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Verantwortlich: Dr. Hans Lhhrlot. — Druck und Verlag: Drühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, Gießen.
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Gefangenschaft ist der Blick ’m den Rücken des Krieges, wasfenbs, tatenlos, unnötig in einer Zeit, dessen ehernes Gesicht die Bruder iet Front prägen.
Was bleibt? Der Grund, die Antwort auf das „Warum!" Deutsch land! Stumme Selbstverständlichkeit, geheime Quelle, die nicht »erfL.gt und das letzte Lächeln des Trotzes nicht löschen kann.
I'tuvci ^luuini yvviuu/i yuiix, UUfj Ul« -LrUVlllüH u-ieses yiuiiviu/'-'* | ältesten deutschen Heeres, dieser kleinen, aber mustergültigen, so rühm«"' fechtenden und nie, auch nicht im kleinsten Gefechte besiegten öfterrcitW" ungarischen Flotte einst einaehen werde in die Ueberlieferung des gesan>’ deutschen Heeres. Damals schon ahnte ich das. Und darum hat fast l«S5i j Wort, das ich schrieb, diesem heiligen Ziele gegolten.
wie ich sie bisher mein Leben lang noch nicht getragen hatte, so derb und rauh, dazu Drillichhosen und Drillichjacke, Halsbinde und Rekrutenkappe und — Fußlappen. Daraus fiel mein Stolz, meine schöne Tolle. In aller Freude empfand ich hier einen heftigen Schmerz. Einer Kor- poralschast wurde ich zugeteilt, ein Korporalschaftsführer blies mich gleich so heftig an, daß der ehemalige Primaner und das verwöhnte Muttersöhnchen einfach fortgeweht wurden, nur der Rekrut blieb übrig. Ich schrieb einen langen Brief an die Eltern.
Nach zwei Tagen trafen sie in Breslau ein und besuchten mich. Mutter war sichtlich erschrocken, als ich in meinem Drillichanzug mit schweren Stiefeln wuchtig auftretend, vor ihr stand. Aber Datei lachte stolz und froh. Nun ja, Vater war ehemaliger Hirschberger Jäger. Er legte mir die Hand auf die Schultern und meinte: „Da wollen wir mal zusammen essen gehen, ich habe für dich Ausgang erwirkt."
Ich antwortete knapp, aber begeistert:
„Jawohl, das wollen wir..."
Sechs Wochen später wurde ich bereits nach beendeter Ausbildung der Ersatzbatterie zugeteilt und nach weiteren fünf Wochen, der Herbst wehte schon über das Land, standen Vater und Mutter an der Rampe, ich in meiner neuen feldgrauen Uniform bei ihnen, einen Blumenstrauß am Karabinerlauf und Blumen am Helmüberzug.
Als wir abfuhren — es ging nach Westen — mußte Vater Muttern stützen, aber sie lächelte doch, sie lächelte unter Tränen mir nach, als der Zug langsam anfuhr.
Ein Lied setzte ein, wir nahmen es alle aus:
,La, mit Herz und Hand fürs Vaterland..."
und dann:
„Die Vöglein im Walde, die sangen so wunder-wunderschön. In der Heimat, in der Heimat, da gibt? ein Wiedersehn..
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Bom schwarzgelben Reiter zum Soldaten des Reiches,
Von Alfons F r e i h « r r n v. C z i b u l k a.
Als Leutnant mit Wartegebühr — Wartegeld — beurlaubt, weil id, Maler werden wollte — das Schriftstellern kam erst später —, erlebte q aus der Buchgewerbeausstellung in Leipzig den Augenblick, in dem üe Militärkapelle, deren Klänge über die fröhliche, unbeschwerte Menge ier Ausstellungsbefucher hinfchmetterten, mitten im Spiel plötzlich abbrah, und eine Stimme das Telegramm vom Morde in Semjewo verlas. Si<ch Minuten des Entsetzens und der Beklommenheit brausten das Deuish- landlied und der Prinz-Eugen-Marsch auf. Damals schon wußte ich, äch Krieg sein werde.
Die Bekanntmachung der österreichisch-ungarischen Gesamtmobilisieruiig las ich in Breslau, wo ich die Kunstakademie besuchte. Noch am gleiche Abend fuhr ich nach Wien. Schon in Uniform. Womit ich einiges Ais- sehen erregte, als ich mich im leuchtendblauen Waffenrock, in feuerro «r Stiefelhose, mit dem Goldhelm, den wir österreichischen Reiter schon lei Alpern, bei Liebertwolkwitz und Leipzig getragen haben, durch die Men- schenmenge im Breslauer Hauptbahnhofe zwängte. Betroffene Blicke - rote Hosen hatten ja auch die Franzosen —, dann das jubelnde Erkenne»: „Ein Oesterreicher!" Hundert Hände streckten sich mir entgegen, als ih am Wagenfenster stand. Der Ruf einer fremden Stimme „Soldatenglück!' war der letzte Gruß, den ich aus dem damaligen Deutschland mit iw nahm, als der Zug aus der Halle rollte.
Das Lodern der Wachtfeuer um die Bahnhöfe, das Deutschlands, die Wacht am Rhein, das „Gott erhalte", das sind meine ErinnerunM aus jener Nacht, in der ich durch Preußisch-Schlesien und Mähren füll. Ob ich damals schon die Gemeinsamkeit alles deutschen Schicksals begris weiß ich nicht. Noch sollte ja über ein Jahr vergehen, bis ich reihi- deutsche Kameraden im Felde sah. In den ersten, harten serbischen Feld zügen, in denen uns selbst das Wetter so feindlich gesinnt war, M Feldgeschütze auf den Straßen bis an die Rohre versanken und PferA ertranken, und dann am Jsonzo standen wir allein. Bei jener Dioist-n habe ich den Beginn dieses neues Krieges erlebt, die mit 48 alten Geschützen und einer 30,5-Motormörserbatterie an der weiten, über die Steii-i- wllste der Hochfläche von Doberdo von Görz bis zur blauen Wasserweit! des Golfes von Trieft sich hinschwingenden Front allein in den Kampf trat. In der Gluthitze des tropischen Karstfommers jener zwei erft n Jfonzoschlachten, als die Cholera wütete und es für Mann und Dffijii« täglich nur zwei Liter Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen gut. Damals schon habe ich, als wir zu erfahren begannen, daß das k. u..l. Heer von Kriegsbeginn bis Weihnachten über 90 v. H. (!) feines Stand-.» auf den Schlachtfeldern im Norden hatte liegen lassen, als wir hört«, bofs Conrad unter Entblößung feiner eigenen Front zwei Drittel feim Divisionen vor Preußisch-Schlesien, vor die Tore des Reiches befohl-m hatte, und es nun schon das dritte Heer war, das Oesterreich aufstellik in mein Kriegstagebuch geschrieben: „Auch sie starben, damit DeutfÄ land lebel"
Und als ich dann das österreichisch-ungarische Heer und das kaiferlüf deutsche bei Belgrad todesmutig über Donau und Save gehen sah, ds das Hechtgrau der Oesterreicher, das Feldgrau der Reichsdeutschen ein den stürmenden Schwarmlinien schimmerte, als die Befehle und Melde n> gen, die ich als Ordonnanzoffizier überbrachte, bald brandenburgisch^', bald steirischen, bald bayerischen, bald rheinländischen, sächsischen od-a würtlembergischen Regimentern, bald ungarischen oder egerländisch«» Truppen galten, bald Kroaten, Pommern öder Kärntnern, da wußte daß es nicht Deutschland und nicht Oesterreich-Ungarn waren, sonder« immer noch das alte heilige Reich, das unter zwei Fahnen wohl, ab-n unter dem einen deutschen Kommandowort um Sein oder Nichtsein fofit, wie einst in den Tagen des Prinzen Eugen.
Nahe bei Alexandrovac, der Sommerresidenz des serbischen Königs war es, daß ich, der österreichische Dragoneroffizier, an einem November tage eine Patrouille preußischer Husaren führte, die einst im Sieben- jährigen Krieg, bei Kolin, mit meinem Regiment die Klingen getreu,4 hatten. In dieser Stunde geschah mir das Wunder, daß ich mit einem Male die Gemeinsamkeit alles deutschen Soldaten tu unerkannte. Und nicht nur das. Immer, wenn hinter mir der GaloppsäM der preußischen Reiter pochte, die Fähnlein von den Husarenlanzen sinterten — der Husarenzug, der uns zugeteilt war, hatte keinen Offizier -- wußte ich, daß einmal wieder kommen werde, was einst schon gewesen: das Reich aller Deutschen.
Gefangenschaft.
Von Rudolf Ahlers.
Es kann hier nicht tn>. Erinnerungen gehen. Der Krieg gab. mehr; er hämmerte eine Wirklichkeit ohne Gnade in die Gemüter, die ihren Sinn ein Menschenleben hindurch behält. Er hämmerte sie in die Gedanken der jungen Menschen zumeist und dies in jener Lebensspanne, die allem Erleben und Aufnehmen von Eindrücken weit sich öffnet, um später aus gewonnenen Erkenntnissen in eine Haltung hineinzuwachsen, die das Gesicht des Mannes zeichnet und feinen Charakter ausmacht.
Gefangenschaft aber ist ein Zustand, der dem Wesen des Krieges widerspricht. Krieg ist Bewegung, ewige Wandlung vom Heute zum Morgen, Ungewißheit unbekannten Schicksals ist der tägliche, ja stündliche Begleiter. Gefangenschaft ist Verharren, dumpfer Zustand des Wartens, sinnloser Zustand tagtäglicher Wiederholung der gleichen Gesichte, der gleichen Bilder. Sie ist der ewige Kreislauf gleichbleibender Gedanken, die vor den Stacheldrähten halt machen und nicht weiter können. Es gibt keine Zukunft, es gibt weder Spannung noch Frage nach einem Morgen, denn dieses gesellt sich brudergleich dem Heute, häuft im gleichen Inhalt Tage zu Wochen, Wochen zu Monaten und diese zu Jahren, so wie die gleichgeschnittenen Karten eines Spiels aufeinander liegen.
Gefangenschaft widerspricht der Haltung des Soldaten. Seine Kraft nährt den Kampf. Sein Glaube gilt dem Sieg. Er ist eingegliedert in diese große Bewegung seines Volkes, mitgeriffen von einer Flut, die den Gegner ertränken will. Seine große Befreiung ist immer die Tat. Gefangenschaft trägt das Brandmal der Besiegten auf der Stirn. Das ist ihre größte Bitterkeit. Gefangenschaft ist ohne Tat, ohne Befreiung und !— im letzten Grunde würdelos. Das ist ihre Not.
Sie geschieht ohne Schuld. Sie geschieht plötzlich und unvermutet in jenen Minuten, in denen ein Grabenstück abgeriegelt, eine Patrouille abgeschnitten, eine Welle angreifender, heiß erregter Menschen unterlaufen wird. In diesen Minuten ist für sie der Krieg zu Ende. Sie blicken nicht mehr in fein gnadenloses Gesicht einer ehernen Notwendigkeit: Mannes- tum, Einsatz, Bereitschaft können sich nicht mehr bestätigen im Spiegel seines Antlitzes. Der Soldat stirbt in dieser Stunde.
Seine Ehre wird ihm genommen in dem Augenblick, wo der Gegner seine Masse lächelnd in den Händen wiegt. Es bleibt nur noch der Mensch und dieser hat sich einzurichten mit dem, was bleibt.
Es bleibt der Trotz und später nach den ersten Monaten endloser Pendelgänge am Stachelzaun die gleichgültige Gelassenheit allem Geschehen gegenüber als einzige Waffe sich, zu schützen gegen ein Dasein, das diesen Namen nicht verdient. Sein bestes Teil heißt Warten. Letzte Revolte gewaltsamen Entschlusses bleibt der Fluchtversuch und. dreißig Tage Dunkelarrest sind nicht zu teuer für den Rausch bezahlt, in dem der Ansturm, die Freiheit zu gewinnen, für einen Augenblick erlösend auf- flamnüe. Dann aber umgrenzt wieder der Zaun ein Dasein, das nur noch Warten heißt. Seine Gefahr bleibt, in einem Zustand zu erstarren, dann wird es dumpf, gedankenlos, gleichgültig und die Gewohnheit walzt es platt. Die Besten, die Gesundesten erinnern sich immer wieder daran und halten das Gehör wach für die Zeit, die — dennoch wandert über die blutenden Länder. Front ist Bewegung, Marschieren heißt Ferne. Der Gefangene lebt die Nähe.
Gemeinschaft? Kameradschaft? Was zu sagen ist, ist längst gesagt. Sie kennen einander wie ihre Hosentasche, jede Falte, jede Geste, jeden Gedanken, jede Stimmung und — was schlimmer ist — jede Schwäche. Sie reiben sich aneinander wie es Tiere tun in Freiheitsdrang und Ungestüm, die zusammengepfercht auf langen Transporten stehen. Zu nahe hat die Zeit sie verfrachtet, die Reise hat kein Ziel, sie scheint ohne Ende. Die Wachen wissen es und tragen dem Umstand Rechnung. Wohl spannt sich einend über sie der Bogen gemeinsamen Blutes, der Heimat, aber Schicksalsverbundenheit will Bewegung und Tat, sonst erkaltet sie und wärmt nicht mehr.
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Und später, in dem heroischen Kampfe an der Hochgebirgsfront uir) während der österreichisch-deutschen Offensive von Flitsch und Tolmem, i wurde es mir zur Gewißheit, daß einst die ganze stolze Tradition dieso- altösterreichischen Heeres, das so beispiellos gefochten und geblutet, l®51 Preußisch-Schlesien vor russischem Einbruch bewahrt, das siegreich die .1S Riesenschlachten am Jsonzo geschlagen, das den Alpenwall über M z menschliche Möglichkeit gehalten, das pro Regiment bis zu 45 'M
bataillone ausgestellt und die höchsten Blutopfer aller im Weltkrieg kam»- fender Staaten gebracht hatte, daß die Tradition dieses glorreichen uiro ! , w rtflöffen hflitKÄxaCa aavaa XIaTa«* f a fllhttlDÖ«* I , •
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