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«,Nach Golde drängt, am Golde hängt..
Eine Geschichte von Carola Ihlen bürg.
Nichts ist auf einer Autoreise spannender, als der Augenblick, wenn bit Motor anfängt unregelmäßig zu klopfen, zu niesen und ein bißchen Aszusetzen. Der Blick irrt von der Benzinuhr auf den Oelstand, dann diickt man auf den Starterschlüssel, schaltet die Gänge, mißhandelt dn Gashebel und sagt endlich: „Nanu?"
Nachdem man dann mit möglichst sachverständiger Miene ausge- stegen ist und die Motorhaube geöffnet hat, betrachtet man das verirrende Gebiet, das sich darunter befindet. Man kann auch die Ben- Aizufuhr und einiges andere zu untersuchen scheinen, aber recht vor- sthtia, damit man sich nicht die HaMchuhe verbrennt.
Wenn ein solches Ereignis sich in einer Ortschaft abspielt, hat man Od. Es ist eine Gelegenheit, ein Gasthaus aufzusuchen und dort eiwas ganz Unzeitgemäßes zu sich zu nehmen, zum Beispiel einen Grog tot Vormittag oder Spiegeleier zum Nachmittagskaffee. Ich sinde über- h-upt, eine Panne ist etwas sehr Behagliches. Sie kommt als unoor- hrgefehene Abwechslung, sie schaltet sich ein in die Gleichförmigkeit der grhrt als eine Paufe, ein Zwischenakt. Meistens erlebt man etwas »bei, einen ulkigen Gastwirt oder einen Wunderhund oder einen philosophischen Tankwart oder eine Hochzeit, wenn nicht gar eine Dorf- sdlägerei. Ein richtiger Autofahrer sollte sich die Erinnerung an seine Pannen sammeln.
Als wir das letztemal eine hatten, wollten wir gerade um den zier» lihen Marktplatz eines alten Städtchens herumfahren. Als der Wagen endgültig von selber bremste und noch ein paar Meter weit ausgerollt Sitte, stand er vor dein Eingang des Gasthauses „Zum vollen Mond". Ein .dtter und ein Hausdiener eilten heraus, um uns in Empfang zu nehmen, fahren Sie nur noch um einige Zentimeter näher an den Bürgersteig heran!" bat der Hausdiener. Das war leicht gesagt, aber wir konnten nicht. Der Wagen glaubte, seine Schuldigkeit getan zu haben, md reagierte auf kein Zureden mehr. Also stiegen wir erst einmal aus, Verteilten den weisen Mann aus der Reparaturwerkstatt und traten in btt „Vollen Mond". Schon im Vorraum roch es nach einem ausgezeichneten Ragoüt fin, worauf wir sofort beschlossen, welches zu essen.
Im Gastzimmer sahen vier oder fünf stattliche Männer und tranken ®er. Sie redeten sehr laut. Es war zu vermuten, daß sie schon recht lange hier saßen und Bier tranken. Offenbar waren sie in ein sehr tltfes Gespräch verstrickt, aus dem sie nicht recht wieder herauskommen Hinten. Die ersten Worte, die wir verstanden, hießen: .„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles, ach, wir Annen!', sagt Goethe."
Diese Bemerkung kam von einem Mann, der sehr schlicht gekleidet »tr und dessen Hände noch viel Arbeit aussahen. Ein anderer, der ihm ggenüber saß, zuckte die Achseln und entgegnete laut: „Das sagt gar nicht Goethe! Du immer mit deinem Goethe!" — Hierauf der erste: „Ra, wer sagt es denn? Wenn du schon immer alles besser weiht!"
Der Besserwisser war entrüstet, dachte scharf nach und behauptete schließlich: ,^Jch sage ja nur, daß es nicht von Goethe ist! Weiter sage ich ja gar nichts! Aber darauf möchte ich wetten!"
Jetzt legte der Mann mit dem schlichten Anzug fich mächtig ins ’ H:ug: „Und ich wette dagegen! Um was soll es gehen?"
Beschwichtigende und anfeuernde Reden begleiteten den Lärm, der sich gleich darauf erhob. Der Besserwisser hatte nämlich in einem Zuge fein Glas wieder geleert, knallte es auf den Tisch und schrie: ,Hch wette in hundert Mark, daß das Wort nicht von Goethe ist!"
Der andere eichleichte, aber unter feinen Augen erschienen rötliche sskcken. „Ich halte die Wette!" schrie er dagegen, obgleich seine Stimme jinnlich kraftlos war. Es wurde daraufhin ziemlich still an dem Tisch Otr Zechbrüder. An unserem eigenen Tisch wurde ebenfalls fein Wort hit. Es gibt Situationen, in die man sich eben nicht einmischen kann. Man öffnet wohl hundertmal die Lippen, aber man sagt doch nichts. Man hat in seiner Jugend schlechte Erfahrungen gemacht mit solchen i kinmischungen, die immer unerwünscht sind. Man ist zu der etwas Ahmütigen Ueberzeugung gekommen, daß man die Leute in Ruhe Hen soll, die einen nicht gefragt haben. Das Ragout fine dampfte vor ii'5 in den Muscheln, und in den Schoppengläsern glänzte ein vorziig- W»er Rheinwein. Trotzdem schmeckte es uns nicht so recht, denn wir Aren wieder einmal die unfreiwilligen Zeugen von menschlicher Maß- loigteit, Eitelkeit und jener trüben Leidenschaft, die manche Leute sich Mi Kopf und Kragen, bringen läßt.
Wie es schien, war die Wette bereits abgeschlossen und sollte gelten, fer nun legte sich der Wirt ins Mittel, indem er sagte: „Augenblick, im ine Herren! Ich bin hier der Wirt! Ich verlange jetzt, daß die beiden, li: hier wetten wollen, noch fünf Minuten Bedenkzeit einhalten! So- latge kann jeder der beiden noch von der Wette zurücktreten, in welchem Stile ich eine Lage ausgeben würde!"
Diese Worte wurden offenbar respektiert, wenn auch die beiden i Aigner mit scheinbarer spöttischer Gelassenheit weitertranken und Wichten. Im Raume stand fast greifbar die Summe von hundert Mark, fee große Summe, wenn man sie mit seiner Hände Arbeit erwerben
Traum in Musik.
Von Herybert Menzel Heute lag ich ohne Schlaf, Lauschte dem Konzert der Sterne, Das aus blaugewölkter Ferne Mich wie Regen traf.
Mein Oemüte Eine Blüte War im Paradies.
Bis die Flöte Morgenröte Und Erwachen blies.
muß ober wenn man sie durch Pfennigoerdienste ober burch mühsames Denken und Streben zusammenscharren soll. Dieses Gastzimmer vom „Vollen Mond" war jedenfalls kein Spielsaal in Monte Carlo, sondern ein wohlfeiler Ausschank in einer kleinen Ackerbürgerstadt.
Jeden Augenblick der endlosen fünf Minuten war einer von uns bereit, zu jenem Stammtisch hinüberzugehen und die Wette zu hinter- treiben. Dabei wußten wir alle sehr genau, daß dies recht eine unglückliche Lösung herbeigeführt hätte. Schließlich hätte der Gewinner uns ja haftbar machen können, und wir hatten alle zusammen keine hundert Mark übrig.
Die Sekundenzeiger tickten ihre schnellen Kreise, die Minutenzeiger der Uhren rückten nach. Auch der Besserwisser hatte sich langsam ver- färbt, er starrte jetzt düster in sich hinein. Vielleicht dachte er in seinem Trotz plötzlich an alle die Dinge, die man von dem vielen Geld bezahlen konnte. Vielleicht an seine Frau, vielleicht an seine Werkstatt. Der andere dagegen schien immer ruhiger und gelassener zu werden. Als vier und eine halbe Minute verstrichen waren, sagte er plötzlich leise, indem er an seinem schäbigen Anzug Hinuntersah: „Ich trete von der Wette zurück!"
Man atmete auf, der Wirt lächelte und machte sich ans Einschenken der versprochenen Lage. Der Besserwisser dagegen versuchte ein wegwerfendes Lächeln. Aber der Zwischenfall war dennoch erledigt, die Gegner stießen miteinander an, und das Gespräch verdichtete sich allmählich wieder zu einem gewöhnlichen Stammtischgespräch. Mehrmals aber sahen wir, wie der Mann, der von der Wette zurückgetreten war, ein heimliches Lächeln zu uns herüberwarf. Wir lächelten halb erstaunt, halb verlegen zurück.
Als wir unseren Wein ausgetrunken hatten, kam der Schlosser aus der Reparaturwerkstatt und meldete, daß unser Wagen wieder starten könnte. Während des Aufbruchs kam der verarbeitete Mensch, der Goethe zitiert hatte, unauffällig auf uns zu, lächelte noch einmal und flüsterte: „Sagt nämlich Gretchen im .Faust'! Ich hab's aber zu genau gewußt, um zu wetten!"
Wir verliehen den „Vollen Mond" ziemlich schweigsam und fuhren ebenso schweigsam weiter in die sinkende Nacht hinein. Ununterbrochen hämmerte in mir der Rhythmus: „Nach Golde drängt, am Golde hängt ..."
Oie Stadt mit den drei Gesichtern.
Von Otto Grnelin.
Es wird wohl kaum eine große Stadt auf der Welt geben, in oer so schroffe Gegensätze von Bau- und Lebensstil nebeneinander, ja durcheinander und ineinander gewachsen sind wie in der Hauptstadt Mexiko. Es sind nicht nur die sozialen Gegensätze, wie wir sie in allen großen Weltstädten linden, die schroffen Gegensätze von Arm und Reich, von Not und Luxus, sondern es sind völkische und rassische Gegensätze, die sich in diese sozialen hineinschieben.
Denn es sind da drei (Elemente, die lebendig an der Stadt gewirkt haben und noch immer wirken: Das Indianische, das Spanische und das Amerikanische. Das vorläufig noch immer vorherrschende Element ist das Spanische, wie ja auch die spanische Sprache, wenn auch schon in einer Sonderentwicklung gegenüber dem spanischen Spanisch begriffen, die Volkssprache ist. Nur noch ganz wenige Gegenden im Land soll es geben, wo noch indianische Mundarten lebendig find. Spanisch ist der Baustil der zahllosen kleinen und großen Kirchen, es ist oft beste spanische Renaissance und schönster spanischer Barock. Spanisch find die Häuserreihen des Mittelstandes, die das Haus mit den kleinen Balkon en an den Fenstern zeigen, das Haus, dessen wichtigster Raum der Patio ist, der große Hof in der Mitte, der von den Säulengängen wie von einem Kreuzgang umgeben ist; dort, mit dem Blick auf die blühende Schönheit, die im Patio wuchert, auf die blauen Celestines, die lilafarbenen Bugambilias, kann man noch die spanische Matrone finden im Schaukelftuhl, sttckend, das Hauswesen leitend, dem mehrere Dienstboten zur Verfügung stehen. Spanisch aber sind vor allem, um nur das Wesentliche zu erwähnen, die „Toros", die Stterkämpfe, die immer noch eine Angelegenheit des ganzen Volkes sind. Spanisch sind die Märkte, der große Blumenmarkt, der „Diebsmarkt", eine Art Trödelmarkt. Das lärmende Bild der Straße in ihrer monumentalen Geste, ihrem Korso, ihrer festlichen Groharttgkeit und Lebhaftigkeit.
Aber all dies steht nun doch zwischen zwei ganz anderen Elementen, in die es da und dort allmählich übergeht oder von denen es sich schroff abhebt. Denn kommt man ins eigentliche Zentrum der Stadt, in die Gegenden um die Avenida San Franzisco, die erste Gefchäftsstraße, fo wird das Tempo des Lebens rasender und man möchte sagen kälter. Riesentürme von modernen Geschäftshäusern, modernste Läden mit ihrer sachlichen Eleganz, von Lichtreklamen in allen Farben überflammf, von schnittigen Wagen, die lautlos über den Asphalt gleiten, durchsaust, und zwar in einem tollen Wirbel und mit ungeheuren Geschicklichkeiten; da sind die Drugstores, die kecremesalons, da ist die ganze ratternde, niemals Zeit habende, ganz auf Business eingestellte Geschäftswelt, und sie erobert immer mehr Raum im Lauf der Jahre. Aber mitten in diesem Wirbel der modernsten Yankeelike=Stabt sausen die Zeitungsjungen barfuß, mit ihren schönen dunklen Augen, mit ihren durchdringenden, singenden Jndiofttmmen, mit ihrer urwaldhasten Gelenkigkeit; und an den Ecken stehen die dunklen Süßigkeiten-Verkäuser. Aber dann kann es geschehen, daß du nur um eine Ecke biegst, und im Halbdunkel eines Kirchenportals hockt in Lumpen ein Jndioweib und säugt ihr Kind; sie trägt den Rebozo, das Umschlagtuch über den Schultern; gewahrt sie den Fremdling, fo streckt sie ihm murmelnd die kleine Bettel- Hand entgegen.
Und wiederum, geht man nur wenige Straßen weiter, wo ein alter Brunnen in ein schönes Becken Wasser sprudelt, so kann man einem Zug beladener Esel begegnen, die einem Lastauto ausweichen müssen; der Eseltreiber ist ein gelbhäutiger Pelado mit schwarzem Schnurrbart, in weißem — natürlich nicht mehr sehr weißem — Hemd und Leinen-


