Jahrgang (959
Zreitag, den 29. Dezember
Nummer (00
Maria
Sie würden sicher nicht
wollen,
gebändigt durch Boufsarts vor-
verpflichtet, umsonst zu geben.
2.
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daß sie sie umsonst verteilten."
„D nein", rief Roosje, vollständig nehme Ausdrucksweise.
„Die Herren der Völker sind nicht
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was ihnen gehört, was ihr Eigentum ist und ihre erhabene Ausstrahlung, nämlich den Adel. Uebrigens war ihre erhabene Majestät damals im Kriege mit Preußen unter Friedrich II. Der Kurfürst von Bayern behauptete, Ansprüche auf Wien zu haben. Die Ungarn allerdings griffen für sie zu den Waffen, die Holländer schickten ihr Geld und Truppen, unter denen sich auch einer Ihrer Vorfahren befand. Er verlor das rechte Ohr und die Nasenspitze durch einen Schuß auf dem Schlachtfelds. Ihre kaiserliche Majestät, die sicher Geld brauchte in diesen schwierigen Zeiten, in diesem Kreuzzug des guten Rechts gegen die Welt ..."
„Ach ja", unterbrach Roosje, „ich verstehe, das war damals, als Gottsried von Bouillon ..."
Bouffart hustete diskret.
„Viertausend Gulden, das ist viel."
,Hch erlaube mir, der Frau Baronin zu sagen, daß der Titel sie wert ist. Er verleiht Zutritt zur besten Gesellschaft, zu der der Reichen und Mächtigen. Der Adel, der die Frau Baronin sofort in die höhere und bevorrechtete Kaste bringt, würde von mehr als einer reichen bürgerlichen Dame gern mit einer Million bezahlt werden. Die jungen Bankiers, selbst die reichsten, schätzen sich glücklich, in ihren Eheverbindungen wemg- stens eine Patrizierfamilie zu haben, und Sie, Sie können sogar..."
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„Immer Geld", sagte Roosje, „das war nicht schön von Theresia."
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„Daran habe ich recht spät gedacht. Jetzt lassen Sie mich mein Wappen sehen!"
„Hier ist es, Frau Baronin."
Es zeigte einen silbernen Balken in rotem Felde, bedeckt von vier verbundenen Andreaskreuzen neben einem blauen Balken.
„Gut, sehr gut", sagte, Roosje, die durch Worte wie „rotes Feld", „silberner Balken", „blauer Balken" so bezaubert wurde, daß sie ihr ins Blut einzudringen und dort heraldische Blutkörperchen und adelige Metalle einzuführen schienen.
„Ist mein Ring schon fertig?" fragte sie.
„Ja, Frau Baronin."
„Wieviel wiegt er?"
„Eine Unze Gold."
„Wieviel kostet er?"
„Dreihundertfünfzig Franken." . ..
,Las macht zweihundertsiebzig Franken für die Arbeit und die Gravur?"
„Ja, Frau Baronin."
„Geben Sie mir die Rechnung!"
„Hier ist sie."
„Nicht quittiert?" .. „
„Frau Baronin hat mich nicht ermächtigt zu zahlen.
„Mißtrauen Sie mir?"
Roosje öffnete eine kleine Schublade, die mit Goldstücken gefüllt war, »itb zählte Bouffart dreihundertfünfzig Franken auf.
„Entschuldigen Sie, Frau Baronin, die Herrscher können auf Grund göttlichen Rechtes Adelstitel verkaufen.
GiehenerZamilienbMer
Unterhaltungsbeilage;um Gietzener Anzeiger
Die Hochzeitsreise
Roman von Charles de Coster
Deutsche Übertragung von Arthur Seiffhart
13. Fortsetzung.
Die Bitte des Herrn van Parcq wurde dem Hofrat in Wien übergeben und von diesem mit einer höflichen Weigerung, die vielleicht durch das nicht genügend hohe Angebot des Herrn von Parcq begründet war, wieder zurückgeschickt; dieser lieh sich aber nicht abschrecken, sondern richtete eine neue Bittschrift an die Kaiserin und bot viertausend Gulden. Von neuem wurde die Bittschrift an den Hofrat in Wien gesandt und diesmal mit der schmeichelhaften Annahme der viertausend Gulden und der Uebersendung des Adelsbriefes beantwortet, der dem Herrn von Parcq den Baronstitel und das Recht, seinem Namen den der van Steelandt hinzuzufügen, verlieh.
„Geben Sie mir eine Empfangsbescheinigung", mahnte sie.
Bouffart gab sie ihr.
„Dars ich Ihnen ein Trinkgeld anbieten?" fragte Roosje.
„Frau Baronin", sagte Bouffart entrüstet, „ein Trinkgeld? Nein, mir nennen das Honorar." Er hatte schon vom Goldschmied eine Vergütung bekommen.
Roosje, „haben Sie einen Papllfranken, der wird Ihnen Gluck bringen. r
„Einen'Franken?" sagte Bouffart in unhöflichem, trockenem Ton. „3d> bekomme fünfundzwanzig Prozent."
„Was, fünfundzwanzig Prozent! Aber das macht ja etwa zweiund- achtzig Franken und fünfzig Centimes."
„Ja."
Roosje zählte sie ihm auf, wobei ihre Finger zitterten
„Das nenne ich gut bezahlt", sagte sie zähneknirschend.
„Das ist noch nicht alles. Frau Baronin schuldet mir noch den Pre.» für das Malen des Wappens, für die Kosten des Entwurfes, der Abschrift und der Gebühr für die Eintragung des Adelsbriefes Eine Kleinia. leit! Fünfhundert Franken!" ä
„Fünfhundert Franken!" rief Roosje wütend. „Glauben Sie, daß ich sie habe, oder daß ich sie Ihnen geben werde? Sie sind ein..."
Sie war im Begriff zu sagen „Dieb!"
„Verzeihung,. Frau Baronin, mit dieser Arbeit haben Sie mich beauftragt, und Sie werden sie mir auch bezahlen."
Bouffart steckte die Papiere wieder in die Tasche seines Ueberrockes und erklärte: „Ich könnte Sie vors Gericht bringen und Ihren Briefwechsel veröffentlichen, in dem Sie zugestehen, was Sie waren ... Wirtin des .Kaiserlichen Wappens'!"
Diese letzten Worte wurden sehr laut gesprochen.
--Herr Bouffart", beschwichtigte ihn Roosje schüchtern, „wenn man Sie hörte? Schweigen Sie! Hier sind fünfhundert Franken!"
Bouffart ging fort, nachdem er Roosje ihren vorschriftsmäßig ausgestellten Adelsbrief übergeben hatte. Auf der Treppe jagte er sehr laut: „Stuf Wiedersehen, Frau Baronin!" In diesem Augenblicke legte befriedigte Eitelkeit ein wohltueredes Pflaster auf die dem Geize Roosjes geschlagene Wunde.
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Der folgende Vorgang spielte sich zwei Tage später in Roosjes Zi>..- mer ab.
„Mama, du siehst, wie sie weint", sagte Margarete zu ihrer Mutter, die stehend und verachtungsvoll abwechselnd einmal ihren Ring betrachtete und das andere Mal die Falten eines hellbraunen Taftkleides peinlich genau legte.
Margarete fuhr fort: „Du mußt nicht soviel deinen Ring und dein Kleid ansehen, sondern lieber der armen Siska, die dich so liebt, weniger Kummer bereiten."
Siska meinte in einer Ecke und verbarg den Kopf in einer seltsam weiß-blau geränderten Schürze, dem Blau und Silber des Wappens der neuen Baronin. Ihr hellblaues Kleid, am Aermel und am Rocksaum mit breiten Seidenstreifen eingefaßt, war mit großen roten Knöpfen, deren Farbe ebenfalls im Wappen vorhanden war, geschlossen. Auf der Bluse bemerkte Margarete nicht ohne starkes Beftemden eine Art Schild aus zusammengenähten Tuchstücken, das in Rot, Silber und Blau das Wappen der wohledlen Familie von Sieelandt darstellte. Es war der Einbildungskraft Roosjes entsprungen. Die dicken, roten, männlichen Hände Siskas kamen nach röter und dicker aus den engen Aermeln ihres heraldischen Kleides hervor, das, oben weit geöffnet, ihren mageren Hals zeigte und an manchen Stellen ihre gelbliche Haut und die stämmigen, muskulösen Schultern sehen ließ.
„Nein, Frau Baronin", sagte sie plötzlich, „ich will mich nicht so kleiden, ich schäme mich. Man wird mich für ein Straßenmädchen halten. Ich sehe darin aus, als ob ich verrückt wäre. Die Jungen laufen hinter mir her und werfen mich mit Steinen. Lieber verstecke ich mich im Kohlenkeller und gehe überhaupt nicht mehr aus. Ich weiß nicht, ob das die große Mode ist, sich so aller Welt in Blau, Weiß, Rot und Scheckig zu zeigen wie eine Musterkarte. Ich mache diese große Mode nicht mit. Mein Vater war Erdarbeiter, meine Mutter Aufwärterin, und sie liefen vor niemandem verkleidet herum, und so will ich es auch machen. Sie würden sich arg schämen — Gott hab' sie selig —, wenn sie mich in diesem Aufzuge sehen würden. Frau Margarete, Fräulein Grietje , setzte sie zärtlich hinzu, „bitten Sie die Frau Baronin, da sie es nun einmal ist, mir mein Merinokleid für alle Tage und mein Baumwollkleid für die Sonntage zu lassen. Eine Schürze will ich gerne tragen.
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