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Oie Krieasfreiwittigen.
Bon Kilian Soll.
Der Verfasser, der als sechzehnjähriger Kriegsfreiw-illiger zum erstenmal verwundet wurde, ist der Urheber des Films „Urlaub aus Ehrenwort".
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ein, wie ein aus. Nach fast
ifcestag von Langemarck in tragischer Weise geschehen.
Aus Begeisterung ging mancher ins Feld, der dem Grauen des Krie- jt, nicht standhielt. Wer dann durchgehalten hat trotz seiner kindlich über»
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feierlichem Abfchied stieg ich in den Zug und fuhr noch Hause. Die Fahrt war unheimlich. Ueberall muhte der Zug warten, vielfach lagen wir aus freier Strecke fest, und Truppentransporte rollten an uns vorüber, mit grünen Zweigen geschmückte Wagen, Kreidezeichnungen, luftig, sieges» gewiß leuchteten neben den Fenstern. Im Abteil sprachen sie durcheinander, ein jeder wußte etwas Neues. Mit stundenlanger Verspätung kamen wir in Breslau an. Die abendlichen Straßen, wir sahen es von den Abteilsenstern aus, waren überfüllt, die Stadt gärte. Ihr Bahnhof brauste. Die Stimmen brandeten durcheinander. Ich sah die ersten Reservisten, von ihren Familien begleitet, sah weinende Frauen, ernste Männer, sah entschlossene, tatbereite Gesichter und hörte Über allem: „Das ist der Krieg".
Am Vormittag des nächsten Tages endlich kam ich in Löwenberg in Schlesien an. Die Eltern waren bereits in größter Sorge. Mutter hatte verweinte Augen (ich war ihr Einziger), Vater drückte mir sest die Hand.
„Ich melde mich natürlich freiwillig", das war das Erste. Vater nickte. „Selbstverständlich." Mutter nahm meinen kleinen Koffer und trug ihn in mein Zimmer hinüber. Schon eine Stunde später stand ich vor meinem Direktor, mit mir meldeten noch acht andere Mitschüler ihren Entschluß, sich sofort als Freiwillige ins Heer zu melden. Wir sprachen vom Krieg, von den einzelnen Truppenteilen, wir waren keine Primaner mehr, wir waren Soldaten.
Die Kriegserklärung brauste wie ein gewaltiger Sturm Über das Land hin. Das Alltagsleben stand völlig still. Am dritten Tag nach der Kriegserklärung hatte ich endlich meine Papiere zusammen, vor allen Dingen meinen Freifahrtschein als Kriegsfreiwilliger. Der Abschied vom Vater war ernsthaft, entschlossen, von Mutter bezwingend herzlich und sehr schwer.
Die Liegnitzer Grenadiere waren mein Ziel, denn Löwenberg halte keine Garnison. Mit mir fuhren ausschließlich Reservisten. Und ein Lied erklang:
„Die Vöglein im Walde, die sangen so wunder-wunderschön. In der Heimat, in der Heimat, da gibts ein Wiedersehn..."
In Liegnitz ging ich sofort zur Kaserne. Und hier wartete die erste große Enttäuschung auf uns; wir standen mindestens zwanzig im großen Schreibzimmer des Rekrutendepots, um uns als Freiwillig« zu melden. Ein freundlicher Unteroffizier zuckte die Schultern: „Wir stellen keine Freiwilligen mehr ein..." . t .
Am Abend dieses Tages erreichte ich Breslau, mit mir fuhren noch vier Kameraden von denen, die auch vergebens in Liegnitz waren. Die Fahrt bis Breslau wurde zum Erlebnis. Unaufhörlich kreuzten wir Truppentransporte, singend, siegesgewisse Soldaten, Infanterie, Artillerie, Kavallerie, unter allen auch ein Lazarettzug...
Breslau stand im Zeichen des Krieges, Uniformen über Uniformen, immer wieder zogen blumengefchmückte Truppenteile durch die Straßen, voran die Musikzüge, neben ihnen Hunderte und Tausende, die ihnen das Geleit gaben, Blumen wurden aus den Fenstern gestreut, und ein Lied darüber: „O Deutschland, hoch in Ehren..."
Auf Grund unseres Freiwilligenscheines wurden wir von den jungen Hilfsschwestern des Roten Kreuzes bewirtet, erhielten Zigaretten Scho- kolade, Kaffee, Kakao, und schließlich eine Anweisung auf ein Strohsacklager. Obwohl ich Verwandte in Breslau hatte, bei denen ein weiches Bett mich gewiß erwartete, zog ich das Strohsacklager vor. Und in aller Frühe des nächsten Tages machten wir uns auf den Weg. Zuerst zu den Elfern, dann zu den Einundfünfzigern, bann zur Artillerie. . Ueberall ein freundliches Achselzucken, überall die gleiche Antwort: „Wir stellen nicht mehr ein, warten Sie, bis die ersten Ausgebildeten ins Feld 9C!,$Bi'r sind bis zum späten Abend hinein in Breslau von Kaserne zu Kaserne gelaufen. Niemand wollte uns haben. Niedergeschlagenheit ergriff uns und mit ihr die Augst, wir werden zu spät kommen.
Die Nacht hindurch fuhren wir zu dritt, die übrigen fuhren nach Schweidnitz, nach Glogau in der zuversichtlichen Hoffnung, daß dort in der Festung unser heißer Wunsch erfüllt würde. Zerschlagen tarnen wir an der heiße Kaffee weckte uns wieder auf, hoffnungsvoll gingen wir in 'die vom Leben durchtosten Straßen. Aber auch hier hatte man keinen Blak mehr für uns. Ein Feldwebel meinte: „In Tarnowitz bei den reitenden Jägern werden noch Freiwillige eingestellt." Tarnowitz lag am anderen Ende Schlesiens. Wir drei trennten uns voneinander, ich fuhr nach Tarnowitz, die anderen beiden wollten ihr Glück in Berlin versuchen. Ich fuhr den ganzen Tag hindurch, immer an neuen Truppentransporten vorbei. Auf dem Umgehungsweg, der unseren Zug um Breslau herumführte, begegneten wir dem ersten Lazarettzug, der von Der Front zurückkam. Breslau hatte geflaggt, die ersten Siege wurden gefeiert 3« Oppeln blieb unser Zug liegen. Erst im Morgengrauen ging es weiter. Um die Mittagsstunde kam ich in Tarnowitz an. Nachdem ich mich auf der Roten-Kreuz-Station, die hier wie auf allen Bahnhofen Des Reiches aufgebaut war, gestärkt hatte, galt mein erster Weg der Jägerkaserne.
„Ja, junger Mann, wenn Sie Ihr eigenes Pferd mitbringen, rönnen S^Wahrhastim ich war den Tränen nahe. Trostlos fuhr ich wseder zurück kam abends in Breslau an, sielte mich schlaflos auf einem Strohsack- lager und machte mich in aller Herrgottsfrühe erneut aus den Weg. Am spaten Vormittag betrat ich die Artilleriekaserne am Schießwerder. Em dicker Wachtmeister musterte mich von oben bis unten, nickte und jagte.
Gut, morgen früh um neun Uhr zur Untersuchung!"
Das war eine Freude! Ich nahm die fleischige Hand des Feldwebels, drückte fic und machte vor ihm den schönsten Diener meiner Knaben,zeit. Er grinste über das ganze Gesicht.
Nun besuchte ich meine Verwandten: Jetzt ja!
Onkel Georg, ein ehemaliger Kapitulant und nunmehriger Oberpostsekretär, führt« mich abends aus. Wir haben auf den neuen Soldaten dann zusammen einen geschmettert daß sich nachts alles gedreht hat.
Am nächsten Morgen wurde ich für tauglich erklärt. Sofort ging es an das Sachen packen, zunächst fteilich nur schwere Stiefel, Unterwasche,
61,11 Daß sie ihrem innersten Wunsch folgten und stolz als Feldgraue kf.ausmarschierten, ist nicht verwunderlich; selbst die Zehnjährigen wären l!™ Imtgegangen, hätte man es ihnen nur erlaubt. Den Zustrom der allzu ™ fizgendlichen unterband die Heeresführung erst, als sie sich auf eine unab« TlSbar lange Kriegsdauer einzurichten begann und ihren künftigen Er- 1nicht mehr vorzeitig ins Feuer laffen wollte. Solches ist an dem
„Extrablatt! Extrablatt!!"
Nach Minuten bangen, wie erstarrten Erwartens wußten wir es: b r Kriegszustand war ausgerufen worden.
b Wie ein Blitz schlug die Nachricht in die Erstarrung 0: tinerrolien brandete nun das Rusen, Schreien, Lärmen
ch andre steigert.
Die harten und schon kampferprobten Gedienten, die einst die gelich- Iten Reihen der Regimenter mit Halbwüchsigen sich anfüllen sahen, bereiten den begeisterten Knaben einen herben Empfang. Der Soldat wertet lir Den Soldaten, mildernde Umstände billigt er nicht zu. Es war das [fame, erschreckende Erlebnis jedes „Kriegsmutwilligen", daß seine eren Kameraden ihn durchaus nicht milde anfaßtem Im Gegenteil! Jjrer Fuchtel und ihrem harten Wort unterworfen, mußte er über die ilgemeine Anstrengung hinaus Sonderdienste leisten und für die um Siebten Handreichungen herhalten, die das Leben des Feldsoldaten täg- lldi verlangte. Bei solch erbarmungslosem Beginn hat mancher schlapp Macht; andere aber setzten sich durch, bis sie sich in der Kameradschaft ich vor allem im Gefecht ihren Platz errungen hatten oder bis man sie ki ihr ehrliches Soldatengrab bettete.
Mögen diese Knaben den Schrecknissen eines Feldzuges anfangs nur irjulänglid) gewachsen gewesen sein: ihre Bereitschaft zum Sterben machte t den Männern ebenbürtig. Wenn aus den Heldenzeiten des Altertums richtet wird, daß dreihundert Männer einen Engpaß mit ihren Leibern kften, fo rühmt Deutschland sich jener Armee von Heranwachsenden, die itr einem Vierteljahrhundert als Schildträger des Vaterlandes bluteten, tis unermeßliche Opfer unserer kindjungen Kriegsfreiwilligen findet erst iienllich heute feine militärische Rechtfertigung: aus der Vergangenheit lochtet das Beispiel der Früheren, die sich ohne Maß und ohne Berech- ing in das Opferfeuer hineinwarsen und zu Unzähligen darin ver-
unnten.
Wir betrachten das erloschene Gesicht des gefallenen Kriegsfreiwilligen ü-hl mit der Rührung, die das Ungelebte in uns erweckt; gleiche Ehrsucht aber erweisen wir jedem, der sein Leben willig oder freiwillig opferte. Aus ruhmreicher Vergangenheit steigend, steht Grohdeutschland teilte und immer auf Freiwilligkeit und auf Gehorsam; es würde sinken, Dinn eine dieser Säulen zerbräche. Weiter als Sieg ober Niederlage mcht also die Glut der Opferkraft! Sie kann ein besiegtes und zertretenes Ito zu neuem Glück emportragen. Die Jugend blicke auf dieses Licht, Iks die Freiwilligen von 1914 entzündeten. Denn eine berechnende Jii- llmd, die sich vorsichtig zurückhält, wäre ihres Vaterlandes nicht wert: Imrde der Krieg gewonnen, an dem teilzunehmen sie zögert, so würde Mch ein künftiger unerbittlich für immer verloren.
! Wir bereuen die Opfer nicht, die einst gebracht wurden oder di« wir llfoer in Freiwilligkeit gebracht haben. Soldatenblut ist keine Handel-- II®re; selbst wo es in Strömen vergossen wird, werte man es nicht mit II k- bloßen Vernunft. Das lehrt überzeugend die Gegenwart, die uns als jjkr erworbene Anspruch unseres Volkes auf eine Größe erscheint, welche || (einen Opfern im Weltkrieg an gemeßen ift
Aus der prima ans Geschütz.
Erzählt von I. Schimmel-Falkenau.
Sm Jahre 1914 drückte ich die Bank der Prima des Löwenberger I Sialgtjmnafiums, und im Oberschlesischen verlebte ich meine großen |t Serien. Im tiefen Frieden leuchteten die Tage, bis gegen Juli-Ende eine | goß« Unruhe auf die Menschen hier im Waldgebiet des Moleparttis, i «t)t an der damals russischen Grenze, Übergriff.
Waldarbeiter brachten Nachrichten über Trupvenansammlungen jenseits der Grenze, ungewisse Nachrichten freilich, aber gerade darum kanruhigten sie so sehr. An einem der letzten Jutttage kam mein Onkel «le der Kreisstadt Lublinitz zurück, sein Gesicht war ernst, er legte nur I ™ Hand auf die Schulter und sagte:
„Koffer packen, mein Junge, und nach Hause", er sah über mich hw- | und ries dem Hilssförster zu: „Lassen Sie bitte einspannen, in zwei I Eiunden geht der Zug." .. .
i Der Bahnhof Lublinitz war ein Heerlager, in überstürzter )agten W'sende durcheinander, drängten sich rücksichtslos aus dem Bahnste g, bt jeder fast hatte eine Zeitung in der Hand, und dann schrie es plotzl ch ’in weither:
Wenn wir in Friedenszeiten die Sechzehn- und Siebzehnjährigen * | Frachten, so begreifen wir kaum, daß wohl hunderttausend dieser Heran- »Uchsenden in den ersten Kriegsmonaten freimütig ins Feld gezogen sind. । J allen Regimentern dienten und starben jene, Deren Lebensalter kaum ! irt Den Jünglingsjahren zugerechnet werden konnte.
»psönchichen Seele, wer dann fteiwillig im Felde blieb, der schürte für ihre den Opfergeist feiner Truppe. Man kann einen Krieg nicht nur mit unwilligen fuhren; aber ebenso wenig nur mit Verpflichteten. Zwischen «licht und Opferlust webt ein unsichtbarer Zusammenhang, indem jedes


