg 11. Zelle 6: Klingelmeyer, Ludwig, Ludwigstraße 79.

Für die Ortsgruppen innerhalb des Kreises Gie­ßen find die Anschriften der Ortsgruppenwalter folgende:

Ortsgruppen.

Allendorf a. d. Lumda: Nagel, Adam, Allen- dorf a. d. Lda., Marktstraße 22. Atten-Vuseck: Wagenbach, Friedrich, Alten-Buseck. Bers­rod: Sack, Erwig, Reiskirchen, Bergstraße 3. Bettenhausen: Fritz, Karl, Bettenhausen, Unter­gasse. Ettingshausen: Sann, Karl, Ettings­hausen, Hauptstraße 64. Geilshausen: Dietz, Johannes, Geilshausen, Obergasse 8. Großen- Vuseck: Schnegelsberg, Hch., Großen-Buseck, Zeilstraße 37. Großen-Linden: Steinnagel, Hch., Großen-Linden, Obergasse 21. Grünberg: Hamburger, Karl Ferd., Grünberg, Winterpl. Gröningen: Hofmann, Hch., Grüningen. Heuchelheim: Loh, Hch., Heuchelheim. Hungen: Weber, Adam, Hungen, Bahnhofstraße 2. Klein-Linden: Neußer, Ferd., Klein-Linden, Hü­gelstraße. Lang-Göns: Müller, K. VII., Lang- Göns, Mohrgasse 7. Lich: Schwab, Karl. Lich, Oberstadt 5. Lollar: Hofmann, Karl, Lollar, Bergstraße. Londorf: Lich, Eberhard, Londorf, Horst-Wesfel-Straße. lUaimlar: Vogel, Ldw. X., Mainzlar, Bahnhofstr. 8. Ober-Bessingen: Würtz,

Karl, Ober-Bessingen, Hasselstraße 11. Rodheim an der Horloff: Ulrich, Otto, Rodheim a. d. Hor­loff, Hauptstraße 61. Steinbach: Stoll, Herm., Garbenteich, Licher Straße 31. Treis a. d. Hor­loff: Vogler, Otto, Treis a. d. Horloff, Toden- weg 61. Watzenborn-Steinberg: Schneider, Karl II., Watzenborn, Hindenburgstraße 32. Wieseck: Jung, Ernst, Wieseck, Schustergasse 9.

Stützpunkte.

Annerod: Wächter, Ludwig, Annerod, Stein­bacher Straße 1. Bellersheim.- Lohs, Richard Alfred, Bellersheim. Beltershain: Zahrt, Fried­rich, Beltershain, Bollnweg 60. Harbach: L e f ch- horn, Karl Friedr., Harbach, Hauptstraße 93. Saasen: Kutscher, Wilhelm, Saasen. Wei- tershain: Schmitt, Hch., Weitershain 441/io.

Oie Straße frei

den braunen Bataillonen der HI.

amTag der hunderttausend" Jugend des Führers im Glauben verschworen zur Tat bereit am 1./2. September in Frankfurt a. 21L

Wir bauen eine Ausstellung, die künden soll von unserer Arbeit, der Arbeit der HI. Besucht uns vom 19. August bis 5. Sept, auf dem

Frankfurter Messegelände.

An die Arbeitgeber der SS.-Kameraden!

Der Führer hat die Schutzstaffel in Anerken­nung ihrer gefestigten Haltung in den schicksals­schweren Stunden des 30. Juni zur f e I b ft ä n * digen Organisation im Rahmen der Natio­nalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei erhoben.

Die SS. will dem Führer und Kanzler des deutschen Volkes für dieses Vertrauen durch einen gewaltigen Aufmarsch anläßlich des Reichsparteitages in Nürnberg ihren tiefempfundenen Dank zum Ausdruck bringen.

An die Arbeitgeber der SS.-Kameraden ergeht hiermit die Bitte, allen in ihren Betrieben bzw. Dienststellen beschäftigten SS.-Männern, welche zur Teilnahme am Parteitag befohlen sind, in der Zeit vom 25. August bis einschließlich 11. September ohne Benachteiligung Urlaub zu gewähren.

Mit diesem Opfer können auch Sie der SS. danken, die in schwerer Stunde das deutsche Vater­land vor sinnlosem Blutvergießen bewahrte. Sie

können beweisen, daß Sie den Sinn der Worte des Stellvertreters des Führers verstanden haben, der in seiner Königsberger Rede erklärte:Der beson­dere Dank der Bewegung gebührt in diesen Tagen der SS., die gemäß ihrem Wahlspruch:Unsere Ehre heißt Treue" handelte in vorbildlicher Erfüllung ihrer Pflicht."

Für jeden Deutschen ist also die Beurlaubung der Angehörigen der SS. in der angegebenen Zeit eine Ehrenpflicht.

Der Führer des SS.-Abschnittes XI gez. Bigler, SS.-Obersührer.

Oes Führers Treue: rastlose Arbeit!

Deine Treue: Dein Za!

Ärei-Mnuten-Kurzparolen zur Volksabstimmung

DNB. Der Deutsche Rundfunk bringt in der Woche vom 13. bis 19. August täglich um 8, 14, 16 und 20 Uhr Drei-Minuten-Kurzparolen zur Volksabstimmung. Es sprechen Per­sönlichkeiten aller Lebenskreise des deutschen Volkes.

Wie wir erfahren, lvrechen u. a. der preußische Ministerpräsident Hennann Göring, Reichs­minister Walther Darre und Reichsminister Franz S e l d t e, ferner Reichssportführer von Tscham - mer und Osten und aktive Sportler, wie Hans Stuck, Hans Heinz Sievert, Otto P e l tz e r

Ein Wille:

Ein Führer:3a

und Hanne S o b e ck. Literatur und Bühne sind u. a. vertreten durch Hans Friedrich B l u n ck , Rainer, Maria Schlösser und Heinrich George. Aus der Wirtschaft hört man Krupp von Bohlen und Hallbach und Dr. Dorp- müller. Es werden sprechen der Vater des er­mordeten N o r k u s und der Bruder des Hitler- mannes Udo Curth. Es sprechen Winnifred Wagner, Oberst von Hindenburg, Prof. Hans P f i tz n e r , Prof. Hausegger und Prof. Sauerbruch, Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Ritter von Epp, Dr. Frank II., Werner Beumelburg, Dr. Hugo Eckener, Baldur von Schirach, Bruno L ö r z e r, General L i tz- man n und Prinz August Wilhelm. Hören wird man ferner Männer der Arbeitsfront und

nicht zuletzt alte Kämpfer der Partei, so u. a. Max Grabsch, den alten Schlesienkämpfer mit der Parteinummer 2070.

Kurzparolen im Frankfurter Rundfunk.

Am heutigen Montag werden vom Reichs» send er Frankfurt folgende Kurzparolen von je drei Minuten Dauer durchgeführt:

8 Uhr: Reichstagsabgeordneter Gaupressewart W o w e r i e s.

14 Uhr: Staatssekretär Hier!.

16 Uhr: Schauspieler Heinrich George.

20 Uhr: Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger.

Am Dienstag (14. August) werden vom Reichssender Frankfurt folgende Kurzparolen ge­sendet:

8 Uhr: Landesleiter der Deutschen Front an der Saar P i r r o.

14 Uhr: Gauleiter Weinrich (Kassel).

16 Uhr: Reichstagsabgeordneter Gaupressewart W o w e r i e s.

20 Uhr: Landesbauernführer Dr. Wagner.

Wie sichere ich mein Stimmrecht?

DNB. Staatssekretär Dr. P f u n d n e r vom Reichsinnenministerium spricht heute Montag, 2 0 Uhr, über alle Sender zu dem Thema:Was muß jeder Volksgenosse beachten, um sein Stimm­recht für den 19. August zu sichern?" Anschlie­ßend gibt der Deutschlandsender für den gesamten deutschen Rundfunk Nachrichten.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

Nächtliches Drama.

Von £. von deppert.

Dort, wo der starre, graue Dornbusch sich dichter zusammenschiebt, wo über hohen schlanken Stäm­men die schirmartigen Kronen der Kameldornbäume gegen den lichtüberfluteten Himmel- stehen, liegt das Flußbett. Es ist trocken, denn die Regenzeit ist längst vorüber und der helle, körnige Sand wurde von den Feuern der großen afrikanischen Sonne nun seit vielen Wochen erbarmungslos durchglüht. Ringsum herrscht die überwältigende Stille der Wildnis, der sonnenmüden Weiten, die nur selten von dem Schrei eines Hornvogels oder dem schnar­renden Locken eines Perlhuhnes unterbrochen wird. Durch den leicht gewellten Sand ziehen sich vom Rande des Riviers her einige schmale glatt ge­schliffene Geleise. An ihrem Endpunkt, im Kern des Sonnenfeuers liegt, in schwer ruhende Ringe zu­sammengezogen, die Puffotter. Sie ist eine alte, be­häbige Schlangenmutter von der Stärke eines traf- tigen männlichen Unterarmes. Der breite, dreieckige Otternkopf lagert mit geschlossenen Augen in der Mitte des zusammengeringelten, etwas über einen Meter langen Körpers. Hier ist ihr Lieblingsplatz für die Siesta des Tages. Hier träumt sie unge­stört von den Beutezügen der mondfahlen, gespen­stigen Nächte, von den ekstatischen Augenblicken ihrer giftigen Bisse, von der langsamen lustvollen Gier des Hinunterwürgens und vielleicht zu Zeiten von ihrer Liebe und ihren kleinen, züngeln­den Schlangenkindern.

Die Sonne rückt ins letzte Drittel, die ersten Schat­ten fallen über den leuchtenden Sand. Die Puffotter beginnt ihre Ringe zusammenzuziehen, zu dehnen, ihre Kreise aufzulösen. Langsam hebt und senkt sich der Kopf, die gespaltene Zunge wird sichtbar, die kleinen bösen Augen funkeln wie dunkle, flackernde Achate. Dann gleitet sie in schwerfälligen trägen Windungen über den Sand der Mitte des Riviers zu. Hier liegt eine aus Gestrüpp und angetriebenem Wurzelwerk gebildete Schwemminsel. Mühelos schiebt sich der schwere Leib der Schlange in die schützende Geborgenheit des Dickichts.

Am Horizont glüht die Himmelsglocke auf. Die Sonne verschwindet hinter einem dunkelvioletten Bergzuge. Rasch sinkt die Dämmerung über das öde Buschland. Kleine Vogelscharen schwingen sich im letzten Licht eilig in die Kronen der Bäume, ihr Kreischen und Zwitschern verebbt. Die spärlichen Laute des glutüberfüllten Tages fchwinoen, d-ie Stimmen der Nacht erwachen. Schakale bellen, eine Hyäne lacht gellend auf. Eulenschreie geistern durch das Dunkel. Gleich lautlosen, beschwingten Bällen schwpbev zwei Schleiereulen einige Male an den

buschverdunkelten Ufern entlang und lassen sich so­dann zur Seite des kleinen Jnseldickichts, in dem die Puffotter verschwand, auf einem grotesk in die Luft gereckten Wurzelast nieder.

Reglos verharrend wie steinerne Pagodon hocken sie über Stunden auf ihrem Platz. Werden sie in dieser Vollmondnacht endlich zu ihrem Ziele kommen?

Was will die Schleiereule? Ach sie ist die Erzfeindin der Schlange. Es herrscht eine alte töd­liche Feindschaft zwischen ihnen, eine Feindschaft, die dem Gerechtigkeitssinn der Natur entsprungen ist, ein ungeschriebenes Rachegesetz für all die armen, zitternden Geschöpfe, die dem tückischen Biß der Giftzähne zum Opfer fallen.

Jetzt steigt der Mond über den Kameldornbäumen auf, zieht die ruhenden Schatten der Nacht vom Flußsand in die Baumkronen hinauf und meißelt ein Heer geisterhafter Wesen aus dem Gewirr des Buschlandes, aus den tief eingerissenen Steilufern und verödeten Schwemminseln. Die reglosen Körper der Eulen schimmern in weichem Glanz; in ihren großen Augen brechen sich opalisierende Strahlen. Wieder vergeht eine Stunde. Die Eulen warten, wie sie viele Nächte an dieser Stelle gewartet haben; bis der Hunger sie forttrieb. Plötzlich dringt aus dem Gestrüpp ein nur für das feine Eulenohr ver­nehmbares Rascheln, kurz darauf schiebt sich das dunkle Dreieck des Puffotternkopfes hervor. Der schwerfällige dicke Körper folgt leise, träge über oen mondlichten Sand dem Ufer zu dahingleiteno.

Mit dem Steigen des Vollmondes hat sich das Lärmen der Schakale und Hyänen verstärkt, bis ein jäh in die Nacht aufklagender Schmerzenslaut das Konzert für Minuten abbricht.

In diese Stille hinein gellt wie ein Triumphschrei das hohe Piuh der einen Eule, die lautlos wie ein Schatten von ihrem Ast auf die ahnunglos sich zwischen Ufern ungeschützt einherringelnden Puff­otter niederstoößt. Ein scharfer Schnabelhieb hat den leicht über den Boden gehobenen Kopf der Schlange getroffen. Fast im gleichen Augenblick krallen sich die Fänge der zweiten Eule in den Hinteren Teil des schmerzlich sich windenden Körpers, reißen ihn sekundenlang in die Luft. Der krumme, grausame Schnabel fällt unerbittlich in das Kreuz des Ottern- leides. Hilflos unter schmerz- und wuterfülltem Fauchen beißt die Schlange aufwärts in die leere Luft. Abermals trifft ein schneidender Schnabelhieb den Kopf, der jetzt müde zurücksinkt, während der im Ruckgrad gebrochene Leib in wilden Zuckungen hm und her schlägt, zwei Krallen packen dicht hinter dem Schlanaenkopf fest zu. Hieb auf Hieb zerfetzt das Dreieck des flachen Schädels. Hieb aus Hieb der anderen Eule schneidet in den sich krümmenden Rumpf. Noch einmal weitet sich der giftbergende

Rachen, ein letztes pustendes Fauchen, ehe die Kie­fern völlig auseinandergerissen sind.

Ueber den sinnlos im Sande hin und her schla­genden Leib des besiegten Todfeindes stürzen sich jetzt die Eulen mit grimmigem Heißhunger. Das weite Lichtbett des Flusses herauf trabt unbemerkt ein schmaler Schatten. Vorsichtig den Wind einzie­hend schleicht er näher und springt zuletzt mit kur­zem heiseren Gebell auf den Kampfplatz zu. Die Eulen fliegen erschreckt auf, stoßen aber, als sie den Schakal erkannt haben, sogleich wieder kühn auf den Störenfried nieder. Der Schakal hat indessen die noch zuckenden Schlangenreste vorsichtig beschnup­pert und trollt mißtrauisch knurrend von dannen.

Piuh Piuh ... schmähen die Eulen, indem sie ihn verfolgen und seinen Kopf noch mehrmals mit den Schwingen streifen.

Der Mond hat seinen Kreis über dem Flußbett vollendet. Schon beginnt ein kühles Wehen das Nahen des Morgens anzuzeigen.

OieSchrecksekunde" des Kraftfahrers.

Die Verkehrs-Schulung des deutschen Volkes for­dert auch eine eingehende Beschäftigung mit der psychologischen Haltung des Kraftfahrers. Früher bestand die Vorschrift, der Fahrer müsse im Not­fall den Wagen sofort zum Stehen bringen können, aber diese Forderung ist jetzt richtiger dahin formu­liert worden, daß diesauf kürzeste Entfernung" erfolgen müsse. Diese kürzeste Entfernung wird durchweg so ausgelegt, daß man den der Fahrge­schwindigkeit entsprechenden Grenzwert berechnet und die so erhaltene Wegstrecke um den Betrag vermehrt, den das Fahrzeug während einer Se­kunde, der sogenanntenSchrecksekunde", zurücklegt. Doch ist diese Berechnung nicht allgemein gültig, denn die Reaktionszeit, d. h. der Zeitabschnitt, den der Mensch braucht, um nach Wahrnehmung eines Ereignisses eine sinngemäße Handlung vorzuneh­men, ist bei den einzelnen Menschen und nach den auftretenden Bedingungen verschieden groß. Der Ingenieur Georg Blank, der etwa 50 000 Mes­sungen z-ur Prüfung der Reaktionsarten durchge- sührt hat, berichtet über seine wichtigen Ergebnisse m der Frankfurter WochenschriftDie Umschau". Er hat dabei festgestellt, daß fast alle Menschen ihre Reaktionszeit verkürzen können, wenn die Ver­suche einige Zeit fortgesetzt werden. Die U e b u n g ist also bei der Schnelligkeit der zweckmäßigen Re­aktion von großer Bedeutung. Die einzelnen Unterschiede sind nicht sehr groß. Es läßt sich be­obachten, daß nur wenige Menschen eine Reaktions­

zeit von weniger als 0,2 Sekunden aufweisen. Durchschnittlich beträgt diese Spanne 0,25 Sekun­den, bei einer beträchtlichen Anzahl 0,3 Sekunden, während nur bei sehr wenigen die Reaktionszeit noch länger ist. Die einmal erworbene Reaktions­zeit verlängert sich jedoch, wenn die Uebung einige Zeit fehlt, wenn das Fahren eingestellt wird, und jedenfalls muß man mit Schwankungen von etwa 30 v. H. rechnen. Für den Kraftfahrer ist die opti­sche Reaktion wichtiger als die akustische. Viel hängt natürlich von den Umstünden ab. Wenn z. B. in einer engen Straße die fein Ausweichen zuläßt, plötzlich ein Radfahrer auftaucht, bann bleibt dem Chauffeur nur möglichst schnelles Halten übrig; er hat keine andere Wahl, und deshalb wird die Reaktionszeit mit dem Durchschnitt von 0,25 Se­kunden angenommen werden können. Muß sich aber der Fahrer zwischen zwei Möglichkeiten ent­scheiden, so beansprucht eine solcheWahlreaktion" eine längere Spanne, die sich zwischen 0,4 und 0,75 Sekunden bewegt. Bei normaler Fahrt, bei der der Fahrer den rechten Fuß auf dem Gaspedal, der Motorradler auf der Fußraste hat, muß der Fuß zur Bedienung der Bremse erst umgesetzt werden; dazu bedarf es eines Entschlusses, der erst nach abgelaufener Reaktionszeit gefaßt wird. Die Zeit zwischen vollendeter Reaktion und beginnen­der Bremswirkung ist auf etwa '/< bis Vs Sekunde zu veranschlagen. Im Ganzen ist demnach vor dem Bremsen mit einer Spanne von V2 bis 1 Sekunde zu rechnen, auch bei gespanntester Aufmerksam­keit des Fahrers, die nicht immer vorhanden fein kann. Ist nun die Lage noch derart, daß der Fahrer erschrickt, so tritt eine erhebliche weitere Verlängerung der Reaktionszeit ein, denn der Schreckreiz wirkt nach allen Versuchen niemals ver­kürzend, sondern stets verlängernd. Im allgemei­nen darf man eineSchrecksekunde* annehmen, dock kann der Einfluß des Schreckens auch mehrere Sekunden anhalten. Diese Feststellungen sind des­halb bei der Beurteilung eines Unfalls von so großer Wichtigkeit, weil sich daraus die normale Zeit erkennen läßt, nach der die Bremswirkung auftreten muß. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 36 Kilometern in der Stunde entspricht der wäh­rend der Reaktionszeit von 1 Sekunde zurückgelegte Weg einer Strecke von zehn Meter, die sich bei Hinzutreten der Schrecksekunde verdoppelt. Zehn oder zwanzig Meter können aber bei der Beurtei­lung eines Autounfalles von ausschlaggebender Bedeutung sein, wie die Erfahrung täglich zeigt. An den Kraftfahrer stellt der Großstadtverkehr be­sonders große Anforderungen, denen er nur ge­wachsen sein kann, wenn er ein gewisses Ausmaß technischer Erfahrung besitzt und sich außerdem eines gesunden Nervensystems erfreut