Ausgabe 
28.4.1939
 
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Nummer 55

Hreltag, den 28. April

hrgang 1959

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Ml betet zum Hause der schönen Frauen 1)1 nüber! ff® Schalk unter meinen K.ä-», (B über die Bosheit und Schlechtigkeit der v « k

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9n Straßburg trat Ich in die erste Lehre 6et einem Bogner, der mich

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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger

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DER HEILIGE

Novelle von Conrad Ferdinand iUeyer

1. Fortsetzung.

gönnen."

Der Chorherr nickte billigend zu diesem weisen Worte, und der Bogner fuhr fort:Drei Jahre verblieb ich in der Heldenstadt, die Tage verflogen mir im Wettlaufe der Arbeit und an den Abenden ergötzte Ich mich, da mir nach und nach die arabische Zunge geläufig wunde, ohne Wein und Streit in den luftigen, offenen Hallen, roo sie Märchen er« hm ich einmal aus dem Munde eines braunen, fllut« dem sie am liebsten lauschten, denn er verstand es.

Der Prior rühmte an diesem Poeten, daß er ein frommer Heide ge- nJen und Gott ihm zum Lohne seiner Tugenden prophetische Straft eigehaucht, so daß in seinen Versen die hochgelobte Mutter mit den, Anbe sich spiegle und deutlich zu erkennen sei. Daher kam es, daß die Me aus der ich lernte, ganz von Messerstichen durchlöchert war. In tun Johannisnacht, da ich von Allerheiligen schied, und bevor ich den Sprung über die Mauer tat, habe auch ich hineingestochen zu dreien Noten, nach inbrünstiger Anrufung der drei heiligen Namen, und die Sorte getroffen: sagittas, calamo, arcui. Und Wrgilius hatte wahr ge­stochen: mit Pfeil und Bogen hab' ich all mein Lebtag zu tun gehabt.

So genoß ich denn meiner raschen Füße wieder und eilte durch das Hioldgevirg' dem Elsaß zu, den großen Bogen des Rheins mit einer graben Linie abschneidend. Gegen Mittag kam Ich vor einem festen he auf eine Wiese, wo von allerlei Volk ein Bogenschießen abgehalten müde. Ich war schon unterwegs wie berauscht von dem Obern der Erde Wb der Lust, meine Glieder zu brauchen, und da ist es nicht zu ver- ro indem, daß ich mir in dem Lustlager und Getümmel der Schießenden cm den ausgelassenen Gesellen, die der verlaufene Mönch ergötzte, einen Lagen in die Hand geben ließ und bann, mit vorgestrecktem Fuße &anb fassend, Schuß um Schuß aus Ziel schickte. Mein Blick, sei Euch gijagt, ist scharf und sicher von Natur und hat mich von Kindheit an ec betrogen.

Ich glaube, daß sie mich, der den Becher verlernt hatte, trunken inchten, daß ich in der Glut die Aermel aufstreifte und die Kutte bis an bie Schenkel schürzte, und mir steht dunkel und ärgerlich vor Augen, daß 16 zuletzt unter Spott und Gelächter mit nackten Armen und Beinen im Nurentriumphe herumgetragen wurde.

Am srühen Morgen, in der Knechtstracht, die mir ein guter Gesell gischenkt welterwandernd, betrachtete ich nicht ohne Scham den Stand meiner Dinge. Ein beflecktes Wappen lag rechts und eine zerrissene Sitte links hinter mir am Wege. Nichts blieb mir als das Handwerk, unö ich suchte mir eines, das mich von ritterlichen Leuten und Dingen acht ganz entferne und feinen Mann ernähre in Kriegs- und Friedens- Wien. Da erhellte sich mir die Losung des Virgllius, und ich beschloß, tii Bogner und Armbruster zu werden. Aller Anfang ist schwer, lieber Ifrrr; und neben den müßigen Gewöhnungen des Wegelagerers und des lNonches hatte ich noch viel Torheit eines weichen Herzens zu über« la nden. Ich mußte zu festem Stande kommen; denn, ob ick) schon einen Iloben getötet und ein Klostergelübde gebrochen, so hätte mich dock; mein Ihimmes Gemüt fast in eine dritte Missetat gestürzt. Dies will ich Euch »' ch erzählen vom übrigen werde ich kurz fein.

Ich war, gen Straßburg wandernd, unter eine Bande von fahrenden Shülern geraten, und wir zechten in einer Schenke gegenüber den N auerwerken und Turmspitzen der berühmten Stadt. Da fiel mir ein, in e mein Mütterlein mir weiland viel geredet halte von einer frommen Nähme, die in einem Straßburger Kloster ein heiliges Leben geführt, u»b deren Fürsprache im Himmel sie, wenn das SB aff er des Elends ihr bs an den Mund flieg, mit Nutzen anzurufen pflegte. Solches dachte Ich oi f meinen Irrenden Wegen auch zu tun. Also ging ich einen der Ehrenden, der ein Helles, offenes Gesicht hatte und, wie er jagte, bie Siabt von früher her wohl kannte, mit freundlichen SBorten an, ob er Kit bas Kloster nicht weifen könne, wo meine Muhme SBillibirg im Bruche der Heiligkeit gestorben fei.

-Lieber*, antwortete er, .flehest du dort den achteckigen Turm mit dem itbigefl Dache? Und daneben das lange Gebäude an der Stadtmauer l ®rt hat deine Muhme gewaltet.' t . ,, ...

Da warf ich mich auf die Knie und rief, nach dem Haufe hinüber« W'tfenb, bie heilige Frau inbrünstig an, mir zu allem guten und heil- A°men Werke behilflich zu fein. Was höre ich hinter mir? Ein unter- wiiftes Gekicher, ein toll ausbrechendes Gelächter, und, rafch den Stopf I«endend, sehe Ich den Fahrenden, der die Zipfel feines Gewandes zu |M langen Ohren gestaltet hatte, die er neben den meinigen winken if'b wedeln läßt. Zu gleicher Zeit lachten die anderen unbändig: .Der Ml betet zum Haufe der schönen Frauen hinüber! ... Aber schon lag 1,® Schalk unter meinen Knien, während ich schwere Tranen fallen 1*6 über die Bosheit und Schlechtigkeit der Welt und ihn würgte, daß

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beibrachte. Doch war er ein Mann des Brauches und der Gewohnheit, der den Kopf eigenfinnig schüttelte zu den Verfeinerungen und Aus­bildungen, deren das Wesen und die Gestalt der Armbrust fähig ist, und die damals aus Engelland und Flandern, besonders aber aus dem heidnischen Granada bis zu uns In das Deutsche Reich hereindrangen. Mir aber, der einen jungen und neugierigen Geist hatte, lieft es, nach den einmal überwundenen Anfängen, keine Rast noch Ruhe; denn, lieber Herr, in jeder, auch der geringsten Kunst ist ein Ziel der Vollendung verborgen, das uns ruft und lockt, ihm Tag und Nacht sehnsüchtig nach- zuziehen.

Oft hab' Ich damals im Traume eine Armbrust gebaut und einen Bolzen gebildet, die noch weiter trugen als das sarazenische Schießzeug, aber im Frühlicht verblichen meine Fündlein wie höhnische Irrwische; denn es waren plumpe Tastungen oder willkürliche Gedanken, da ich tuo 1)1 einige Griffe, aber noch nicht die Gründe und Gesetze meiner Kunst erkannt hatte.

So beschloß ich zu wandern und bei den Meistern zu lernen. Durch Frankreich und Aquitanien wanderte ich und Überstieg den 'Pyrenäen- berg und erblickte jeden Abend in den roten 'Wolken des Sonnennieder­ganges Sie Wunderstadt Granada, wohin mich meine Seele zog, bis sie zuletzt wahr und wirklich vor mir auf dem Abendhimmel stand. Und es war mir vergönnt, die Weltpracht, die sie dort aufgerichtet haben zu betrachten, das durchbrochene Schmuckwerk ihrer Paläste, die Palmen und Zypressen ihrer Zaubergärten und die aufftelgenben Strahlen ihrer rauschenden Wasserkünste."

Und du bist unbeschnitten an Leib und Glauben wieder zurückge- kehrt, armer Hans?" warf Herr Burkhard ein.

Zweifelt nicht daran, und mit einem weit klügeren Kopfe auf den Schultern, als ich ihn hingetragen hatte. Was aber meinen Christen­glauben betrifft, Herr, fo habe ich ihn gegen einen großen Philosophen behauptet, dem ich die Röhren, wodurch er den Gang der Gestirne beob­achtete, vervollkommnen half. Allnächllich zeigte er mir die langsam wandelnden Heere des Himmels und erklärte mir, wie von Ewigkeit her die menschlichen Geschicke an diese leuchtenden Zeichen und Figuren, diese Tiergestalten und Wagen geschmiedet seien, so daß keine Hand, weder menschliche noch göttliche, in die sich drehenden Speichen des Feuerrades greifen könne, und kein Raum bfclbe, weder für die mensch­liche Wahl noch für den Zorn und die Gnade Gottes.

Ich aber glaubte ihm nicht und berief mich auf die Gewitterslut der Reue, wann ich meine Sünde vollbracht hatte.

Im übrigen fand und lernte ich in Granada, was ich dort zu suchen gekommen war. Es ist nur die Wahrheit, lieber Herr! die heidnischen Bogner sind unübertroffen. Haben sie doch vorzellen mit klugem Witze aus dem Umfange des Bogens die gedrungene und handliche Gestalt der Armbrust gezogen, wie die Sage lautet und ich gerne glauben will: denn Gott hat den Heiden viele Kunst und Wissenschaft gegeben, Mathe- mailt, Mechanik, Baukunde, alle Lehre, wo gezählt und gewogen wird, um ihnen, wie ich meine, vor dem ewigen Tode einen kurzen Stolz zu

zählen. Dort vernahm Ich einmal aus dem Munde eines braunen, glut« -glgen Burschen, dem sie am liebsten lauschten, denn er verstand es, ..e Gebärde beider Geschlechter und jeden Alters und Standes mit be« möglichem Mienen- und ölieberfplele darzustellen, eine Geschichte, nicht besser und nicht schlechter als seine übrigen: sie scheint Euch abroeges; aber ich lasse sie nicht liegen, denn sie gehört zur Sache.

Es ist das Märchen vom Prinzen Mondschei

Ein junger Fremdling sei von einer gegen Mitternacht gelegenen Jnftl nach Kordova gekommen und habe sich dort bei dem Stahlen In Gunst gesetzt durch den Zauber seiner Gestalt und Rede und durch seine Meisterschaft im Schachspiele. Daneben habe er trotz feiner anmutigen Jugend eine solche Schärfe des Verstandes und politische Weisheit be­sessen, daß der von ihm beratene Stalife ohne Krieg und Blutvergießen durch die bloße Anwendung der Staatskunst in nicht langer Zelt der mächtigste der maurischen Könige geworden sei. Darum habe er den Prinzen Mondschein so nannten die Kordovaner den Fremdling um der Blässe und Sanftmut seines Antlitzes willen ganz närrisch lieb« gewonnen und ihm ohne Bedenken die schönste feiner Schwestern zum Weibe gegeben, Prinzessin Sonne, die, nachdem sie einmal den Fremd­ling erblickt, ihre leuchtenden Augen nicht mehr von ihm habe abwenden können. Sanne und Mond seien aber nicht über einen Jahreslauf zu­sammengeblieben, da die Geburt eines Mädchens die Prinzessin das Leben gekostet. Hierauf hätten hundert neidische Höflinge gegen den

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