nerals. So hat schon Napoleon I. gesagt. Und Nivelle hat sich diesen Ausspruch zu eigen gemacht.
Noch stehen die Verfolgungsdivisionen des Generals Duchesn« unangetastet bereit. Gestern sind sie nicht zum Angriff und, zur Entfaltung gekommen. Gestern muhten all« diese Reiter, die Jäger, die Kürassiere, die Dragoner, alle diese tatendurstigen Menschen auf herrlichen Pferden, begleitet von wildblickenden Spahis mit flatterndem Burnus, langsam, bittere Enttäuschung in der Seele, zurückreiten ins rühmlose Quartier. Ein Atemholen nur, hat man ihnen gesagt, eine Verschiebung um 24 Stunden, weiter nichts. Morgen ist auch noch ein Tag, jawohl, morgen ist ein Tag. Und dieser Morgen ist do; der 17. April ist angebrochen, grau und sahl.
Noch ehe die geringste Bewegung unternommen werden kann, setzt Schneetreiben ein. Es schnük und regnet und hagelt. Eisig peitscht der Sturm ein wildes Wetter über die Hochebene, und die Feuchtigkeit setzt sich in die schweren Mäntel, in die dicke Wollkleidung der Poilus, macht alles noch schwerer. Die Mannschaften werden dadurch noch unbeholfener. Wieder stehen alle Stäbe und alle Befehlsstellen bereit, trotz des schlechten Wetters. Es muß diesmal gezwungen werden.
Das Schicksal hat sich gegen Frankreich und seine Poilus verschworen. Dennoch, diesem Schicksal muß man die Stirn bieten. Es muß heute etwas erreicht werden. Es müssen unter allen Umständen Namen auf den Heeresbericht dieses zweiten Tages. Dem Leser, überhaupt jedem nachdenkenden Franzosen, ist es keineswegs entgangen, daß nicht einmal ein Name im Heeresbericht erwähnt wurde. Eine mit ungeheuren Mitteln ausgestattete angreifende Armee muß doch wenigstens Dörfer und wichtige Punkte im Gelände wegnehmen, und der Heeresbericht mühte dann diese Wegnahme als Sieg feiern können. Aber nein, nichts ist geschehen. Mehr als hundert Dörfer befinden sich in der Feuerzone zwischen dem scharfen Aisne-Knie und Moronvilliers, mehr als hundert Dörfer und Weiler, von strategischen Punkten wie die Hurtebise-Ferme ganz zu schweigen. Und trotzdem ist kein einziger dieser Punkte in französischer Hand geblieben. Nichts konnte der französische Heeresbericht melden, nichts. Aber heute, heute wird es sein!
General Nivelle glaubt an sich und sein Können. Die zwölf unangetasteten Divisionen der IV. Armee unter General Anthoine werden die Scharte auswetzen. Auf ihren Spuren wird der Durchbruch erfolgen. Eine andere Landschaft wird also den französischen Sieg sehen, aber immerhin eine französische Landschaft wird es fein. Und wer weih, Mangin wird doch"Uoch Laon holen, auf den Bajonettspitzen seiner Senegalneger. Er wird die Landschaft an der Serre und darüber hinaus mit seinen Farbigen überschwemmen, nur mit einem Tag Verspätung, weiter nichts. Aber er wird sein Ziel erreichen. Und nun ist die Stunde für General Anthoine gekommen.
Die horizontblauen Sturmlinien erheben sich. Noch kämpft der Tag mit der Dunkelheit, noch ist das Schneetreiben so bidjt, dah kaum hundert Meter weite Sicht möglich ist. Der Zeitpunkt ist günstig wie nie. Die Feuerwalze Nivellescher Erfindung rollt und tastet Meter für Meter und Schritt für Schritt das Gelände nach hinten ab, langsam, aber sicher. Keine Ecke läht sie aus, keinen Sappenkopf, keinen Unterstandsgraben, kein Maschinengewehrnest. Und da sind die Infanteristen des Generals Anthoine in den vordersten deutschen Linien.
Hier hat man i>ie vorderste Linie auf gegeben und zum Vorfeld erklärt. Die deutsche Heeresleitung hat auch hier nur schwache Kräfte, sozusagen Schützenfchleier mit leichten Maschinengewehren in der Kampfstellung belassen, um weiter zurück die Hauptlinie erbittert verteidigen zu können. Auf diese schwachen Postierungen stoßen nun die Sturmdivisionen des Generals Anthoine.
Deutsche Signalraketen versuchen, die Schneewehen zu durchleuchten, um der Artillerie die Alarmnachricht rnitzuteilen. Aber hinten ist nichts zu sehen. Zerschossen sämtliche Kabelleitungen. Nur einigen todesmutigen Gefechtsläufern gelingt es, bis zur Haupwerteidigungslinie durchzukommen und den erkannten französischen Angriff zu melden. Wer inzwischen ist aus der ganzen Angriffsftont das Jnfanteriefeuer entfesselt und mahlt und knattert und peitscht in höchster Wut.
Badische und westfälische Regimenter sind's, die hier den wuchttgen Stoß der Armee Anthoine auffangen und vereiteln. Nicht nur das: aus der Tiefe steigen die deutschen Bataillone zum Gegenstoß und fangen den sranzösischen Angriff im Nahkampf ab. Im Krachen der Handgranaten, im Belfern der Maschinengewehre ersttckt auch hier die groß angelegte sranzösische Offensive. Nur einige Höhen haben die Franzosen besetzen können. Der große Durchbruchsversuch der Armee Anthoine ist gescheitert.
Aus mehr als 20 Kilometer Frontbreite ist die verschneite Landschaft mit Toten und Verwundeten bedeckt. Kompanieweise hasten die Leichtverwundeten zurück ins Hinterland. Um 8 Uhr in der Frühe ist bereits alles erledigt, ist die Schlacht geschlagen, die Niederlage am rechten Flügel der großen Ofsensivfront endgültig besiegelt. Französische Batterien überschütten die hartnäckige Verteidigungssront mit einem Hagel von Brisanz- und Gasgranaten. Schwere Schisfsgeschütze und Eisenbahnbatterien mischen sich ein, ohne Rücksicht auf Munitionsverbrauch, und schicken chre zentnerschweren Geschosse in die deutschen Bereitschaftsstellungen.
lieber die breite Angrifssfront, die nun wieder die vielgenannte Schlachtsekdleere zeigt, belfern hin und wieder noch ftanzösische Maschinen- gewehre letzte Ohnmacht.
Deutscher Heeresbericht vom 18. April 1917.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Auf dem Schlachtfeld an der Aisne ruhte gestern vormittag der Kamps; der Franzose führte seinen Durchbruchsstoß nach dem Mißerfolg des Vortages im Hinblick auf die erlittenen Verluste mit den abgekämpften Divisionen nicht fort.
Erst in den Abendstunden setzten Teilangriffe des Gegners ein ..
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(Fortsetzung folgt.)
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eine allerletzte Möglichkeit, die Anerkennung feiner Niederlage und bas Abblasen des Angriffs. Aber was u’„- !*““** an‘*
er da vor dem Urteil der Geschichte, dieser Oberbefehlshaber, der Wochen- lang, monatelang seiner Nation lichte Hoffnungen auf den Sieg und den Durchbruch der Feindfront vorgaukelte, der das Land zur letzten unb gewaltigsten Machtensaltung ausstachelte, um dann zu versagen, am zweiten Dag der Offensive schon, weil er den erhofften Durchbruch nicht beim ersten und nicht beim zweiten Ansturm erreichen konnte. Ja, wie wnd dieser General vor dem strengen Urteil der Geschichte stehen, wenn er
Oie Toten des Weltkriegs.
Don Gerhard Schumann.
Weil diese starben, steht für euch die Fahne. Erfchauert ihr und beugt euch stumm hinab. Reißt sie ins Herz, daß sie euch brennend mahne: Sic weht, weil einer sich zum Opfer gab.
Sie weht, weil immer wieder einer wild
Dem Sinkenden sie aus den Fäusten riß. O wie dies heranquellend herbe Bild Uns stumm macht in das Schicksal und gewiß.
Ihr wahrt dies Bild den Kindern, die da kommen.
Und reicht die heilige ewige Flamme fort.
Unb lehret sie mit mutigen unb frommen
Unb festen Herzen dieses dunkle Wort:
Das Leben lebt, weil einer sich verschwendet, Der mehr als sich die wehende Fahne liebt. Das stürmische Leben, welches niemals endet. Solange einer sich zum Opfer gibt.
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brachen feine Sturmwellen Im Feuer zusammen ober wurden im Nahkampf zurückgewiesen. . k ,
Die am frühen Morgen einsetzenden Angriffe der Franzosen in der Champagne brachen nach stärkster, feit Tagen bereits gesteigerter Rückwirkung in etwa zwanzig Kilometer Breite vor. Der auch dort vom Feinde erftrebte Durchbruch wurde in unseren Riegelstellungen ausgesan- gen. Im Gegenangriff wurde den dort kämpfenden französischen farbigen Divisionen bereits erreichte Waldstücke zwischen Moronvilliers unb Auberioe wieder entrissen und ihnen an 500 Gefangene und eine Anzahl von Maschinengewehren abgenommen...
Die Gefangenenzahl hat sich auf über 3000 erhöht...
Die 48 Stunden des Oberbefehlshabers sind um, sind rettungslos versickert im unendlichen Schoß der Ewigkeit. Niemals wird eine, auch nur eine einzige Stunde zurückzuholen sein. Und tnas geschah, das bleibt geschehen, unb nichts wird die Niederlage rückgängig machen können, und kein Heeresbericht kann sie beschönigen. Nur 48 Stunden und keine weitere Stunde darüber verlangte Nivelle für seine Durchbruchsschlacht. Gut, bas
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Gut, Frankreich soll nicht vergebens sein Schicksal in Nivelles Hand gelegt haben. Der Oberbefehlshaber wirb durchhalten. Es wird feine Tragik fein, das eigene Wort zurücknehmen zu muffen. Sich selbst und seinen früheren Behauptungen muß er untreu werden. Aber er wird es tun. Daß er der Nation viel versprochen hat, Erfolge, die er nun nidH nachweisen kann, liegt an der ganzen Einstellung des Volkes, liegt an dieser unseligen, von verantwortungsloser Presse genährten Kriegspsychose. — General Nivelle ist in diesem Augenblick der tragische Feldherr, der sich selbst vor der Zukunft und vor der Geschichte verdammt. Nur seine Nation, die ihm blindlings verttaute, nicht in einen Taumel Entmutigung fallen zu lassen.
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Trommelfeuers und bes anschließenden, tiefgegliederten Jnfanteriestoßes aufgeben müsfen. Aber die ausgebluteten, ausgedörrten unb menschenarmen deutschen Regimenter haben gehalten. Und sie werden auch ferner halten, in prachtvoller Disziplin stehen und den Durchbruch verhindern. |||
Schicksal hat sie ihm bewilligt.
Die Stunden sind verronnen, unb der Deutsche sieht, steht immer noch eisenfest in seinen Verteidigungslinien. Es wurden ihm Gräben genommen, es wurden ihm einzelne Unterstände entrissen. Maschinengewehr- nester und Minenwerferbettungen wurden vom Poilu überrannt unb zer- ......
stört. Einzelne Höhen und Geländestreifen hat man unter der Wucht bes »eilige Trommelfeuers unb bes anschließenden, tiefgegliederten Jnfanteriestoßes MM uni
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jetzt die Offensive abbläst?
Die Geschichte, das weiß General Nivelle, wird ihn sicher entschuldigen, wirb ihn unter Umständen loben unb jene Selbftüberroinbung preisen, die den eigenen Stolz niebertrat, nur um der Heimat unnütze Verluste zu ersparen. Die Geschichte aber ist die Stimme der Zukunft, unb jetzt befindet sich Frankreich in der harten, kriegerischen Gegenwart. Unb dies« harte Gegenwart erfordert Handeln unb keine langen unfruchtbaren Ueber- legungen. Die Nation hat den letzten Mann, das letzte Geschoß und die iw; uner letzten Spargroschen für diese Durchbruchsschlacht zur Verfügung gestellt. , Diese Nation kann mit Fug unb Recht verlangen, baß alles nun nicht p vergebens war. I j ™
Erfolge, Erfolge! Nur der Erfolg entschuldigt. Jawohl, einem erfolg- ,, reichen General wird man sogar die blutigsten Eigenverluste verzeihen I können. Ader einem Oberbefehlshaber ohne Erfolg wird man jeden Ver- mundeten nachweisen. Man wird ihn für jede unnütze Patrone, für jedes ■ n Verbandpäckchen, für jede vorkommende Kleinigkeit verantwortlich machen, H Hat man dem großen Kaiser Napoleon Vorwürfe gemacht, als er immer und immer wieder von der Nation die größten Geldopser unb Blutopser verlangte? Nein, gern unb jubelnd hat Frankreich alles hergegeben, roeu j*l jj“ der Erfolg auf seinen Fahnen geschrieben stand. Erst dem alternden, bem is müden, dem an der Beresina geschlagenen Kaiser murrte das Volk eilte ,


