Montag, den 2. Oktober
Jahrgang 1939
Nummer 76
Herz, wo liegst du
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allerfrüheste» Morgen holprig über den bewegte, war ein altes Vehikel, das der
Die Kutsche, die sich am Place d'armes von Mereville
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kreuzung, Kellings Mienen waren, wenn er sich von seinen Untergebenen nicht beobachtet glaubte, der leidenschaftlichste Widerspruch gegen sein« eigene Anwesenheit in Blisseron.
Tabakpfeife, die verstopft war, reinigen zu dürfen. Der Postillon entdeckt« an der Ofentür einen Draht, den er stumm seinem Begleiter reichte. Der andere nahm di« Pfeife mißmutig auseinander und stocherte in dem Pfeifenrohr herum. ~ ~ t ,
Die Griselle deutete gestenreich an, daß im Flur ein Bündel m.t einigen Habseligkeiten liege, das sie mitnehmen wolle.
„Aber nur bis Blisseron das Weib!" sagte der Landwehrmann.
.Marum nur bis dorthin?" fragte Weidlich.
„Weil wir nur bis Blisseron Postorder haben!"
Und wer fährt die Post von Blisseron weiter?" fragte Weidlich.
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französischen Post gehört und bereits seinen Dienst lang« vor Errichtung der ersten Eisenbahn getan haben mußte.
Man vermißt bei ihrem Anblick sofort den Schwager mit blinkendem Horn und dachte an den Postillon von Lonjumeau.
Die deutsche Feldpost aber hatte die Kutsche nüchtern und unromantisch beschlagnahmt und sie auf eine der sogleich eingerichteten Linien, welche di« einzelnen Kommandos verband, gesetzt.
Der Tag war, wie gesagt, in Mereville noch nicht erwacht, das Licht dehnt« sich noch, die Stube in der Mairie war schwarz.
Unteroffizier Weidlich schlief, während vor der Mairie der letzte Wachtposten der Nacht sich auf Ablösung freute.
Niemand hatte sich darum gekümmert, wo Germaine Griselle die Nacht verbrachte, da man sie im Hause des Herrn Beauvisage vermutete.
So wunderte sich auch Weidlich nicht, als Germaine in die Stube trat. Di« Tür knirschte in den Angeln, es klang wie das Lachen eines Schelmen. Gestern hatte die Tür noch nicht gekreischt.
Die Griselle nahm die Vorhänge von den Fenstern, die Stube füllt« sich mit dem falben grauen Licht des langsam heraufkriechenden Tages.
Weidlich blinzelte durch die schlaftrunkenen Lider und erinnert« sich sogleich: Ach dieses Weib!
„3a du großmäulige Zänkische, nun geht es fort, das hast du davon!" sagte Weidlich, und Germaine verstand es nicht.
Aber sie begriff wohl den Sinn dieser Worte, sie hob die Arm« steif von den Hüften und ließ sie wieder fallen; die Geste sollte wohl heißen, daß sie sich in ihr Schicksal ergebe.
Auf der Postkutsche saßen ein Postillon und ein Landwehrmann. Die beiden stiegen ab. Sie fröstelten, denn der Morgen war kühl.
Der Postillon hob einen Postsack aus der Kutsche. Der Landwehrmann suchte mit den Augen und erkannte die Mairie an dem Posten, der vor dem Hause stand. Die beiden schlenderten hinüber. Der Platz war still.
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»I, [Kid Er öffnete den Verschlag, zog die Griselle zu sich herein und wurde
Es war nachtschwarz im Raume, die Stund« zu heimlicher Liebkosung wie geschaffen, denn die Soldaten im Hause schliefen. Der kühnen Liebe schönste Eigenschaft ist die Sorglosigkeit.
Aber Germaine wehrte ihn hart ab und zwang ihn zum Zuhören. Die beiden hielten Kopf an Kopf eine flüsternde Zwiesprache, eine ähnliche wie sie vorhin in der Mairie mit Ann Moreland geschehen war.
Theophil küßte sie, nachdem er alles vernommen hatte, dann sagte er nbrünftig: „Wenn das nur gut geht!"
Aber er wehrt« ihr nicht, als sie davonging. Er lauschte ihr lange nach und glaubte zu hören, daß sie das Haus wiederum verließ.
Der Hauptplatz von Blisseron konnte in keiner Weise mit dem Place b’armes von Mereville ausnehmen. CTn Schelm zeigt mehr, als er hat, und Blisseron war ein biederes Dorf und nicht schelmisch genug, sich anders zu geben, als es war. m
Es versuchte nichts vorzutäufchen: es, war ein Dorf mit Wohnhäusern, Scheunen und einer Dorfstraße.
Zwei große Landstraßen kreuzten sich hier, just an deren ochnitt- auntt weitete sich die Dorfstraße zu einem Platz, auf dem aber weder Baum noch Strauch stand. Es sah aus, als habe sich das Dorf heftig llewehrt, etwas von dem Grün zu übernehmen, das die Natur rings um Blisseron mit Verschwendung ausgestreut hatte.
Doch war der Platz nicht ohne Leben, es rauschte zwar feines Vaumes Krone im Wind, dafür sandte ein plätschernder Röhrenbrunnen seinen strahl in ein langes rechteckiges Becken, dessen aus derbem Holz gesettig- *r breiter Rand eine handliche Unterlage für die Wäsche war, welche Blisserons Frauen und Möade an diesem Brunnen und in diesem Becken Duschen.
Sie Bewohner von Blisseron waren minder zurückhaltend als die von Mdreville. Die Natur bestimmt den Taglauf des Bauern, ob draußen, M Stall oder auf der Tenne. Die Natur verlangt, für dos Brot,p
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Bor der Posthalterei stieß er auf Krätke: „Wie gefällt es Ihnen **" DaneszX iophische Gelassenheit zurück und erwidert«,
pictäYy nirgends beklagen dürfe. Es fei wunderschön, isseron. Kelling blickte sich um, als sei das
SiehenerZamilienbMer
Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger
Inne, die aus Holzschuhen bunwestrump,i .
Reiber waren ein sehr vergnügliches Bild, das sich dem Premierleut Selling bot.
Er wunderte sich, wie wenig der Krieg dieses Dors verändert hatte, ssreilirfj, (,;er roar weder ein Äefecht, geschweige eine .9 Jhj' ^ dörfliche oder bürgerliche Tageslouf hatte in dieser Gegend, die ruh g » .^esitz genommen worden war, kaum eine Unterbrechung h, ' ^.'denschasten, welche sich gegen die Eroberer zu sammeln versuchten, sieben in den S'uben und Kammern versteckt und wandelteni sichI in rUMpf« Ergebenheit oder Haß gegen die eigene Führung, von der man
Inzwischen vollzog sich die Einschließung von Paris, und Kellings Manen hüteten zu ihres Premierleutnants Mißvergnügen eine ö
«■■■< t zuwerfen lassen — ich lese meinen Brief r Nähe die Gefahr steht und mich ansieht! rvir halten am Waldrand, vor uns, wo der Wolke am Horizont lagert, dort ist Paris! W fein! Hier hocken! Krätke, heulen Sie!" und die Post war auf ruhiger Straße
rgendwo verborgen und es tarne sich nur
। hoffe, freudige Abwechslung blüht uns frei» r zaghaft, „die Feldpost kommt heute!"
• Rädchen, die ihr sauber gezahnt ineinander- rieffegen der Heimat über die einsamen Kom-
h wünschte, ich könnte mir die Zeichen der


