Ausgabe 
28.4.1939
 
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Oer Schafhirt.

Von Ruth Schaumann. Tyrnene, sang der Hirt, Der Hirt Dorkon, Wenn Sommer Winter wird, Wenn Wolle Mantel wird. Wenn Wols zur Hürde irrt. Was wird mein Lohn?

Wenn Sommer Winter ward, O Hirt Dorkon, Wächst dir der erste Bart, O Hirt Dorkon.

Hast du getreu gespart. Ein Lamm der schwarzen Art, Ein Lamm der schwarzen Art, Das wird dein Lohn.

Hab ich getreu gespart, Ich Hirt Dorkon, Hab ich getreu gespart. Trotz allem Hohn: Ein Lamm wie du so zart, Ein Lamm der weißen Art, Das wird mein Lohn.

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^^Das aber wühl« niemand, und das begriff niemand.

In einer Nacht wurde von einem Zaun, an dem Kinderwäsche auf» gehängt worden war zum Trocknen, ein Teil dieser Wäsche gestohlen, und der Zufall gab es, daß Krista erkannt wurde und als Diebin sich vor dem Richter zu verantworten hatte.

Dak lie xu stolz gewesen fei, ihrer Mutter oder irgend einem Men» schen zu kommen mit der armseligen Bitte um Unterschlupf und Wäsche ür das Kind, das gestand sie nicht. Sie erzählte nur, Ichüchtern wie em Kind das noch nie am Kleinsten schuldig geworden ist, die «e schichte ihrer'Kindheit und ihres Dienstes, und der Richter fragte Kristas Mutter, die weinend als Zeugin vortrat, ob dies alles die Wahrheit fei. Dio Mutter nickte nur und sagte kein Wort von dem Stolz, den man so kleinen, so armen Leuten doch nicht geglaubt hätte. Ehe noch mehr Zeugen vernommen wurden, schloß der Richter die Akten und stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. In Wirklichkeit aber meinte er es anders und er fragte sogleich nach dem Ende der Verhandlung di« Krista, ob si« vielleicht bei ihm in Dienst treten wolle.

Krista aber schüttelte behutsam den Kopf und meinte, sie werde doch lieber wieder auf den Hof gehen und als Bauernmagd dienen, solange wenigstens noch, bis der Bursche wiederkäm«, für dessen Kind sie di« Windeln gestohlen habe.

So ist sie denn wieder Magd, aber seit dem Kinde sieht man si« häufiger lachen. Und man weiß kaum mehr vor ihr, als daß sie Krista heißt.

schwer geworden, so empfand die Mutter, als sie einmal unterwegs war, die Erniedrigung so beschämend, daß sie am Ende nicht mehr vor Krista hintreten und ihr eigenes Kind um Hilse bitten wollte. Sie konnte sich nicht so tief demütigen vor dem Kinde, wo sie doch in der ganzen Zeit ihrer Ehe nie gebettelt hatte Zum Umkehren aber war es, als sie den Entschluß dazu faßte, zu spät, weil die Bäuerin die Mutter ihrer Britt» magd schon durch das Hostor hatte kommen sehen. So sagte die Mutter denn, bedrängt und verwirrt, der Bäuerin mit ein paar sachlichen Worten, daß sie gekommen sei. um Kristas Jahreslohn abzuheben, wie es abgemacht und bisher üblich gewesen sei. Zwar zögerte die Bäuerin, aber sie kannte Kristas Mutter als ehrbare Frau, die doch nicht ihrer Tochter den Lohn abstehlen wollte, und händigte ihr die dreihundert Mark aus.

Am Abend, als alle Knechte und Mägde tn die Stube kamen, ihren Jahreslohn zu bekommen, stellte sich Krista als letzte in der Reihe an und wartete, bis alle den Lohn in Empfang genommen hatten. Gerade vor ihr aber klappte der Bauer das Buch, in dem er Knechte und Magd« hatte unterschreiben lassen, langsam zu und schaute Krista verwundert an.

Wolltest du auch noch etwas?"

^Ja."

',Ben Jahreslohn hat deine Mutter heute nachmittag abgehoben. Du brauchst wohl einen Vorschuß für das neue Jahr?"

Ja", sagte Krista, aber sie besann sich schnell und überdachte alles. Ihre Mutter also hatte den Lohn einfach weggenommen, wie der Vater es bisher getan hatte. Wenn sie nicht jetzt ihre Mutter beschämen wollte, mußte sie der Wahrheit ausweichen und sie sagte etwas eilig:Ja. Ich wollte einen Vorschuß nehmen. Aber sehr notwendig ist das ja nicht. Ein Kleid und vier Schürzen und zwei Paar Schuhe bekomme ich sowieso, bann kann ich warten mit dem Vorschuß. Gute Nacht, Bauer."

Hernach aber weinte sie über ihre Mutter, die vom Vater gelernt hatte bedenkenlos und schamlos zu nehmen, was ihr nicht gehörte. Was «s um den Stolz der Mutter war, die nicht betteln wollte, verstand sie nicht, und sie weinte, weil sie sich ihrer Mutter schämte.

Im nächsten Jahr aber ging sie am Lohntag nicht mehr mit den anderen Leuten in die Stube. Sie hatte am Nachmittag für kurze Minuten ihre Mutter im Hof gesehen. Der Lohn der Zweitmagd Krista war also bereits abgehoben und wieder ein Jahr mußte Krista i mit dem Kleid, mit den paar Hemden, mit den Schuhen und den Schürzen begnügen, die sie als Zugabe zum Lohn von der Bäuerin bekam. Sie sah ärmlich aus in diesen dürftigen Kleidern, aber well sie groß und schlank und gewandt war, sah man nicht nach ihren Kleidern, sondern nach ihr selbst, nach dem großen Mädchen Krista, um das die Burschen warben, ohne zu begreifen, warum sie keine Liebe in diesem schweigsamen Mädchen wecken konnten.

Da wurde mitten im Jahr ein Erstknecht eingestellt, ein großer Bursche, der ohne Uebertreiben von der Welt erzählte, wie er sie in feinem Wanderleben fennengelent hatte. Er hatte vor Wochen an irgend­einem Bau gearbeitet, er war jetzt Erstknecht und arbeitete für zweie, er zog wohl nach einem halben Jahr wieder weiter m die Welt, well er nirgends Ruhe fand und immer wandern mußte.

Er zog bann auch wirklich nach einem halben Jahr, als die schwere Arbeit getan war, wieder fort in die Welt und ließ Krista allein zurück, allein und mit der Hoffnung auf ein Kind. Ihm war Krista muhelos zu» gefallen, sie hatte ihn liebgewonnen, er hatte für Zeiten wenigstens an den Ernst dieser feiner eigenen Liebe geglaubt, aber er mußte eben wieder wandern in eine fremde Welt.

Krista klagte nicht um den Mann und jammerte keinem Menschen ifjre Not um bas Kind, denn sie war stolz und konnte nicht klagen und

sie aus dem Hof weg und bat in einem kleinen Haus um eine unter» funft. Wenn fie den Blick senkte und an sich niedersah, begriff die Frau, die sie aufnehmen sollt«, worum es ging, und gab ihr die letzte Her» berae. Draußen war es falt, während in einer kleinen Kammer em Kind geboren wurde, das keinen Vater hatte, das von feiner Muller nur in die zertrennten Hemden gehüllt werden konnte und spater wohl elend frieren muhte, wenn Krista dem Kinde doch nichts kaufen konnte, weil sie noch nie solange sie arbeitete, einen Pfennig baren Lohn bekommen

Krista.

Von Josef Martin Bauer.

Als Krista vierzehn Jahre alt und eben der Schul« entwachsen war, »ab sie der Vater, der über feine Kinder wie über ein verkäufliches Stück Seinen verfügte, als Gänsemagd auf den Plaicherhof, wobei er sich austrug, daß Kristas Jahreslohn nicht dem Mädchen, sondern ihm nisbezahlt werden falle, denn er traut gerne, und der Webstuhl in der Stube stand oft monatelang still. Er hatte feine eigene Ansicht über |ene kleine Schulweisheit, daß ein Vater leichter neun Kinder ernähren tls neun Kinder ihren Vater, und gab alle Kinder nach der Schule in i-ie Arbeit, wobei er jedesmal, wie bei Krista, sich selbst den Lohn zu- | schleichen ließ. , .__.

Krista jedenfalls durfte nicht widersprechen, wenn sie Gansemagd oerben sollte auf dem Plaicherhof. Die kurzen Hängezöpfe wippten, als lirifta sich der Frau auf dem Plaicherhof vorstellte.

Ich bin Krista und soll die Gänse hüten -

Eine Stunde später trieb sie ein erftesmal barfüßig die Gans« auf ben Halmacker, während die Großmagd im Türstock des Rmderstalles stand und sie fragte, wer sie sei.

,Jch bin Krista", sagte sie bescheiden und ging mit den schreienoen Hänfen, di« sie mit einer kleinen Geißel im Rudel hielt, ihres Weges. Dem Zweitknecht sagte sie ebensoich bin Krista" und "m zweiten Tag schon fragte niemand mehr nach Woher und Wohin, weil die Kleine nun zum Hof gehörte und für all« Krista hieß. So klein war chr Lebens- 1 creid) daß sie nur die Gänse hüten und die Ohrfeigen ab fangen durste, die eigentlich den größeren Leuten auf dem Hof zugehört hätten, wenn s der Bäuerin nicht unpassend erschienen wäre, ber Großmagd ober her Mittlerin für «inen Fehlgriff «in« Ohrfeige zu geben.

Länger als ein Jahr blieb sie nicht Gänsemagd. Dann schlug der Vater für sie mit dem Lohn auf, und man nahm Krista von da an wie r-ine richtige Magd zu allen Arbeiten in Stall und Feld. Der Vater freute sich dieser Entwicklung, und Krista tat nut Eifer alles, bannt ber Vater auch im nächsten Jahr wieder mehr Lohns ordern kannte denn Krista war in dieser Zeit zur Kleinmagd aufgeruckt und war als ber Later zum letztenmal den Lohn für sie abheben durfte, bereits Britt- krin auf dem Plaicherhof. . , .

Sie war gutmütig und schweigsam, als Drittlenn blieb si« st be cheiden wie als Gänsemagd, sie war ihres Lebens st zufrieden, daß de Later es wagen durfte, auch im nächsten Jahr noch ihren Lhh" "bz^ 'leben, denn Krista fragte nie nach dem Lohn für ihre Arbeit. Darum rühmte der Vater seine Krista als das bravste ferner Ätnberunb wartet« n diesem Jahr einen Monat länger zu, ehe er den Webstuhl tn »etneb etzte. Dies war das erste Lob, bas Krista von ihrem Vater horte und '.u gl eich das letzte. Ein halbes Jahr später starb ber Vater und hinter- üeh ber Mutter noch vier Kinder, für die nicht gesorgt war.

Wären sie doch auch schon vierzehn Jahre alt gewesen, dann hatte die Mutter sie zu den Bauern geben können. So aber waren d e Kinder wch auf ihre Mutter angewiesen, und bi« Mutter ^rdiente weg, wenn sie waschen ging oder tagwerkte in der Erntezeit. Dw Kinder zwar verdienten schon, sie brauchten aber, was sie verdienten,

Nm Krista schien gar nichts für sich selbst zu brauchen. Krista hatte sich nicht auf gelehnt gegen den Vater, der bisher ihren ga".},6*1 ) .

gehoben hatte. Krista war vielleicht bereit, der Mutter für «in 3a) ober für zwei Jahre einen Teil ihres Magdlohnes abzutreten. D konnte man ein Kind und vielleicht auch noch em Zweites zu ben »a geben, damit es selbst verdienen lernte und die Mutter entlüftete.

Wochenlang trug die Mutter sich mit dieser Absicht und 8^8 lüsch am Lohntag, beschämt vor sich selbst, zum A^icheihos, u Krista Geld zu erbitten. War ihr der Entschluß Zu diesem Bittgang fch

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nicht betteln.

So stolz war sie, daß sie schwieg bis zur letzten Stunde. Dann ging f weg und bat in einem kleinen Haus um ein« Unter» den Blick senkte und an sich niedersah, begriff die Frau, len sollte, worum es ging, und gab ihr die letzte Her-