Nummer 21
Montag, den Z. April
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ebt ® , WIch reise mit einer jungen, sehr reizenden Bankrerfrau, Madame Salinger sand’H S-b. Saling, ans Wien. Als ich mich über die Namensäqnlichkeit wunderte, CMt'1 WW f .. or ' , » ...»___7 (3-xo ft-irtrhr
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i'gte sie: ,Joa, schaun's, i hoab halt mei Komp'ratw g'heiraftt.'Sie spricht •« einem fort dergleichen und geht trotz einer zehnjährigen Tochter (bwno, 'le Mutter brünett) ebenfalls nach Schlangenbad. Und auchüber Köln, |t ib auch wie ich eines dort abzustattenden Besuches halber. Das Kind i|t
S it geartet, aber nicht gut erzogen, und hat mir bei dem beständigen Umher- l.ttern im Coupe bereits meinen Sonnenschirm zerbrochen, was die Mutter ihr in Verlegenheit brachte. Auf dem Bahnhofe, wo wir eben halten, d. h. diesem Augenblicke setzt sich der Zug schon wieder in Bewegung, wimmelt k» von Militär, darunter auch Brandenburger Kürassiere mit einem qmN- ' Selben Namenszug auf der Achselklappe; wahrscheinlich Nikolaus. Es macht
sich sehr gut. Auch Füsiliere waren da, Fünfunddreißiger, (lerne Leute, die mir doch kleiner vorkamen als nötig, obschon Onkel Osten immer zu sagen pflegte: der beste Füsilier sei der, der nur mit bewaffnetem Auge gesehen werden könne. Doch ich schließe. Die Kleine (leider) rennt nach wie vor von einem Coupefenster zum andern und erschwert mir das Schreiben. Und dabei nascht sie beständig Kuchen'.kleine, mit Kirschen und Pistazien belegte Tortenstücke. Schon zwischen Potsdam und Werder sing sie damit an. Die Mutter ist doch zu schwach. Ich würde strenger sein."
Botho legte die Karte beiseite und überflog, so gut es ging, die zweite.
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,,-sranvenvurg a. H., 8 Uhr früh. Der Zug, mein lieber Botho, hält ■et nur drei Minuten, aber sie sollen nicht ungenutzt vorübergehen, nongen- lls schreib ich unterwegs im Fahren weiter, so gut oder so schlecht es geht.
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Irrungen Wirrungen
Roman Son Theodor F'ontane
11. Fortsetzung.
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sehr natürlich. Immer, wenn sie mich sieht, stürzt sie mit Vehemenz auf mich zu und küßt mir die Hand und entschuldigt sich zum hundertsten Male wegen der Drops, ,aber die Mama sei schuld', worin ich dem Kinde nur zustimmen kann. Und doch muß andererseits ein geheimnisvoll na chiger Zug in Sarahs Natur liegen: ich möchte beinahe sagen, etwas wie Erbsünde (glaubst Du daran? ich glaube daran, mein lieber Botho), denn sie kann von den Süßigkeiten nicht lassen und kauft sich in einem fort Oblaten, nicht Berliner, die wie Schaumkringel schmecken, sondern Karlsbader mit eingejtreutem Zucker, Aber nichts mehr schriftlich davon. Wenn ich Dich wiedersehe, was sehr bald sein kann — denn ich möchte gern mit Anna Grävenitz zusammen reisen, man ist doch so mehr unter sich —, sprechen wir darüber und über vieles andere noch. Ach, wie freu ich mich, Dich Wiedersehen und mit Dir aus dem Balkon sitzen zu können. Es ist doch am schönsten in Berlin, und wenn dann
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d und beinahe peinlich. Im übrigen ist sie, urchaus comme il faut. Um Dir bloß eines ~ ej Die Wiener sind uns in solchen Dingen
doch sehr überlegen; man merkt die ältere Kultur."
„Wundervoll", lachte Botho. „Wenn Käthe kulturhistorische Betrachtungen anstellt, übertrifft sie sich selbst. Aber aller guten Dinge sind drei. Laß sehn."
Und dabei nahm er die dritte Karte.
Köln, 8 Uhr abends. Kommandantur. Ich will meine Karten doch lieber noch hier zur Post geben und nicht bis Schlangenbad warten, wo Frau Salinger und ich morgen mittag einzntrefsen gedenken. Mir geht es aut. Schroffensteins sehr liebenswürdig; besonders er. Uebngens, um nichts zu vergessen, Frau Salinger wurde durch Oppenheims Equipage vom Bahnhofe abgeholt. Unsere Fahrt, anfangs so> reizvoll, gestaltete sich von Hamm aus einigermaßen beschwerlich und unschön. Die Kleine litt schwer und leider durch Schuld der Mutter. ,Was möchtest du noch? fragte sie, nachdem unser Zug eben den Bahnhof Hamm passrert hatte, worauf das Kind antwortete: ,Drops.' Und erst von dem Augenblick an wurd es so schlimm ... Ach, lieber Botho, jung oder alt, unsere Wünsche bedürfen doch beständig einer strengen und gewissenhaften Kontrolle. Dieser Gedanke beschäftigt mich seitdem unausgesetzt, und die Begegnung mit dieser liebenswürdigen Frau war vielleicht kein Zufall in meinem Leben. Wie oft habe ich Kluckhuhn in diesem Sinne sprechen hören. Und er hat recht. Morgen mehr. Deine Käthe." ra
Botho schob die drei Karten wieder ins Kilvert und sagte: „Ganz Käthe. Welch Talent für die Plauderei! Und ich könnte mich eigentlich freuen, daß sie so schreibt, wie sie schreibt. Aber es fehlt etwas. Es ist alles so angeflogen, so bloßes Gesellschaftsecho. Aber sie wird sich ändern, wenn sie Pflichte» hat Oder doch vielleicht. Jedenfalls will ich die Hoftnung darauf mcht
will einen gelbenSarg haben un blauen Beschlag. Aber nich zu viel..
„Gut, Frau Nimptsch."
„Un ich will auf'n neuen Jakobikirchhos liegen, Hintern Rollkrug un trnj weit weg nach Britz zu."
„Gut, Frau Nimptsch."
„Un gespart hab ich alles dazu, schon vordem, als ich noch sparen konnte. In es liegt in bet obersten Schublade. Un da liegt auch das Hemd un das iamijol, un ein Paar weiße Strumpfe mit N. Und dazwischen hegt es.
„Wut, Frau Nimptsch. Es soll alles geschehen, wie Sie gesagt haben, lud is sonst noch was?"
Aber die Alte schien von Frau Dörrs Frage nichts mehr gehört zu haben, mb ohne Antwort zu geben faltete sie bloß die Hände, sah mit emem frommen und freundlichen Ausdruck zur Decke hinaus und betete: „Lieber Gott in Hiinmel, nimm sie in deinen Schutz und vergilt ihr alles, was sie mir ölten Frau getan hat." ,.
„Ah, die Seite“, sagte Frau Dörr vor sich hin und setzte dann hinzu: »Das wird der liebe Gott auch, Frau Nimptsch, den kenn ich, und habe mch keine verkommen sehen, die so war wie die Lene und solch Herz und stkche Hand hatte." , ~ ,
Die Alte nickte, und ein freundlich Bild stand sichtlich vor ihrer Seele.
So vergingen Minuten, und als Lene zurückkam und vom Flur her ot die Korridortür klopfte, faß Frau Dörr noch immer auf der Fußbank mb hielt die Hand ihrer alten Freundin. Und jetzt erst, wo sie das Klopsen 1 außen hörte, ließ sie die Hand los und stand aus und öffnete. (|
Lene war noch außer Atem. „Er ist gleich hier... er wird gleich kommen. ygfetJrieJBörr sagte nur: „Jott, die Doktors", und wies auf die Tote.
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OaQesZfo. iuten. In Magdeburg war Goltz am Bahn- hm geschrieben, ich tarne. Wie gut und lieb mmer der Beste, der Aufmerksamste. Goltz harz, d. h. am 1. Juli fängt er an. — Der vährt eine Viertelstunde, was ich benutzt ahnhose gelegenen Platz anzusehen: lauter, tstandene Hotels und Bier-Etablissements, u Stile gebaut ist. Die Hannoveraner, wie Wiennen es die .Preußische Bierkirche', bloß Wie schmerzlich dergleichen! Die Zeit wird Das walte Gott. — Die Kleine knabbert fj. ) zu beunruhigen anfängt. Wohin soll das lich reizend und hat mir schon alles erzählt.
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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Untex diesen Worten hafte die robuste Frau der alten Nimptsch eine
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