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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Montag, den 50. Januar
Nummer 9
fihrgang 1939
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19. Fortsetzung.
Aber herausbringe stderte sie die Lade it huste Ernst Christoph hikigen Zeiten ein se schecht sei und er selb
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) nichts übrig. Selbst aus dem Felde kam nur alle sechs Zeilen langer Brief. Daß das Wetter gut oder selber gesund. Um so schwererwiegend und bedrohlicher
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len müssen. Ein Pläsier muß der Mensch schließlich haben. Und ich kann di sagen, im Krieg ist's manchmal verdammt langweilig... Hat Er also
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wer dieses fast vier Seiten lange Konzept.
Im Sekretär fand die Rabin nichts. Dafür in der Tasche seines neuen wi ßen Reitermantels, den er nicht ins Feld mitgenommen hatte, einen Settel mit dem Vermerk: bei der Kerzelmacherei des Aloisius Brand für Mzelten und Kerzen 17 Gulden 23 Kreuzer. Brand, da hatte sie es jal Bi: Tochter von einem Kerzelmacher war also die künftige Schwieger-
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Ser kerzelmacher von Sankt Stephan
Ein heiterer Liebesroman von Alfons o. Ezibulka
Eopgrlght bg A. G. Cotta'fche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart
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Und zu so haarsträubender Verschwendung hatte ihn die Kanaille , JJI arih noch verleitet!
Das Brieskonzept wie eine Fahne schwingend, stürmte sie in das
Zlnmer ihres Mannes, der gerade am offenen Fenster eine Patience legre. Sie schien verzwickt zu fein, denn der alte Baron gab lange keine Mwort, als sie mit allem Stimmaufwand trompetete: „Auf Euren shmmhalter könnt Ihr Rabenaus Euch etwas einbildenl" Der Baron tnulte sich den schmalen, hageren Schädel, legte eine Karte, nahm sie (ander auf, suchte eine andere. Dann erst antwortete er: „An dem Zu- st »bekommen dieses mißratenen Reises warst du meines Wissens nicht Wz unbeteiligt, ma obere ... Na, was ist denn los mit dem Christel?" $ sah den Brief in ihrer Hand: „Hat er gefeilt? Dann werden wir zah-
guut?"
। ,,®ejeut! — Da, lies!"
Der Baron setzte feine Brille auf und durchflog das Schreiben: „Und dchwegen diese Emotion, meine Liebe?"
..Aus der Haut könnte man fahren bei deiner phlegmatischen Hunt ir! Eine Bürgerliche!"
Ihr Mann zuckte mit der Achsel: „Glaubst du, daß ich als Leutnant, ch« ich in dir das Glück meines Lebens fand, keiner Bürgerlichen die Sour geschnitten habe? Das Mädel wird halt hübsch sein ..."
Die Rabin krächzte: „Kannst du nicht lesen? Er will sie doch heiraten!"
Das gibt sich schon wieder. Ueberdies hat die Demoiselle ohnehin litt viel Chancen, fürcht ich. Du weißt doch, daß die Kaiserin den ! ästet ä tout prix mit der Hartenberg verheiraten will. Erst vor vier- ’,gri Tagen hat sie mir das wieder nahegelegt. Wenn du also sonst keine 5: gen hast..." Er hob mit spitzen, schon ein wenig zittrigen Fingern Inn Treffbuben ab und legte ihn auf den Treffzehner. Das hieß, daß die Audienz beendet war.
Die Rabin flatterte erbost in ihr Zimmer, riß am Glockenzug. Aber ti dauerte ihr wohl zu lang. Sie fegte ins Stiegenchaus und rief: „Die Stufte! Aber tout de suite!"
Aus der gegenüberliegenden Türe trat gerade die Grand'mere. Sie tat eine Nähschachtel. Auf ihren schwarzen Krückstock gestützt kam sie til^r: „Warum so echauffiert? Uebrigena bonjour, Marie-Listse!" Sie iajt» es ein wenig spöttisch. Die beiden hatten einander heute noch nicht pichen." sn.Pardon, Grand'mere, aber ich bin außer mir."
Hl „Bas kann ein Blinder sehen und ein Tauber hören. Mais pourquoi?" Sie zog die Türe hinter sich zu.
.Der Christl will die Tochter vom Kerzelmacher bei Sankt Stephan Giraten." Sie hielt ihr den Brief hin.
. .Quel malheur! Da bekommt Ihr wenigstens di« Lebzelten billiger ür Eure Faschingsfeten."
. Narie-Luise wurde zornig: „Mtt euch Rabenaus kann man nicht ver- nrtig reden."
Warum hat Sie dann einen geheiratet, wenn Ihr an ihnen nichts 'tt)' ist? ... Eh bien, was will Sie tun, Marie-Luise.
Dem Frauenzimmer meine Meinung sagen!"
Pauvre petite!“ Die kleinen Augen der Greisin zwischen den hundert litten Fältchen blitzten belusttgt.
Ein alter Diener in kaffeebrauner Livree meldete die Sänfte. Die Rabin \v, ( lauschte hinaus. Unten auf der Straße befahl sie: „Zum Kerzelmacher am r Slei'hansplatz!"
j in schwarzem Kleide, mit kerzengeradem Oberkörper saß sie in der 'Melgrünen, hochrot gepolsterten Sänfte. Abweisend und streng durch
ihre Lorgnette blickend, nickte sie nach rechts ober links, wenn irgend eine Bürgerkanaille, ein Handwerker, ein Lieferant sich ehrerbietig vor dem Wappen der Rabenau verneigte. Marie-Luise von Rabenau war noch immer eine imponierende, stattliche Erscheinung. Die Person konnte sich freuen! Sollte ihr einer einen Fall nennen, in dem sie nicht ihren Willen durchgefetzt hätte! Aber wieso kam sie eigentlich dazu, sich mit diesem Frauenzimmer abzugeben? Damit die Person dann überall herumerzählte,, daß die Frau Baronin vor ihr einen Kniefall habe tun müssen, um den Herrn Leutnant wieder loszueisen. Kniefall würde sie zwar, weiß Gott, keinen tun! Aber man kannte doch das Pack. Aergerlich trommelte sie mit der Lorgnette an die Scheibe. Der vordere Träger wandte den Kops. Die Rabin befahl: „3n die Burg!"
Daß ihr das nicht gleich eingefallen war! Ihr Mann, dieser alte Esel, hatte sie dach daran erinnert, daß die Kaiserin den Christel ä tout prix mit der kleinen Hartenberg verheiraten wolle. Da brauchte sie der Kaiserin dach nur zu sagen, daß dieses Frauenzimmer ihr bei ihrem Plan ins Gehege kam. Dann würde diese Affäre sehr rasch zu Ende fein. Zur Kaiserin selbst würde sie ja heute wohl nicht kommen. Aber es genügte, wenn es die Khevenhllller, die Oberhofmeisterin, erfuhr. Sie und di« Rabin waren ja Freundinnen noch vom Kloster her. Gistgeladen und siegesgewiß ging die Rabin die Marschallstiege hinaus. Die Lebzelterin würde sich wundern!
Seit einigen Tagen speisten die Rabenaus im Zimmer des Barons. Es war die einzige friedliche Insel in diesen Tagen des Scheuerns und • Fegens. Der alte Baron hatte geschworen, jeden zu erschienen, der mit einem Besen oder einem Spüleimer sein Zimmer betrete. Wenn schon geputzt werden müsse, dann solle man warten, bis er in Hradek sei.
Während man die Suppe löffelte, wandte er sich an seine Frau: „Run, Marie-Luise, was hast du heute vormittag getan, um zu verhindern, daß das Wappen der Rabenau mir einem Lebzeltenherzen verfchönl wird?" In (einer Stimme schwang fröhlicher Spott.
Die Rabin antwortete hoheitsvoll: „Ich war bei der Kaiserin." Die Kheoenhüller hatte ihr sozusagen eine Jmmediataudienz verschafft.
Die Grand'mere bewegte belustigt den Kops: „Voyons! Bei der Kaiserin! Und ich hab gedacht, bei der Person."
„Werd mich hüten, mich zu beschmutzen."
Ihr Mann fragte hohnooll: „Und was hat, wenn man fragen darf, die Majestät dazu gesagt, ma obere, daß du ihr mit solchen Sottisen kommst?"
Marie-Luise von Rabenau drohte zu platzen. Immer traf dieser alte Schöps den Nagel auf den Kopf. „Sottisen" hatte die Kaiserin zwar nicht gesagt, dafür aber gemeint: „Alles recht und schön und wahrscheinlich eine Eselei von dem Herrn Leutnant. Aber wo glaubt Sie, soll ich die Zeit hernehmen, meine liebe Rabenau, mich um derlei Affären zu kümmern?" Daß fie um das Eheglück des Leutnants von Rabenau nicht mehr so brennend besorgt war, weil die kleine Hartenberg vor zehn Tagen zur Verwunderung der Kaiserin plötzlich Hals über Kopf einen schon recht bejahrten polnischen Magnaten geheiratet hatte, sagte sie der Rabin nicht.
So wenig wie diese jetzt den Ausspruch der Monarchin wiedergab. Wann hätte sie jemals eingestanden, daß ihr Mann recht gehabt habe. Als der Diener den Braten serviert hatte und auf einen Wink verschwand, gab sie triumphierend zur Antwort: „Was die Kaiserin gesagt hat? Sie wird sich in den nächsten Tagen dieses Frauenzimmer kommen lassen, und ich darf dabei sein."
Daß der Rabenau plötzlich doch diese Brand heiraten wollte, paßte der Kaiserin nämlich auch wieder nicht. Erstens gab es ja außer der kleinen Hartenberg auch noch andere Komtessen, die auf einen Eheherrn warteten, und zweitens erschien ihr ein« Heirat zwifchen einem vom Adel und einer Wachszieherin wider die Ordnung der Dinge. Aus dieser Mariage konnte nichts werden.
Seit achtundzwanzig Jahren wußte die Grand'mere, daß ihre Schwiegertochter eine exaltierte Gans war. Aber für so dumm hätte sie di« gute Marie-Luise doch nicht gehalten, daß sie wegen dieser Affäre gleich zur Kaiserin lief. Entweder war es eine kleine Leutnantsliebe, bann war es unnötig, es der Majestät zu sagen. Man wußte doch, daß sie illegitime Amouren nicht mochte. Oder es war dem Christi ernst. Dann war es erst recht dumm, in die Burg zu laufen und sich die Ungnade der Kaiserin zuzuziehen, die den Herrn Leutnant doch an die kleine Hartenberg verheiraten wollte.
Der Grand'mere war es ja recht, daß die Marie-Luise dem Mädel nicht gleich die Augen ausgekratzt hatte. Aber anschauen hätte sie die Demoiselle doch wenigstens sollen. Und das wollte Grand'mdre auch tun. Sie mußte doch sehen, was der Christi für einen Geschmack hatte. Und war es wirklich eine durchtriebene Person: grob zu werden, verstand sie auch. Nur mit mehr Vernunft als ihre Schwiegertochter.
Nach der Nachmittagsschokoiade ließ sie sich in die Sänfte heben. Das


