schon dunkel. Sie flüsterte Er mir einen Brief?"
gewiß nicht kränken. Aber roic wär's, wenn die Enkel verzichten töt und dafür eine sehr splendide
was
Eben hatte die Grand'mdre die Sänfte bestiegen, als der Baron, sonst kaum geschah, in das Zimmer seiner Frau gekommen war und mit seltsam veränderter Stimme erzählt hatte, daß der Christl gefangen und verwundet sei. Diesmal anscheinend schwer. Eben sei der Bursche aus dem Hauptquartier gekommen. Hadik habe ihn selber
zu wahren?" - ........
Die Lisl wurde wieder rot. Aber sie schüttelte den Kopf und lachte hell. Das hatte sie der Wimmer auch schon gefragt. „Wo denken Ihrs Gnaden hin? Ich hab doch nur einmal mit ihm gesprochen, mit ... mit dem ..."
„Na, sag Sie ruhig: Christl!" Also nur einmal hatten di« beiden miteinander gesprochen. Die alte Dame schüttelte verwundert den Kopf, legte den Krückstock quer vor sich auf den Nähtisch, griff nach beiden Händen der Lisl, zog sie zu sich heran und sagte warm: „Komm Sie, setz Sie sich da neben mich! So — und jetzt erzähl Sie!"
geschickt.
Marie-Luise von Rabenau sah in sein plötzlich gealtertes Gesicht Die Angst schüttelte sie. Sie fragte beklommen: „ßebt er überhaupt noch?" Ihr Mann hob die Hände, ließ sie wieder sinken, zuckte mit den Schultern: „J’espere ...“ Da sank sie mit einem leisen Ausschrei zusammen. Später sprach sie dann selbst mit Christls Burschen. Was er berichtete, beruhigte sie nicht. Sie mußte sich zu Bett legen.
(Fortsetzung folgt.)
bei (fjneftl®eile stand sie dann noch am Fenster und sah aus den Dom, an dellen Gemäuer schon die blauen Schatten des Abends fliegen. Doch dann hielt sie es in ihrem Zimmer nicht aus-- Selbst das Haus scbien ihr zu eng sür ihr Glück. Irgendeinem Menschen mußte sie von dem Wunder erzählen. Mit dem Vater konnte sie nicht sprechen. An Märchen glaubte der nicht. Eher schon die Dielgratterin. Aber die war ihr w- wider. Sie beschloß, zu Matthias Wimmer zu gehen. Doch wollte sie vorher noch einen Spaziergang machen, über Graben und Freyung. Zu sehr noch stürmte ihr Herz.
Als sie gerade am Stock im Eisen vorüberkam, merkte sie, wie ein Soldat an ihr vorbeieilte, stechen blieb und dann hinter ihr cherging. Rascher schritt sie aus, denn es dämmerte schon. Da horte sie eine Stimme neben sich: ,Hch muß der Demoiselle was sagen ... Elisabeth Brand lief beinahe. Da klang wieder die Stimme: „Grad hab ich zur Demoiselle wollen. Ich bin nämlich der Bursch vom Herrn Leutnant...
Unwillkürlich verhielt Ne den Schritt. Sie wußte: es war gegen allen Anstand. Aber sie konnte nicht anders. Sie fragte leise zuruck: ,Lst denn der Herr Leutnant in Wien?"
„Das nicht. Wenn die Demoiselle mich halt anhören wollt!" Er überholte sie, ging vor ihr her. Nach hundert Schritt verschwand er tn einem Hause. Die Lisl sah sich ängstlich um. Wenn sie wer sah! Dawär für die Frau Taut ein Freßen! Sie duschte ins Tor. Es war ein Durchgang. Menschen eilten durch die Höfe. Doch in der Ecke hinter dem Tor, wo der Dragoner stand, war es schon dunkel. Sie flüsterte ihm zu: „Und jetzt mach Er schnell! Bringt Er mir einen Brief?"
Der Soldat schüttelte betrübt den Kops und schwieg.
Elisabech Brand erschrak. Sie griff hastig nach seinem Arm: ,Zsi ihm was zugestoßen? Ist er ..." . , , m
„Nein, das nit ... G'sangen habens ihn halt. Dor drei Togen bei
Demoiselle auf meinen Enkel verzichten töt und dafür eine sehr splendide Zuwendung sür eine andere Mariage bekäme?"
Elisabech Brand warf zornig den Kops in den Nacken: „Was denkt die Frau Baronin von mir?" Dann fragte sie leiser, unsicher: „Weiß der Leutnant voii Rabenau davon?" Ihr« Augen füllten sich mit Tranen.
„Natürlich nicht, mein Kind. Der Christi töt mir die Augen auskratzen, wenn er's wüßt. " Sie lächelte verlegen. Sie wußte, der Borschlag war nicht schön gewesen. Ader sie hatte ihn machen müssen. Das war sie ihrem Hause doch schuldig gewesen. Es war doch wahrscheinlicher, daß das Mädel aus Berechnung handelte, als daß sie ein Engel war. Aber jetzt war sie unschlüssig. Doch eine Frage mußte sie noch stellen. Schließlich war ihr Enkel Leutnant und pudeljung. Sie sagte, zögernd: „Werd Sie jetzt nicht gleich wieder bös! Aber das eine muh ich Sie schon noch fragen: liegt es daran, daß die Demoifelle heiraten muß, um.... na ja, um di« Dehors
äSÄÄ’ÄÄÄ BsÄ &ÄSWE
Di» Kreilin hörte aufmertfam zu. Der Zauder dieser warmen, schwin- gen^n Mädchenstsmme nahm sie'aesangen War dos l-tz«ine «roß. Dummheit oder eine große Liebe? Oder gehörter' Torhe,: und Liebe zu fnmm»n? Und wie es ausqing, entschied dann das Gluck, ^tyr.e «tugen fa^en voll Güt7°F das Vädel. ' fear ja schließlich erstemal daß eine Wachszietzerin das Blut der Rabenau versüßte. Nach dem Dr'eifüaiähriaen ^ieq war's schon einmal ge-Hetzen. War zwar damals eine Nünrbermr Patriziertochter gewesen. Aber als einfach- Kerzelmacher hatten diese Nürnberger Patrizier doch wohl auch einmal b^Als^das Mädel schwieg, streichelte die Greisin lange ihre Hand. Also wieder ein Rabenau und eine Lebzelterin! Na, ihr konnte es recht sein. Aber ein Theater würde das geben! Bor allem bei der Kaiserin. Cie erhob sich langsam, nickte nachdenklich und sagte: „Jetzt kann ich also mit meiner Weisheit wieder nach Hause gehen und muß dem Malheur einen Lauf laßen ... Oder kann Sie mir sagen, was werden soll?
Das liebe gütige Gesicht der Greisin unter dem schneeweißen Haar machte der Lisl Mut. Der Schalk lachte ihr aus den Augen, als sie jep knickste und sagte: „Wenn uns halt die Baronin bei dem Malheur ein ditzl helfen töt!" Sie beugte sich über die schmale, zittrige Greisinnen ^Die Baronin nickte und strich ihr über den Scheitel: „Wird wohl °^ü!der^rvar°es^der°Lisl' wie damals unter den blühenden Bäumen
SÄÄäÄÄ« MÄSÄ Ä
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Die Baronin dankte freundlich, blieb aber stehen. „Laß Sie! Sie hob ein wenig die Spitze ihres Stocks: „Sie hat doch eine Tochter? lieber die Brandfchen Familienoerhältniße war sie schlecht informiert
Das Gesicht der Bielaratterin rötete sich schamhaft: „Ich bin nur die Xont, Euer Gnaden. Ich führ dem Brand das Haus, feit ferne Frau g starben is, vor achtzehn Jahren "
So so — nur die Tont." Mutterlos ausgewachsen also. Das war bös" Sie [agte kurz: „Ich mochte die Demoiselle sprechen.
„Darf ich fragen, Euer 'Gnaden..."
„Gar nichts darf Sie. Allez, führ Sie mich!"
Die SBielgratterin öffnete gehorsam die Ture, die hinaus aus die Stiege ührte, unb ging über die Treppe voraus. Hinter ihr aus den Stufen (lang das Aufschlagen des Stocks wie das nahende Schicksal.
Sie stieß eine Tür auf, ließ die Besucherin ein. Elisabeth Brand saß, über einen Strickrahmen gebeugt, am offenen Fenster. Ge»en die schon fief über das Domdach sich neigend« Sonne war ihre Gestalt nur wie em Schattenriß zu sehen. Nur ihr Haar war von einem Leuchten umstrahlt. Tauben {(alterten neben ihr vom Fensterbrett auf. Sie wandte den Kops, legte den Stickrahmen auf ein Tischchen, grüßte freundlich und blieb wartend stehen.
Die alte Baronin drehte (ich nach der Bielaratterin um: ,,Mern! Und jefet geh Sie wieder in den Laden hinunter! Die Frau Tant verschwand. Aber der (Sranb’mere genügte das nicht. Sie blieb einen Augenblick lang stehen, ging dann zur Türe, stieß sie auf. Ein We-^aut war zu Horen. Grand'mdre schob den Kopf vor und sah auf den Gang hinaus, hinter die Türe: „3n den Laden soll Sie gehen, hab ich gesagt! Sie trat wieder in das Zimmer zurück: „Horchen kann ich nämlich nicht lewen.
Elisabeth Brand stand noch immer wartend und ein wenig verwundert am Fenster. Sie wußte nicht, was das alles bedeuten sollte. Die Greisin trippelte an ihr vorbei und setzte sich aus das Taburett vor den Nahtisch. „Und jetzt laß sich die Demoiselle einmal anschauen! Das volle Sonnenlicht glitzerte und stammte auf der Gestalt des Mädels. Die alte Baronin itütztc sich mit der Linken auf den Krückstock, neigte sich zurück, wie ein Maler vor seinem Bilde, und nickt« anerkennend: „Ist Sie aber hübsch! Geschmack hatte der Christi. Das mutzte man sagen. e
Die ßijl sah sie belustigt an und knickste: „Darf Ich Madame ^"0 Dürfen schon ... Aber Sie braucht es nicht. Ich sag'« Ihr auch so ... Wer ich bin, weiß Sie natürlich nicht?" ,
Elisabeth Brand antwortete fröhlich: „Drum hab ich ja fragen wollen. Seit dem Piestingtal war sie wieder vergnügt.
©ranb’mtr« neigte den Kopf auf die Schulter, sah di« List an und lächelte fein: „Aber wer der Leutnant von Rabenau ist, weitz Sie wohl?
Die Lift wurde feuerrot. Doch den Blick senkt« sie nicht. Sie wußte, jetzt begann der Kampf. Sie wollte ihn kämpfen.
Die Baronin lacht«: „Kann Sie sich jetzt denken, wer ich bin?"
Das Mädel dachte nach. Christls Mutter war sie wohl nicht. Die alte Dome hier mutzte hoch in den Siebzig sein. Sie antwortet« zögernd: „Madame la granb’mfere vielleicht? ... .
Erraten! Dumm ist sie also auch nicht.....Na, und wie denkt Sie sich
die Geschichte?" Ein leiser Hochmut lag jetzt in den Augen der Greisin. Sie fragte kurz: „Mariage?"
Elisabeth Brand nickte. , ,, „
Die Grand'mere wiegte bedächtig den Kopf. Dann lachte sie vergnügt: „Was für Phantasien, mein Kind... Das ist doch nicht Ihr Ernst!
Wieder nickte das Mädel. Die alte Baronin besah sich interessiert da-- Blumenmuster auf dem Stickrahmen und dachte nach. Das Mädel war bildhübsch, und es gefiel ihr. Ader der Standesunterfchied war halt ein bitzl grotz. Und sie kannte doch die Welt. Der Borschlag, den sie ihr jetzt machen wollte, war ihr peinlich, aber sie machte ihn doch. Sie hob langsam den Kops, sah die Brand an und fügte gütig: „Hör Sie mich einmal an! Ick) will Sic ,r* "‘~,L x- —””
Olmütz ..."
Sie atmete auf. Gefangenschaft war schlimm. Aber wenigstens brauchte sie nicht mehr um fein Leben zu bangen. Und bis zum Herbst würde dieser dumme Krieg wohl zu Ende sein. Sie lächelt«: „Aber gesund ist er doch?"
Wieder schüttelte der Bursche den Kops: JBerrounbet! Als «in ea'sunder laßt sich unser Leutnant nit fangen ..."
Sir schrie leise auf: „Schwer?"
Er nickte. Tränen standen in seinen Augen. Er liebte feinen Herrn. Er begann zu erzählen. Sie fchluchzte und zitterte. Neugierige Blicke der Vorübereilenden wandten sich ihr zu. Endlich bezwang sie sich und sagte: „Hier können wir nicht bleiben. Kann ich Ihn noch einmal fprechen?"
„Freilich. Sagens nur wo, Demoiselle!"
Sie überlegte: „Komm Er morgen um neun tn den Laden!" Es war ihr eingefallen, daß der Baier morgen in aller Früh über Land muhte. Und um neun war auch die Bielgratterin nicht im Laden.
Der Bursche nickte: „Ich komm g'wih." Er schien zu überlegen, hob plötzlich den Kopf, fah sie treuherzig an und sagte: ..Wann die Demoiselle halt zum Herr Leutnant fahren töt!"
Elifabeth Brand lächelte schmerzlich: „Wo denkt Er denn hin?"
War Marie-Luise von Rabenau auch hochfahrend und herrifch: ihren Sohn liebte sie.


