Nummer 57
Freitag, den 28. Juli
hrgang 1939
sich
«f dem Trichterfeld.
Nur elf Sturmwagen entrinnen ihrem bitteren Schicksal und gelangen, Mu Teil noch beschädigt, alle aber verschrammt von Geschoßsplittern und Aaschinengewehrgarben, in ihre Ausgangsstellungen zurück. Der Tank- irgriff auf Juviucourt ist abgeschlagen, erstickt in Blut und Tod und Kämmen.
Auf der ganzen Frontbreite zwischen dem Aisneknie und dem Brnnont sicht die feldgraue Abtvchrfront eisern und unbeirrt immer noch in der h«uptverteidigungslinie, steht noch da, als der Abend sich niedersenlt nrb die Zeit anbricht, da die Vorhut des grimmen Mangin schon in Ge- Mhrschußweite der Kathedrale von Laon operieren müßte.
* Deutscher Heeresbericht
vom 16. April 1917 abends.
An der Aisne hat der große französische Durchbruchsstoß mit weitlegtem Ziel nach zehntägigem Massenfeuer begonnen. Auf der vierzig ilometer breiten Angrisfsfront ist der erbitterte Kampf um unsere vorderen Stellungen im Gange.
Französischer Heeresbericht vom 16. April 1917 abends.
Zwischen Soissons unb Reims griffen wir nach mehrtägiger Artillerie- nbereitung heute'morgen die deutschen Linien auf einer Ausdehnung von > Kilometern an. Die Schlacht lvurde in dieser ganzen Front, lvo der Feind Äeutende Kräfte und eine zahlreiche Artillerie gesammelt hatte, mit bbitterung geführt. Die Tapferkeit unserer Truppen besiegte den energi- Hen Widerstand des Gegners. Zwischen Soissons und Craonne siel die zmze erste Stellung der Deutschen in unsere Gewalt. Oestlich von Craonne ichmen unsere Truppen die zweite deutsche Stellung südlich Juviucourt. Weiter südlich schoben wir unsere Linie bis zum Westrand von Bermericourt iirb bis zum Aisne-Kanal vor zwischen Louvre und Courey. Wiederholte luftige Angriffe nördlich von La Ville-aux-Bois brachen mit beträchtlichen Verlusten für den Feind in unserem Feuer zusammen.
Deutscher Heeresbericht
vom 17. April 1917.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An der Aisne ist eine der größten Schlachten des gewaltigen Krieges md damit der Weltgeschichte im Gange. Seit dem 6. April hält ununter- stochen die Feuervorbereitung mit Artillerie und Minenwerfern an, strch die die Franzosen in noch nie erreichter Dauer, Maß und Heftigkeit «ufere Stellungen sturmreif, Misere Batterien kampfunfähig, unsere Truppen mürbe zu machen versuchten. Am 16. April, frühmorgens, setzte von Ioupire an der Aisne bis Betheney, nördlich von Reims, der auf einer Istont von 40 Kilometern mit ungeheurer Wucht von starken Jnfantene- Iriften geführte und durch Nachschub von Reserven genährte, rief gegliederte Dirchbruchsangriff ein. Am Nachmittag warf der Franzose neue Masten in den Kampf und führte starke Nebenangriffe gegen unsere Front zwischen Cife und Conde zur Aisne. Bei dem heutigen Feuerkampf, der die Stellungen einebnet und breite tiefe Trichterfelder schafft, ist die starre Verteidigung nicht mehr möglich. Der Kampf geht nicht mehr um eine Linie, sondern Mi eine ganze tiefgestaffelte Befestigungszone. So wogt das Ringen um hie vordersten Stellungen hin und her mit dem Ziel, selbst toenn dabei Küegsgerät verlorengeht, lebendige Kräfte zu sparen, den Femd durch fätoete blutige Verluste entscheidend zu schwächen.
Diese Aufgaben sind dank der vortrefflichen Führung und der glanzenden inpferkeit der Truppen erfüllt. ,, „, . , . „
Am gestrigen Tage ist der große französische Durchbruchsversuch, dessen liel sehr weit gesteckt war, gescheitert, die blutigen Verluste des Feindes 'd sehr schwer, über 2100 Gefangene sind in unserer Hand geblieben.
2$o der Gegner an wenigen Stellen in unsere Limen eingedrungen l wird noch gekämpft. Neue feindliche Angriffe sind zu erwarten .
Die Truppe sieht den kommenden schweren Kämpfen mit Vertrauen Mgegem Der Erste Generalguartiermeister:
Ludendorsf.
Lim Armee meutert
SCHIGKSALSTAGE FRANKREICHS 1917
Lin Bericht von P. L.L1tighoffer
Lopgright b y Bertelsmann Gütersloh
12. Fortsetzung.
Vierundsechzig von ihnen bleiben im Trichterfeld stecken, können . . «licht mehr durch eigene Kraft befreien. Die Besatzung verläßt die Wagen md flüchtet rückivärts, umbellt von deutschem Gewehrfeuer.
Sirbeuundfünfzig Panzerwagen liegen völlig zerstört, brennend, migeworfen, mit geöffneten Flanken, ohne Farbe, ohne Leben, zerstreut
Der Zusammenbruch beginnt.
Paris ist das Herz Frankreichs. Paris spricht und Frankreich hört zu. Paris ist das Herz der Ration, ist's erst recht jetzt, im Wirbel des Krieges. Paris allein macht die öffentliche Meinung. Und dieses Paris steht beim Morgengrauen des 16. April 1917 auf den Straßen, an den Fenstern und lauscht hinaus gegen Nordosten, wo die Front tobt. Der kalte Norb- ostwind bringt unentwegt die dumpfen Schallwellen heran. Und so vernimmt ganz Paris das letzte Aufflackern aller Kräfte zum Auftakt des entscheidenden Sturmangriffs. Und daun läßt das Feuer nach.
Vielleicht wird auch der Schall jetzt vom Lärm der erwachenden Riesenstadt erstickt. Der Bürger begibt sich an seine Arbeit, geht seiner täglichen Beschäftigung nach im frohen Bewußtsein, daß der Poilu unter dem Kommando von Nivelle schon ordentliche Arbeit leisten wird. Er, der Bürger, kann nichts tun, als den Abend abwarten und die Bekanntgabe der neuesten Meldungen. Aber die Stunden fließen an solchen Tagen guälend langsam dahin. Vielleicht läßt sich draußen an den Gürtelbahnhöfen der Pariser Bannmeile etwas erfahren. Große Truppentransporte, aber auch Lazarettzüge, werden nicht durch Paris geführt. Hierzu besteht keine Möglichkeit, weil der Pariser Stadtkern ja nur Sackbahnhöfe hat. Die große Gürtelbahn aber vermeidet diesen Kern und ist von jedem Punkt der Stadt aus in kurzer Zeit mit den üblichen Beförderungsmitteln zu erreichen.
Also fahren um die Frühnachmittagsstunden dieses kalten Montags zahlreiche Bürger hinaus zu den Bahnhöfen der Gürtelmeile. Und siehe, lange brauchen sie nicht zu warten. Schon gegen 14 Uhr keucht ein langer Lazarettzug heran, ein Transport von der Angrisfsfront. Der Zug hält; es ist üblich, daß alle Lazarettzüge hier eine kurze Verpflegungspause einlegen. Sofort durchbrechen die Neugierigen die schwachen Absperrungen und nähern sich den Wagen. Sie kommen wohlgelaunt und freudig herbei. Sie schwenken ihre Hüte, klatschen begeistert in die Hände und rufen:
„Bravo, ihr herrlichen Poilus, das habt ihr wieder mal gut gemacht, den Boches da oben habt ihr's gegeben! Das Vaterland dankt euch, seinen Befreiern."
Einige Zivilisten machen ihre Photoapparate frei, um den Lazarettzug mit den verwundeten Helden der Durchbruchsschlacht zu knipsen. Andere kommen vertrauensvoll näher, um Einzelheiten, interessante Einzelheiten zu erfahren. Aber die verwundeten Poilus sind schlecht gelaunt. Warum? Was ist los? Weshalb sind die Gesichter der Männer im Lazarettzug so finster? Verwundete sind meist freundlich, zufrieden, bescheiden und dankbar für jede Anteilnahme. Diese Poilus aber schreien die Photographen an und brüllen weithinschallend über den Bahnhof:
„Haltet nur den Mund, ihr Heimkrieger!! Schweigt von Durchbruch und Sieg, haha--Geht mal hinauf an den Damenweg und schaut
euch die Schweinerei an. Zehn Tage lang hat Nivelle getrommelt und hak die Deutschen für mausetot erklärt. Und nun kommen wir drüben an und finden eine wohlorganisierte Abwehr. Solch ein Maschinengewehrfeuer hat noch nie ein Mensch erlebt! Geht zum Teufel mit eurem Hurrapatriotismus. Die Armee ist verraten worden. Irgendwelche Schufte haben uns zur Schlachtbank geführt. Und die Schwarzen find laufen gegangen. Jawohl, Mangins Schwarze sind ausgerissen wie Schafe im Hagelwetter, und wir mußten die Lücke schließen und noch schnell die deutschen Gegenstöße auffangen. Eine Schweinerei sondergleichen! Das ist Verrat, das ist Verrat! Man hat uns gemordet---1 Mord! Verrat! Nieder mit
General Durchbruch---!"
Entsetzt weichen die Neugierigen zurück. Was sie zu hören bekamen, ist ja furchtbar. Wirklich, roenn’s so ist, Dann ist Verrat im Spiel. Was hat sich in Wirklichkeit ereignet, welche furchtbaren Kräfte sind am Werke, um Frankreich den Todesstoß zu versetzen?
Der Zug fährt an. Um weitere Zwischenfälle und störende Unruhe zu verhindern, hat der Bahnhofskommandant sofortige Abfahrt befohlen, ohne Verpflegung. Er wird auch weiterhin dafür sorgen, der entsetzte Bahnhofskommandant, daß keine Verwundetentransporte hier mehr Aufenthalt nehmen, hier nicht und nirgendwo in der weiten Pariser Bannmeile. Nur weg, weit weg aus dem Bereich dieser Stadt, in deren wirrem Riesengehirn eine solche Nachricht rasch in Niedergeschlagenheit übergeht und von Mund zu Mund verhängnisvoll weitergetragen wird. Nur rasch fort mit den Verwundetentransporten! Sie sollen Paris nicht mehr berühren und das Herz Frankreichs nicht mehr in Angst und Schrecken jagen. Die verwundeten Poilus, Frankreichs ruhmvolle Söhne, find plötzlich unerwünscht. .....
Der Kommandant handelt weise. Aber er kann diesen hundert und mehr Neugierigen Den Mund nicht verschließen, ihnen, die gekommen waren, um in vaterländischer Begeisterung Die wunden Krieger zu begrüßen, und Die nun in einen grauenvollen Abgrund blicken. Nein, ihnen kann Der Kommandant dieses Bannmeilenbahnhofs nichts verbieten. Denn diese Männer sind schon wieder unterwegs, sahren nach Paris zurück, erzählen überall ihre Wahrnehmungen.
Wie Das sprichwörtliche Lauffeuer geht Die böse Nachricht durch Die Hauptstadt, und Die vaterländische Begeisterung schlägt um in tiefste
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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger


